Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 7 (13.2.1883)
- Date
- 1883-02-13
- Page
- Seite 104 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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104 wo er einige Jahre später Heldenthat seiner Zeit viel wurde, war Jude. starb. Jakob Csillag, besprochen und viel dessen besungen Auch die Türkei fürchtet sich vor Len Juden. Die altersschwache Türkei, die in den letzten Jahrzehnten erwiesen hat, daß fie ebenso unfähig ist, sich der äußeren Feinde zu erwehren, wie durch wahrhafte Reformen sich zu verjüngen und der Civilisation anzuschließen, wodurch sie ihre letzten Freunde verloren hat, ist — unter die Antisemiten gegangen. Es hat ihr in der That noch gefehlt, daß fie ihrem früheren Grundsätze der Gastfreundschaft, welchem der jüdische Stamm in vergangener Zeit mancherlei Gutes zu verdanken hatte, untreu geworden und dies den Juden gegenüber, in denen ihre höchsten Würdenträger stets die treuesten Unterhanen nichtmohammedanischer Art, aner- Juden in Palästina verboten habe. Das Verbot ist zuwider den bestehenden Verträgen auch auf Engländer und Oesterreicher jüdischer Religion in Anwendung gebracht worden. Oliphant veröffentlicht zugleich das in dieser Angelegenheit vom Kaimakam von Haifa an die Konsular-Vertreter der auswärtigen Mächte gerichtete Rundschreiben, welches folgenden Wortlaut hat: „Ich habe Sie zu benachrichtigen, daß ich soeben telegraphisch den Befehl von dem Bilayet von Smirna vom 14. Dezember (26. n. St.l 1882 erhalten habe, auf Grund dessen es jüdischen Emigranten verboten ist, in Smyrna zu landen, und insbesondere nicht erlaubt ist, Palästina zu bewohnen, daß dieses Verbot ein absolutes ist, mangels eines entgegengesetzten höheren Befehls, und daß ich beauftragt bin, diese Maßregel zur Kenntniß der Konsuln der freundlichen Mächte zu bringen. Ich mache Sie daher mit diesem Befehl hiermit bekannt, (gez.) Mahmoud Tewfik." Dieses Verbot steht schon seit längerer Zeit in Aussicht und Herr Oliphant hielt sich zu dem Zwecke in Konslankannt haben — wir hatten einst Gelegenheit, dies selbst aus denr Munde eines türkischen Gesandten zu hören. Die Pforte! tinopel auf, um den Sultan umzustimmen, was ihm also hat das Verbot ausgesprochen, daß jüdische Emigranten in Smyrna nicht landen und in Palästina sich nicht niederlaffen dürfen. Erklärlich ist uns dies sonderbare Vorgehen dadurch, daß die Türkei durch die kleinen europäischen Bolksstämme, die Griechen, Rumänen, Serben, Montenegriner, Bulgaren, Albanesen u. s. w. mehr gelitten und verloren hat, als durch die Großmächte, deren Eifersucht allein die Existenz der Pforte ermöglicht und sichert. Sie hat es immerfort erfahren, welche Lebens- und Spannkraft in diesen kleinen Volksstämmen vorhanden ist, so daß sie dieselben nicht zu überwinden und nicht unter ihrem Joche zu erhalten vermag. In den letzten Jahren hat sich nun die Zahl der nicht gelungen ist. Vielleicht war gerade das eifrige Bemühen dieses christlichen Herrn, der entschieden von der Meinung der Wiederherstellung des jüdischen Reiches in Palästina erfüllt ist, mit Schuld, daß die Pforte zu diesem Entschlüsse gekommen. Wenn durch dieses Verbot die Ansichten der meisten westeuropäischen Juden nicht berührt werden, weil sie von der Einwanderung in Palästina unter den vorhandenen Zuständen und Verhältnissen nichts erhoffen, so ist es doch grausam für viele Juden, namentlich in Rußland und den anderen orientalischen Ländern, welche in tiefer Pietät und ftommer Gläubigkeit im h. Lande das Ende ihres Lebens verbringen und eine Grabstätte suchen wollen. Ein solches Juden in Palästtna bedeutend vermehrt; in Jerusalem stieg Berbannungsdekret für die Urenkel derer, die einst dieses die jüdische Bevölkerung von 8000 auf 13,000 Seelen, und Land besessen, und es für die ganze Menschheit ruhmvoll in mehreren kleineren Ortschaften haben sich Juden wieder! gemacht haben, sprach einst der römische Kaiser Hadrian nach angefiedelt. Nun wäre dies in dem gering bevölkerten Lande kein Gegenstand der Befürchtung. Aber die Pforte hat so oft, und nicht bloß von Judenfeinden, namentlich in England von der Wiederherstellung eines jüdischen Reiches in Palästina sprechen hören, daß sie vor dem Anwachsen der Juden in Palästina Furcht bekommt. Hierzu gesellt sich die fabulöse, aber doch so oft ausgestreute Meinung, daß die Juden geheime Zwecke zur Erlangung der Macht verfolgten. So dem furchtbaren Aufstand des Bar-Koch ba aus. Was haben aber die Juden dem Sultan gethan, um zu einem solchen Ausschluß zu berechtigen? Ist es nicht die blasse Furcht, die aber den Herrscher eines mächtigen Reiches zugleich zu einem Feigling stempelt? Die Korrespondenz der Times deutet darauf hin, daß England und Oesterreich sich dieses Verbot für ihre jüdischen Unterthanen nicht gefallen lassen werden. Wir haben hierzu unbegründet und lächerlich diese ist, so konnte sie doch durch kein Vertrauen, denn die Erfahrung hat uns gelehrt, daß das Einströmen jüdischer Emigranten in Palästina in der Pforte erwachen, und jenes Verbot zum Resultat haben. Das Nähere ist Folgendes: Das ehemalige englische Unterhausmitglied für Stirling Laurence Oliphant theilt in einem Schreiben an die „Times" mit, daß die türkische Regierung die Einwanderung von man den Grundsatz, sich in die inneren Angelegenheiten eines anderen Staates nicht zu mischen, jedesmal geltend macht, wenn der Schaden Juden betrifft.