Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1883)
- Date
- 1883-02-06
- Page
- Seite 86 (sequence 6)
- Language
- German
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86 I; |' j j i ' i; \ i II .! t , I zurückgebliebenen Glaubensgenossen nicht kümmerten. Er verin recht grausigen Seenen. Selbstverständlich beabsichtigen gaß hierbei nur, daß es seine Partei gewesen, welche zur I wir nicht, an dieser Stelle eine Kritik des Werkes, seines Zeit für die völlige Freiheit der Orthodoxen, gegen die jüdische! Inhalts und seiner Form zu geben. Unsre Aufmerksamkeit Eongreßordnung und demnach für die Treispaltung der unzieht jedoch der erste Theil der Dichtung auf sich, in welgarischen Judenhcit mit aller Macht eintrat. Dies verj chem den Vordergrund ein flüchtiger portugiesischer Jude eingaßen überhaupt viele Redner, die eine Organisation für die! nimmt, der von großer humanistischer Gelehrsamkeit und in gesammte Judenheit verlangten. Anderntheils aber erklärte j Coimbra mit Ruhm zum Doktor kreirt, aus seinem Vater-- er sich entschieden gegen die Antisemiten, und bekundete somit I lande geflohen, weil er eine Christin geheirathet, die, strengoffen, daß die äußerste Linke nunmehr die antisemitische Ge-j gläubig, Christin geblieben, und sein Töchterchen in dem nossenschast von sich abgewälzt habe. Er sagte:! Sinne erzieht, daß ihm, erwachsen, die Wahl der Religion „Redner will Niemandem die Freiheit entziehen. Er j des Vaters oder der Mutter freistehe. In einem verrufenen verdammt das Vorgehen Jener, die das Volk gegen die Juden : Quartier vor einer schwäbischen Stadt lebt er verborgen, bis aufhetzen und die nirgends zu sinden sind, wenn des Volk > seine Berhältniffe entdeckt wurden und er nun vor den Verden Haranguen Folge leistet. (Lärmende Zustimmung.) Redner! solgungcn, die sich über ihn ergießen, erliegt. Der Vers, versteht cs, wenn sich Antisemiten das allerdings dumme Ziel! stellt diesen Juden als ein Ideal der Menschenliebe dar, vorstecken, die Juden auszurotten und sich dann selbst an die I urtheilslos, dem Studium des Humanismus und der Uebung Spitze stellen und der Masse sagen: Nun tobte und zerstöre! i der Menschenliebe gänzlichergeben. So schön und edel Ebers ^Bewegung.) Aber die Methode der modernen Führer, die! diesen Costa, eigentlich Lopez, darzustellen versteht, so köndas Volk aufhetzen und das aufgehetzte dann im Stiche lassen, bedeutet die ordinärste Demagogie, wie es ja bekanntlich ein Kennzeichnen der Demagogie ist: Unruhe zu stiften und sich der Verantwortung zu entziehen. «Lebhafte Zustimmung.) nen wir doch die ganze Schilderung und die Behandlung des religiösen Themas nur als eine schwächliche und oberflächliche anerkennen. Er läßt seinen Costa auf der Grenzlinie zwischen Judenthum und Christenthum wie auf einer Redner fragt die Antisemiten, ob sie auch bereit seien, scharfen Kante equilibriren. Wollte er die beiden Religionen nebeneinandcrstellen und in ihrem Wesen vergleichen, so hätte er in die Tiefe derselben eingehen und beide charakterisiren müssen. Das mußte für unsre Zeit, wenn er diese große Frage unter die Feder nahm, geschehen, wenn er nicht auf allen Seiten anstoßen und ungenügend bleiben wollte. Das Judenthum läßt er ganz bei Seite, und spricht nur vom Christenthum und von den Juden. Im ursprünglichen Christenthum bewundert Costa die Lehre von der allgemeinen Menschenliebe, ohne auch nur mit einem Worte anzudeuten, daß diese Lehre schon im Judenthume gegeben war, was er als Jude thun mußte, schon nach dem Vorbilde, das ihm sein Vater gegeben. Die Juden stellt er als Verfolgte und Gemarterte dar, und erhebt besonders den Borwurf, daß wenn Krisen eintreten, die Verantwortlichkeit zu übernehmen'? ob sie sich stark genug fühlen, wenn die fanatisirte Menge einmal losgebrochen, sie in ihrer Hand zu halten'? Nach den bisherigen Geschehnissen muß Redner dies entschieden bezweifeln." Zugleich acceptirte er den Ausschußantrag und erntete lebhaften anhaltenden Beifall auf der äußersten Linken. Nachschrift. In der Sonntagsitzung 28. Januar wurde der Antrag des Petitionsausschusses fast einstimmig angenommen, und hiermit sind die Anträge Jstoczy's und Verhovay's verworfen'. «Fortsetzung folgt.» Literarischer Wochenbericht. Bonn, 2ö. Januar. Georg Ebers, der erfolgreiche ihnen die Christen uicht gestatten, „Liebe zu üben und gut Egyptologe und noch erfolgreichere Romanschriftsteller, hat den! zu sein". Die Frage, warum die Juden nicht Christen würfrüheren Kreis seiner Dichtungen, die altegyptische Welt, ver-! den, beantwortet er dahin, daß sie sich zu den Lehren und lasten und wählt jetzt seine Stoffe vorzugsweise aus dem! Satzungen der Priester nicht bekennen könnten, ohne eine 16. Jahrhundert. Diesem gehört auch sein jüngst crschie-; Lüge zu begehen, und daß sie von der Pietät gegen die neuer Roman „Ein Wort" (Stuttgart, Deutsche Verlags-' Traditionen ihrer Väter sestgehalten würden, denen sie gerade Anstalt, 1883) an. Der Held des Romans hat in seiner unter ungünstigen Umständen zu entsagen für Feigheit halten Kindheit von einem erlösenden „Wort" gehört, welches dem müßten. Ebers begeht hier selbst den Fehlgriff, das Ber- Menschen das wahrhafte Glück verschaffte, und ist nun auf bleiben in der Religion der Väter mit dem Verbleiben in der Suche nach diesem Wort. Er findet es weder in der Kunst, einem von den Vätern überkommenen Handwerk zu vergleichen, noch in kriegerischem Ruhme, noch in Reichthum und Macht, Man sieht, dies ist der rein negative und äußerliche Standsondern schließlich in der Liebe. Dies ist der einfache Grund- Punkt, und von dem positiven Gehalte der Religionen keine gedanke des Romans, welcher nun die Kämpfe und Enttäu- Spur. Ebers ist nm so mehr sehlgegangen, als er hiermit schungen des Helden auf seinem Wege schildert, mit Vorliebe seine Leser unwillkürlich an seine eigene Person erinnert, da