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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-02-13 · Heft 7 (13.2.1883) · p. Seite 101

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 7 (13.2.1883)
Date
1883-02-13
Page
Seite 101 (sequence 5)
Language
German
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101 gesetz zu beginnen; heute mußte wieder das Wuchergesetz der! Judendebatte weichen. Wuchergesetz und Judendebatte in einer Woche, ja an einem Tage und dazwischen Etwas über Blutbeschuldigung — wie mittelalterlich klingt alles Das! Heute waren die Gallerten des Hauses beängstigend voll, die aristokratischen Logen dicht besetzt und vor dem Hause war Alles schwarz von Menschen-, man wußte, daß es heute! wieder eine Judendebatte giebt, und die übt noch immer! eine große Anziehungskraft. Mittags um die zwölfte Stunde j öffneten sich auch die Schleusen der Beredtsamkeit des Herrn! Ivan Simonyi, der als der treueste Bundesgenosie Jstoczy's! und Onody's und als Redactcur des antisemitischen „Westung. Grenzboten" im ganzen Lande bekannt ist. In einer zweistündigen Rede gab er seine Albernheiten zum Besten, deren Pointen von Heiterkeitsausbrüchen und stürmischen Eljenrufen begleitet wurden. Er erklärt, er habe sich mit der Judenfrage praktisch beschäftigt. (Große Heiterkeit.) Er präsentirt sich zugleich dem Hause als zweifacher Ehrenjude, denn er war zweimal Gevatter bei einem Juden. (Lebhafte Heiterkeit.) Redner polemisirt jetzt gegen die Angriffe, welche die antisemitische Hetze hier im Hause erfahren. Mocsary und der Minister-Präsident haben von Reaktion und Intoleranz gesprochen, Jranyi von Befangenheit, blinder Leidenschaft und noch ärgeren Dingen. Das Akkompagnement dazu giebt die Presse, die zu 00 Proc. sich in Händen der Juden befindet. Nach einer Auseinandersetzung über die Presse kommt Redner auf das Heimstätten Gesetz und auf die Preßburger! Unruhen zu sprechen und meint, die Regierung wäre in ihrer übertriebenen Vorsicht mit Maßregeln hervorgetreten, als noch keine Spur von Unruhen war: man darf eben Alles und Jedes kritisiren, nur die Juden nicht. Im Wiesenbnrger Komitat wurde für ein in Deutschland zu gründendes antisemitisches Blatt gesammelt. Kaum erfuhr dies der Minister des Innern, da lies er auch schon das gesammelte Geld konsisziren und der competente Stuhlrichter mußte gegen die Sammler einschreiten. Die Regierung habe die Preßfteiheit anläßlich der Tißa- Eßlarer Affaire fuspendirt; es wurde die Kolportage im ganzen Lande verboten, weil die Juden sich fürchteten, es könnten auf diesem Wege auch judenfeindlichc Pamphlete verbreitet werden. Und seither wird weder Shakespeare, noch Petöfi, noch Koffuth, noch Schiller im Lande verbreitet, denn die Juden wollen es nicht leiden. Der Minister-Präsident kämpfe ans Seite der Juden, trotzdem er selbst ein geheimer Antisemit ist (Stürmische Heiterkeit); er vexirt die Antisemiten und lägt sie auf diese Weise die Feuerprobe bestehen; dadurch nützt Koloman Tiya den Antisemiten am meisten und er (Redner) drücke ihm hierfür seine huldigende Hochachtung aus. (Große Heiterkeit.) Die Juden werden überall begünstigt, die Christen überall verfolgt. Einer, der Jstoczy leben ließ, wurde vor die Polizei gestellt; hätte der Betreffende Wahrmann hochleben lassen, es wäre ihm nichts geschehen. (Heiterkeit.) Er nennt dieses System der Juden-Beschützung eine verfehlte, unverschämte Taktik, von welcher nur die christlichen Bürger den Schaden haben. Präsident ermahnt den Redner, sich unparlamentarischer Ausdrücke nicht zu bedienen. (Zustimmung.) Ivan Simonyi versichert, er habe stets zu denjenigen Rednern gehört, die viel auf parlamentarischen Anstand halten und nur der Judenfrage habe er es zu danken, daß ihm heute die Ehre zutheil geworden, die sonst seinem Kollegen Csanady so oft widerfährt. (Große Heiterkeit.) Gegen Otto! Herinan gewendet, der gesagt hat, daß die Antisemitenführer!sich im Hintergründe halten, sagt Redner, es habe wahrlich nicht viel Courage dazu gehört, bei den harmlosen Preß- ' burger Straßenkrawallen — denn es ist ja keinem Juden auch nur ein Haar gekrümmt worden — am Schauplatze zu erscheinen. Er seinerseits ist allerdings nicht hingegangen, weil er nicht von jüdischer Seite Jnvektiven einstecken wollte. Uebrigens hat Otto Herman Ihnen Allen aus der Seele gesprochen; er hat gesagt, was Sie fühlen. (Rufe rechts: Was? was?) Redner bleibt die Antwort auf diese Frage schuldig. Der Jude ist klüger als wir — fährt Redner fort —, er war darauf vorbereitet, daß sich die Mehrheit gegen feine Herrschaft endlich einmal empören werde, und er hat sich dagegen gerüstet; er betrachtet Alle, die ihn zu vertheidigen suchen, als seine künftigen Sklaven und er mißbraucht deren Freundlichkeit. Redner erklärt, daß er sich dem Ende seiner Rede nähere. (Lebhafte Zustimmung.) Er ermahnt das Land, die elfte Stunde zu feiner Rettung zu benützen; er sagt: wir sind die Fortschrittspartei (Heiterkeit), wir wollen die Nation in Wahrheit ins gelobte Land der Verheißung bringen, wir kämpfen für die Emanzipation der Christen von der Herrschaft der Juden. Redner fordert die Abgeordneten auf, morgen die Judenblätter zu lesen und sie werden finden, daß man seine heutige Rede entweder todtschweigen, oder verhöhnen oder beschimpfen werde. Dies ist für ihn ein Beweis, daß er Recht hat. Er nimmt Jstoczy's und Verhovay's Beschlußanträge an. Nach Schluß der Rede Simonyi's hat der Minister- Präsident dem Antisemitismus auch heute einen Denkzettel angeheftet, der nicht schnell in Vergessenheit gerathen wird. Er sagte wörtlich Folgendes: Geehrtes Haus! (Rufe: Hört! Morgen!) Es fällt mir nicht ein, eine Rede zu halten; ja es ist möglich, daß ich nicht nur jetzt, sondern auch später in dieser Angelegenheit

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