Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1883)
- Date
- 1883-02-06
- Page
- Seite 92 (sequence 12)
- Language
- German
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92 wurden mit Ausschluß der Oeffentlichkeit in Anwesenheit von Polizei-Commissäreu abgehalten. Aus der Umgegend trafen Theilnehmer auf Bauernwageu unter Escorte von Trabanten ein. Abends war Fackelzng. Die Stadt ist ruhig, Dank der lobenswerthen Energie und Wachsamkeit der Behörden. Frankreich. Paris, im Januar (Privatmitth.) In Frankreich, wo der Seine hat am 22. Dezember beschlossen, aus der Morallehre jedes Bekenntniß der Gottheit und jede Verpflichtung zum Gehorsam gegen die Gesetze Gottes auszumerzen. Der Stadtrath von Marseille hat en bloc alle Posten für sämmtliche Culten gestrichen. Dies sind einige der eclatantesten Fälle, welche das Verfahren der gegenwärtigen Machthaber charakterisiren, und doch sind noch nicht einmal die Radikalen, die Intransigenten zur Herrschast gelangt. Doch wende man die Strömungen des öffentlichen Geistes seit einem Jahrhundert nicht ein, daß diese Leute aus dem allgemeinen Stimmrecht in beständigem Wechsel und oft nach kurze«! Zeitraum im hervorgegangen seien. Die Erfahrung hat gelehrt, wie wettervollen Gegensätze begriffen sind, herrscht gegenwärtig in den Wendisch und wie unterwürfig dieses allgemeine Stimmrecht maßgebenden Kreisen eine Feindseligkeit gegen alle positive; in Frankreich ist. Religion, die, weil extrem, wahrscheinlich eine starke Reaktion z nach sich ziehen wird. Wir brauchen nicht zu bemerken, daß| das französische Judenthum nicht die geringste Beranlaffung dazu gegeben har, daß sich jener Antagonismus gegen alle Religion vielmehr aus dem Widerstande gegen klerikale und hierarchische Herrschaft entsprungen ist. Aber die Wirkungen Nußland. Petersburg, 21. Januar. Man hätte denken sollen, daß vor einem so gräßlichen Unfall, wie der Cirku-brand in Berditschew, jeder konfessionelle Zwist schweigen werde, und da eine große Anzahl sowohl von Juden wie von Christen fallen ebenso schädigend aus das Judenthum wie auf die in dem Brande umgekommen ist, das Mitgefühl sich gleicher katholische und die protestantische Kirche. Ausnahmen können j Weise aus Alle erstrecken werde. So war es in Wien bei eben nicht gemacht werden. In diesem Blatte wurde vor! dem Brande des Ringtheaters, und wir erinnern an die groß- Jahren schon aus diesen Lauf der Dinge aufmerksam gemacht artige, für alle Confessionen gemeinsame Bestattung und und an unsre französischen Glaubensgenossen die Mahnung gerichtet, sich darauf vorzubereiten, damit die religiösen Beransialtungen nicht allzusehr darunter leiden. Hierhin gehört besonders die Entziehung der Staats- und städtischen Unter- Leichenfeier und an die den Hinterlasscnen aller Betheiligten zugeflossenen Unterstützungen. Anders in Rußland. Die Nowoje Wremja z. B. hob mit Schadenfreude hervor, daß in dem Brande 148 Juden umgekommen seien, und führte eine Reihe stützung, der Culte. Allerdings haben es die gegenwärtigen von Namen an, welche allerdings nur russischen Juden eigen gesetzgeberischen Faktoren noch nicht zur Streichung der Cultus-! sind und die sie dabei lächerlich zu machen suchte. Dabei budgets gebracht; hingegen werden bereits viele Subventionen I war die Nowoje Wremja fast die einzige russische Zeitung, die aus städtischen Mitteln von den Munizipalbehörden gestrichen,! etwas Näheres über diese entsetzliche Katastrophe brachte. An was freilich in manchen Fällen die Centralregierung aus Grund j dem Grabe so vieler Unglücklichen noch seinen antisemitischen der noch bestehenden Gesetze nicht zugeben kann. Entwickeln! Neigungen zu fröhnen, das beweist doch eine sittliche Versich aber die Berhältniffe noch weiter in derselben Richtung, j worsenheit, wie sie bei Kannibalen nicht schlimmer sein kann, so kann diese Streichung nicht ausbleiben. Ein anderes, das! Der Nowoje Wremja zum Aerger erweist sich aber das Beraugcnblicklich in lästiger Weise eingrcist, ist die Entfernung > hältniß umgekehrt, da an demselben Abend im jüdischen jedes Religionsunterrichtes aus der öffentlichen Schule, so > Theater gespielt wurde, waren viel mehr Christen als Juden daß nicht einmal Schulräume für den, anderweitig beschafften | im Cirkus, und dies hat sich bei der Aufstellung der Listen Religionsunterricht bewilligt werden dürfen. Die Zeitungen i herausgestellt. Doch wird Niemand am anderen Ufer der wimmeln von solchen Beschlüssen. So hat der Oberrath des! Weichsel den Pfaden der Nowoje Wremja folgen, öffentlichen Unterrichts beschlossen: 1) Ausschluß aller Cultus-- - - beamten aus den Prüfungskommissionen für die Besähigungszeugnisse zum Lehramte; 2) Entfernung der Religionslchrer aus den Normalprimärschulen. Ter Munizipalrath von Paris, der sich mehr mit Politik als mit den Angelegenheiten der Stadt beschäftigt, beschloß am 28. Dezember, daß 1) die Schulprogramme für den Seknndärunterricht mit denen für den Primärunterricht in Uebereinstimmnng gebracht und der Bonn, 28. Januar. (Notizen.) Aus Wien wird uns geschrieben: Bor einigen Tagen starb hier die Wittwe Amalie Feigl. Sie hinterließ eine Stiftung im Betrage von 10,000 Gulden, deren Zinsen alljährlich an zwölf arme Wittwen vertheilt werden sollen. — Aus Pest theilt man uns mit: Am 20. d. M. starb hier im Alter von 90 Jahren Lorenz Schwab, er gehörte zu den ersten und größten Grundbephilosophische Theil derselben nach den Ideen der Freidenkerei > sitzern Ungarns. — Am 20. d. M. feierte, wie wir bereits verändert werden soll; 2) daß die Religionslehrer auch aus! gemeldet, Rabb. vr. Oppenheim in Thorn sein 25jähriges den Lyccen ausgeschlossen werden sollten. Der Generalrath j Amtsjubiläum. Die Feier wurde durch einen mit Chorge-