Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-02-06 · Heft 6 (6.2.1883) · p. Seite 91

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 6 (6.2.1883)
Date
1883-02-06
Page
Seite 91 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3227447-3227454--40563-3308962
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

91 Richter fragen, ob er sich auch zum Apostolikum bekennt?"! Er schließt: „Schließlich sei noch bemerkt, daß es die! christlich-sociale Partei bei der Berufung auf das christlich-! deutsche Bewußtsein mit der Betonung des Deutschen im^ vorliegenden Gerichtsfalle wohl selbst nicht so genau nimmt, sondern nur gewohnheitsmäßig das bekannte Zugwort braucht, denn sie wird doch nicht gegen einen Richter, der nicht deutscher Abstammung ist, sondern zur wallonischen, wendischen , polnischen oder litthauischen Nationalität gehört, Protest erheben wollen." Wir führen diese Aeußerungen an, um die Hohlheit und das Tendenziöse in dem Verfahren Hapke's und der Konservativen auch durch christliche Zeugen zu erhärten. Berlin, 27. Januar. In Elbing hat der dortige konservative Verein beschlossen, Herrn v. Minnigerode eine Erklärung zu übersenden, welche verlangt, daß jüdische Rechtskandidaten nicht mehr im Richteramte angestellt werden. — Der Vorstand des evangelischen Vereins zu Liegnitz hat eine Petition an den Reichstag gerichtet, in welcher er die Wiedereinführung der seelsorgerischen Einwirkung aus die Schwörenden verlangt, d. h. also die "Anwesenheit eines Geistlichen bei jeder Eidesleistung. — Man sieht, die Sache verdichtet sich bereits zu einem starken Ballen. Berlin, 2d. Januar. Der „B. B. E." schreibt zu dem Fall Hapke: „Wie wir vernehmen, ist die Beschwerde des Prediger Hapke seitens der betreffenden Kammer des Landgerichts zurückgewiesen worden. Diese Beschwerde bezog sich darauf, daß nach der Meinung des Herrn Hapke der Amtsrichter Lion nicht befugt gewesen sein sollte, ihm den Eid abzunehmen. — Die Appellation wegen des Strafmaßes wird nunmehr zur Erledigung gelangen; doch handelt es sich bei dieser Appellation nur um die Höhe des Strafmaßes." Chemnitz, 20. Januar (Voss. Z.) Unsere Stadt scheint von den Antisemiten als besonders geeignetes Versuchsfeld angesehen zu werden. Nachdem in den ersten Januartagen Stöcker daselbst gesprochen, und nachdem dessen junge Saat von den rauhen Händen des Reichstagsabgeordneten Rickert gründlich zerstört worden ist, haben für den 29. Januar drei antisemitische Größen auf einmal ihr Erscheinen angekündigt: Dr. Henrici, Liebermann von Sonnenberg und I. von Simonyi. Diese drei Capacitäten werden am gedachten Tage im Thalia- Theater die Köpfe der reformbedürftigen Chemnitzer mit dem Evangelium des Raffenhasses erleuchten. — (Chemnitz hat eine jüdische Bevölkerung von 294 Seelen unter rund 9.>,009 Bewohnern, und diese sollen sich um jener willen beunruhigen lassen! Red.) Oesterrei ch-Ungarn. Pest, 22. Januar. Ueber die Sitzung des ungarischen Abgeordnetenhauses am 20. d. M. enthält die „Voff. Z." eine Correspondenz, aus welcher wir einige Stellen hervorheben. Es ist vor Allem „die Thatsache ins Auge zu fasten, daß Antisemiten und Ultramontane einen gemeinsamen Vorstoß gegen den modernen Staat gewagt und im Parlamente dabei eine gemeinsame Niederlage erlitten haben. Scbulter an Schulter haben sie gekämpft; Schulter an Schulter sind sie niedergeworfen worden. Natürlich war es kein Zufall, wenn! gleichzeitig mit der, erst heute zu verhandelnden Petition ans Tapolcsa über Zurücknahme der Juden-Emancipation Bittschriften von Geistlichen eingebracht waren, die sich gegen den neuen Gesetzentwurf über die obligatorische Civilehe mit der Eventualität christlich-jüdischer Ehen und gegen das Mittelschulcngesetz erklärten; ja, sich sogar bis zu der Forderung um Wiedereinführung der Reverse bei gemischten Ehen verstiegen." Ferner: „Die Cooperation der Römlinge und der Antisemiten war also gegeben, aber zum Heile hat sie keinen von beiden Theilen gereicht. Die äußerste Linke vollzog gestern die Ausstoßung der sechs antisemitischen Hauptkrakehler, namentlich Qnody's und Simony's, Redacteurs des „Westung- Grenzboten", aus dem Club unter dem Rufe: „Hinaus mir den Reactionären!" Die Römlinge aber zogen sich eine derbe Verwarnung Tisza's zu." Die „äußerste Linke" hat sich also von den antisemitischen Elementen gereinigt, und wird so die Achtung wiedcrgcwinncn, welche sic durch die Unterstützung der Antisemiten verloren hatte. Daß dieser Bruch vollständig ist, konnte man aus einem Rencontre zwischen Jranyi und Jstoczy erkennen, das in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 2o. d. M. stattfand, in welcher der letztere dem ersteren „Unverschämtheit" vorwarf. Hierfür ertheilte der Präsident in der Sitzung vom 24. nachträglich dem Jstoczy einen Ordnungsruf. Beide, Jstoczy und Jranu, nahmen übrigens ihre beleidigenden Ausdrücke zurück. Prcßburg, 20. Januar. Heute fand die Schlußverhand lung gegen die Excedenten bei den Lanschützer Judenkrawallen statt. Tie Angeklagten leugneten sämmtlich, wurden aber durch die Zeugenaussagen überwiesen. Im Laufe der Verhandlung zog der Staatsanwalt die Anklage gegen neun Angeklagte zurück und ließ besonders die Anklage wegen Raubes fallen. Von den noch verbleibenden fünfzehn Angeklagten wurden vom Gerichte drei freigesprochen, die übrigen zwölf aber theils wegen Gewaltthätigkeit, theils wegen Diebstahls, theils wegen Erpressung und körperlicher Verletzungen zu Freiheitsstrafen von vierzehn Tagen bis zu neun Monaten verurtheilt. Der Gerichtshof machte bei der Qualifikation vom Milderungsrechtc des §. 92 des Strafgesetzes Gebrauch. Sieben Angeklagte appellirtcn. Kecskemet, 2k. Januar iPrivaimitth.) Heute fand hier die Constituirung des antisemitischen Vereines statt, zu deren Feier auch die Abgeordneten Jstoczy, Qnody and Szalav ans Budapest eingetroffen waren. Die Sitzung und das Banket c*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.