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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-02-13 · Heft 7 (13.2.1883) · p. Seite 103

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 7 (13.2.1883)
Date
1883-02-13
Page
Seite 103 (sequence 7)
Language
German
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103 mitischen Redner Szcll und Kiß, ohne irgend etwas besonderes' General Klapka veröffentlichte in der „Ung. Post" folvorbringen zu können. Ugron weißt „jegliche Solidarität" i gende Erklärung, die von geschichtlichem Werth ist. Seitens der Unabhängigkeitspartei mit den antisemitischen: „Fern sei cs von mir, mich in Streitfragen einzulassen, Abgeordneten zurück und beruft sich auf Kossuth. Zuletzt deren Umfang und Heftigkeit ich innigst bedauere, weil sie hält der Referent Berzevizy die Schlußrede. Er hebt als Thatsache hervor, erstens: daß es im ungarischen Parlament keine Partei, auch nicht einmal eine Fraktion giebt, die das Prinzip der bürgerlichen Rechtsgleichheit anzutasten wagt. < (Zustimmung.) Und zweitens, daß es sich bei dieser Gelegenheit herausgestellt hat, daß die Führer und Theilhaber der, antisemitischen Bewegung über die Ziele und Grenzen ihrer Bestrebungen untereinander gar nicht im Klaren sind. (So ist's! rechts.) Er kritisirt dann die antisemitischen Redner einen nach dem anderen und überschüttet sie mit satyrischcr Lauge. Er sagt unter Anderem: Ich denke, die Lösung ist leicht. Alle Jene, welche — wie der Herr Abgeordnete - die friedliche Lösung sich zum Ziele gesteckt haben, müssen sich aller Aenße rungen enthalten, welche, anstatt die Gereiztheit zn beschwich tigen, dieselbe noch zu steigern geeignet sind und aus welchen es gar leicht ist, einen Beweis für die Berechtigung der ganzen Bewegung herauszulesen; statt dessen müssen sie mit vereinten Kräften dahin streben, vor Allem jene zügellose Agitation völlig niederzuschtagen, welche immer wieder von neuem die Leidenschaftsn aufwühlt und welche niedergeschlagen werden muß, weil sonst die Gesellschaft für heilsame Rathschläge nicht empfänglich und nicht im Staude fein wird, besonnen und unbefangen an die Lösung ihrer Aufgaben zu schreiten. (Allgemeine Zustimmung.) Ich verlange zur Niederwerfung dieser Agitation vorläufig keine außerordentlichen Maßregeln; allein ich hoffe, daß den schwersten Schlag gegen diese Bewegung doch das Parlament mit seiner heutigen Entscheidung führen wird. (Beifall.) Der Beschlußantrag des Petitions-Ausschusses wurde mit riesiger Majorität (mit Ausnahme einiger weniger Mit glieder erhob sich das ganze Haus dafür» angenommen, wodurch die Gegenanträge Verhovay's und Jstvezp's abgelehnt erscheinen. So endigte diese fünftägige Debatte, die in der Geschichte unsrer Zeit eine Curiosität bilden wird. Jüdische Helden in Ungarn. Die gehässige Frage, welche der Antisemit Szalan neulich im ungarischen Abgeordnetenhause nach jüdischen Melden aufwarf, hatte auch ihr Gutes: sie hat als Antwort die ehrenvolle Kundgebung eines ungarischen Generals hervorgerufen und die Namen jüdischer Freiheitskämpfer in Erinnerung gebracht. der ausländischen Presse Anlaß bieten zu schweren Anklagen gegen uns, die zu vermeiden in unserem Interesse gelegen wäre. Meine Pflicht ist nur. die Ehre Derjenigen zu wahren, die in den Jahren 1848 und 1849 tapfer an meiner Seite gefochten und die zum Lohne dafür nun plötzlich als Feiglinge gebrandmarkt werden sollen. Dem gegenüber fühle ich mich verpflichtet, Folgendes zu erklären: Gleich bei Errichtung der ersten zehn Honved - Bataillone eilten zahlreiche jüdische Jünglinge herbei, um sich freiwillig anwerben zu taffen. Beauftragt mit der Bildung des sechsten (Beßprimer) Bataillons, zählte ich deren mehrere per Kompagnie. Während des ganzen Krieges fand ich nie auch nur den geringsten Unterschied in der Haltung vor dem Feinde zwischen Inden und Christen. Beide thaten ihre Schuldigkeit, beide wußten, wofür sie ihr Blut vergossen. Gegen Ende des Krieges zählten wir zahlreiche jüdische Offiziere in unseren Kreisen, ich selbst deren mehrere in meinem Generalstabe. Jeder von ihnen that seine Pflicht. Mein General-Intendant in Komorn war der vortreffliche Leo Holländer, gleichfalls! ein Jude, dessen unermüdlichem Eifer, Hingebung und Opferwilligkeit wir es hauptsächlich zu verdanken haben, daß die Verpflegung der Besatzung selbst unter den schwierigsten Verhältnissen keine Unterbrechung erlitt. Holländer's Söhne dienten gleichfalls in der Armee. So viel zur Steuer der Wahrheit und um einigen meiner Landsleute den alten Spruch in Erinnerung zu bringen: Qui dit trop, ne dit rien. Budapest, 25. Januar 1883. 1 G. Klapka." Bon den vielen Juden, welche im ungarischen Freiheitskriege heldenmüthig gekämpft haben, nennen tvir nur einige: Moritz Einhorn aus Waag-Neustadtl, der Bruder des Staatssekretärs und srühern Predigers Ed. Horn, trat in Pest zur Honved-Artillerie ein, kämpfte unter Bem in Siebenbürgen und siel in offener Schlacht an der Kanone, die er als Oberfeuerwerker bediente; er war ein sehr gebildeter junger Mann und tüchtiger Matheinatiker. Sowol er wie sein jüngerer Bruder, der jetzige Redakteur des „Journal de St. Petersbourg", Anton Horn, hatten wiederholt in blutigen Schlachten mitgekämpst für die ungarische Freiheit. Jakob Esillag hieß der Husaren Wachtmeister, der im Mai 1848 seinen Zug unter rührenden Beweisen von Tapferkeit und Ausdauer mitten durch die österreichischen Heere von Prag nach Pest führte. Für diese Bravour wurde er in Pest zum Offizier ernannt, in welcher Eigenschaft er den ganzen Freiheitskrieg mitmachte, aus welchem er, körperli ch gebrochen, nach seiner Vaterstadt Kecskemet heimkehrte.

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