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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-02-06 · Heft 6 (6.2.1883) · p. Seite 88

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 6 (6.2.1883)
Date
1883-02-06
Page
Seite 88 (sequence 8)
Language
German
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88 giftigen Phrasen gelangen wir auf keiner Seite weiter. Eine Anzahl Gemüther mehr wird dadurch vergiftet, aber weder die Wahrheit noch die Gerechtigkeit um einen Schritt weiter gefördert; der Hader wird verstärkt und in die Länge gezogen, aber zu einem Ausgleich oder Ergebniß nicht gebracht. Herr Partenius mag sich überzeugen, daß zu seinem Machwerk keine Dichtergabe und keine Sachkenntniß erforderlich waren, deren Besitz er auch nicht erweist, sondern nur einer Anzahl bitterer Phrasen, und diese kann man in unsrer Zeit recht wohlfeil haben. — Bon „Neumann's Geographischem Lexikon des Deutschen Reiches" (Leipzig, Bibliographisches Institut 1882) liegen uns Lieff. 12—22 vor. Das Werk empfiehlt sich, wie wir bereits in früheren Besprechungen 6emerkten, durch seine Bollständigkeit, namentlich auch in den aus der Volkszählung von 1880 gezogenen statistischen Angaben, durch die ihm beigegebenen Karten und Städtepläne, sowie durch seine Wohlfeilheit. Wir fahren fort, wie aus den früheren Lieferungen, auch aus den vorliegenden sämmtliche jüdische Gemeinden zu ziehen, die nicht unter 500 Seelen I zählen, und stellen nur die Bemerkung voran, wie ausnehmend groß in Deutschland die Zerstreuung und Zersplitterung der Juden in den kleinen und großen Ortschaften ist; wie in zahllosen Städten, Städtchen und Dörfern ihre Zahl kaum 10 oder 20 oder 50 erreicht. Wer da wüßte, durch welche Zufälligkeiten diese kleinen Gruppen hingestreut wurden? Jedenfalls muß man die Ausdauer und Zähigkeit dieses Stammes bewundern, der sich auch in so kleinen Splittern trotz der ungünstigsten Umstände treu in seinem Glauben und in der Väter Sitte zu erhalten gewußt hat. In den vorliegenden Heften (von Havetoft bis Nennhausen) begegnen wir der Gemeinde Heidelberg mit 799 Juden, Heilbronn 870, Großherzogthum Hesien mit 26,746, Hildesheim 513, Jnowrazlaw 1615, Kaiserslautern 716, Karlsruhe (Baden) 1689, Kassel 1756, Kattowitz (Oberschlefien) 1597, Kempen (Posen) bringen. Wir machen darauf aufmerksam, daß mit der Vollendung des ganzen Werkes (8 Bände) eine Erhöhung des Ladenpreises eintreten wird. — Außer der bereits erwähnten Sammlung von Gutachten und Erklärungen christlicher Theologen und Gelehrten neuester Zeit über die Blutbeschuldigung ist auch in Wien (Steyrermühl 1883) eine Broschüre erschienen: „Die Blutbeschuldigung gegen die Juden. Von christlicher Seite beurtheilt." Wie uns unser Wiener Korrespondent mittheilt, ist der Berfaffer derselben Herr Emanuel Baumgarten, Mitglied des Vorstandes der jüdischen Gemeinde, ein für das Gute wahrhaft eifriger und rühriger Mann. Er tritt in keine Polemik ein, sondern stellt nur die Aeußerungen hervorragender christlicher Persönlichkeiten über jenen Gegenstand zusammen. Diese sind Q. Septimii Florentis Tertulliani Apologeticus, Inno cenz IV., Gregor X., Rudolph von Habsburg, Kaiser Friedrich III., Martin Luther, König Stephan von Polen, Wagenseil, die Leipziger theologische Fakultät im Jahre 1714, das ungarische Reichsgesetz vom Jahre 1791 Art. 38., Hofprediger Beith, Dr. I. F. von Meyer, Prof. Molitor, G. H. von Schubert, Rev. Mr. Pieritz, und dann aus der neuesten Zeit die Proff. Nöldecke, Merx, Stade, Siegfried, Delittzsch. Bischof Dr. Kopp, die theologischen Fakultäten zu Amsterdam und Leyden. Als Anhang: „Tißa-Eßlar — im Jahre 1715, Pius VI. (1755) und Ernst Renan." Man kann dieser Sammlung nur eine imponirende Wirkung zuschreiben, welche die erbärmlichen Skribler, die sich noch zu Verfechtern jener Beschuldigungen aufspielen, aufs Aeußerste beschämen würde, wenn diese noch eines Schamgefühles fähig wären. — nvio nss von M. L. Rodkinssohn, Redakteur des „Hakaul" (Preßburg, Alkalay 1883). Der Berf. geht von der Ansicht aus, daß „die Herstellung der Mazzoth und speziell derjenigen, welche an den zwei ersten Pasiah-Abenden bei den orthodoxen Juden in Gebrauch sind. 2193, Koblenz (Kreis) 1382, Kolmar (Elsaß) 1135, Köln I mit einer derartigen Menge außerordentlicher, jedoch weder 4523, Königsberg (Ostpreußen) 5082, Krefeld 1532, Kreuzj dem Geiste des mosaischen Gesetzes entsprechender, noch dem nach 601, Krone (an der Brahe) 517, Krotoschiu 1192, Talmud gemäß absolut nothwendiger Vorsichtsmaßregeln ver Landsberg (an der Warthe) 674, Lautenburg (Westpreußen)! bunden sei, daß dieselbe, nämlich die Bereitung der Mazzoth, 607, Leipzig 3572, Liegnitz 970, Fürstenthum Lippe 1030, -jedem Uneingeweihten als Geheimthuerei eigenthümlicher Art Liffa (Posen) 1833, Lothringen 81! 7, Lübeck, der Staat 560,. erscheinen muß." Der Berf. setzt dies in flüssigem Hebräisch die Stadt 550, Magdeburg 1340, Mainz 3182, Mannheim! auseinander und dringt auf die Abstellung dieser unnöthigen 4031, Memel 1214, Metz 1592, Mülhausen (Elsaß) 2183,; Erschwerungen. München 4144, München-Gladbach 504, Rakel 910.— Mit Pest, 21. Januar. Bon Dr. Ad. Jellinek ist die Vergnügen sehen wir von der Gesammtausgabe der Leopold jRede im Druck erschienen, welche er am Sarge des ver- Kompert'schen Schriften (Berlin, Louis Gerschel 1882) beewigten Leopold Ritter von Wertheimstein, der drei Jahcreits den zweiten Band in unsren Händen. Er enthält „Böhmische Juden", nämlich die drei Erzählungen: Dorsgeher", „Die Verlorene" und „Treuderl". Wenn wir nicht irren, ist die zweite, die längste der drei, neueren Datums. Der nächste Band wird den Zeitroman „Am Pflug" zehnte an der Spitze der Wiener Gemeinde stand, am 9. Jan. (Rosch Chodesch Schwat) gehalten hat. Aukuüpsend an das Psalmwort im neäibim „neben Edlen", entwirft er ein seelenvolles Bild des Entschlafenen, der nach seiner Abstammung. Erziehung und äußern Erscheinung, nach seinem

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