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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-02-13 · Heft 7 (13.2.1883) · p. Seite 98

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 7 (13.2.1883)
Date
1883-02-13
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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r ps gemeine Zustimmung). Mitten in der Rede Jranyi's macht bevor den Juden irgend ein Recht zugestanden war. Wir Jstoczy Lärm auf seinem Platze. wären, wenn wir die Emanzipation der Juden zurücknähmen. Gabriel Ugron: Wenn der Abgeordnete Jstoczy nicht „damit eben dort, wo wir heute sind; dem nicht emanzipirten ruhig bleiben will, so gehe er weg von da. > Juden müßte man die bei ihm gemachten Schulden doch Viktor Jstoczy: Das ist eine Unverschämtheit. (Großer ebenso bezahlen, wie dem emanzipirten. (Beifall und Heiter- Lärm.) keit.) Wer Branntwein trinken will, fragt, weiß Gott, nicht Gabriel Ugron: Wenn der Herr Abgeordnete grob sein danach, ob der Schankwirth emanzipirt ist, oder nicht. (Heiterkeit), will, so entferne er sich von hier; er hat hier nichts zu fucken Dagegen müßte, wenn den Juden die Erwerbung von (it semmi helye), er gehe zu Denjenigen, zu welchen er paßt! Grundbesitz verboten würde, natürlicherweise der Werth eines (Unruhe.) i jeden Grundbesitzes mit einem Male um wenigstens ein Biert- Jranyi weist nach, daß die Emanzipation der Juden! theil sinken, weil die wohlhabendste Klasse von den Lizitationen nicht ein Werk des Augenblicks gewesen, sondern eine Jahri ausgeschlossen wäre." (So ist's!) Hunderte lange Entwickelung gehabt habe, eine Frucht der! Er fährt fort: „Wir würden also just das Gegenthcil gesetzgeberischen Civilisation Ungarns sei. Er fährt fort: „So! erreichen, so daß der bedrängte Schuldner in noch härtere wollen wir denn untersuchen, welche Folgen die Aufhebung Bedrängniß gerathcn würde. Daß dieser schiefen Lage ab-- der Emanzipation der Juden in Ungarn haben würde. Die! geholfen werde, dafür hat die Legislative zu sorgen. Da selbstbewußten, wohlhabenden Juden würden das Land verf liegt auf unserm Tische das Wuchergcsetz; wir werden über lassen und nach Oesterreich ziehen; Zurückbleiben würden bic j baffclbc in allernächster Zeit berathen. Doch das Wucherarmen und weniger anständigen Juden; diese würden wieder! gesetz allein wird unsere Uebelstände nicht aus der Welt schaffen, zu Parias werden und sich noch mehr gegen die christliche j (So ist's!) Wir müssen auf sozialem Gebiete Maßregeln er- Gesellschaft wenden. Wer immer Knecht gewesen, empfindet > greifen, in jeder Gemeinde Sparkafien, Schul-Sparkassen, nur Neid gegen den Freien; wer aber frei gewesen und wieder! Hilfskassen errichten und insbesondere gute Schulen erhallen, Knecht geworden, der empfindet Haß und Rache gegen den! welche das Volk zu Sparsamkeit, Mäßigkeit erziehen sollen. Bedränger. Die reichen Juden würden natürlich ihr Geld mitj (Zustimmung.) Ich könnte mit dem Finger auf Gemeinden nehmen; das Geld würde im Lande vertheuert werden, einTheit! Hinweisen, wenn ich die Bescheidenheit der Betreffenden nicht der Arbeiter würde ohne Erwerb bleiben, der Boden würde! verletzen wollte, in welchen das vom Wucher auf das Emim Werthe sinken. Da ihnen die Aemter verschlofien wären,' pfindlichste angegriffeneBolk durch das hochherzige und rationelle würden sie sich wieder massenhaft dem Handel und Gewerbe Eingreifen eines einzigen katholischen Geistlichen vom Wucher zuwenden; unsere christlichen Kaufleute und Gewerbetreibengerettet wurde und zwar gerade durch die Mittel, deren ich den wären einer noch größeren Konkurrenz ausgesetzt." soeben gedacht: durch Sparkassen, Hilfskassen und gute Schulen. Es müfie vielmehr direkt auf die Thätigkeit, Sparsam- (Rufe: Siofok! Johann Magyar! Eljen!) keit und die Bildung des ungarischen Volkes hingewirkt werden. Ich weiß, g. Haus, daß diese Anklagen nicht die einzigen Eine außerordentliche Wirkung brachte der berühmte sind, die gegen die Juden als Race vorgebracht werden. Dichter Abg. Moriz Jokai hervor. Er führt zuerst aus, (Hört!) Man sucht aus dem Talmud alle jene Satzungen herdaß, wenn die Antisemiten sich auf den Boden der Gesetzvor, welche die Juden den Christen verhaßt machen. Ich gebung wagen und das Prinzip der Rechtsgleichheit angreifen,! will nicht rechten mit Jenen, die diese Anklagen heroorsuchen nicht mehr die Juden allein, sondern die ganze ungarische und in ihren Blättern verbreiten. Nation angegrisien werde. Die Freiheit ohne die Gleichheit Es ist auch hier im Hause schon oft auf den Talmud sei keine Freiheit, sondern nur Privilegium. Er sagt unter Berufung geschehen. Ich habe ihn nicht gelesen; ich bin im Anderem: „So oft dem Volke etwas fehlt — und wann ist Hebräischen nicht so bewandert wie die Herren, die aus dem dies nicht der Fall? — ist es stets eine populäre Sache, zu Talmud zitiren. (Lebhafte Heiterkeit.) Wenn aber Dasjenige, sagen, daß die Juden an allem Uebel schuld tragen." Er was vor tausend Jahren, unter den damaligen Verhältnissen blickt auf die Kreuzzügc zurück und bemerkt: „Damals wollte geschrieben wurde, Alles richtig und auch heut im öffentlichen man wenigstens für den Erlöser (megvalto) Rache üben; Leben in llebung wäre, was müßte dann ein Fremder sagen, heute wollen wir uns nur mehr für uneingelöste Wechsel der unseren Talmud, das Corpus juris zur Hand nähme und (valto) rächen." (Lebhafte, anhaltende Heiterkeit und Beifall.) uns daraus vorlesen wollte, daß in Ungarn der Ehemann, Alle die Uebel, die man jetzt von den Juden herleitet, der seine Gattin auf einer Untreue ertappt, dieselbe ungestraft und die vielmehr „durch das Umsichgreifen der Trunksucht, tödten dürfe! (Sehr wahr!) Daß dem Diebe zur Strafe die die Unsittlichkeil, den Pauperismus, die körperliche und geistige Augen ausgestochen werden; daß man, wenn ein Edelmann Verkümmerung" hervorgerufen werden, waren schon vorhanden, | seine Magd heirathet, Beide mit einem Strohstrang zusammen-

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