Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1883)
- Date
- 1883-02-06
- Page
- Seite 85 (sequence 5)
- Language
- German
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85 Gleichberechtigung zu entziehen sei." Ferner: „Wie lange! die Antisemiten nicht erfahren. Jstoczy suchte sich schadlos diese Debatte noch dauern wird und wie oft ähnliche Debatten . zu halten, indem er zur Begründung seines Antrages eine sich wiederholen sollen — das wissen wir nicht. So viel lange Rede hielt, in welcher er seine schon so oft vorgebrachten können wir jedoch sagen, daß dieselben von jedem Gesichts-! Phrasen gegen die Juden wiederholte. Das Haus begleitete punkte aus nur tief zu beklagen sind. Schließlich haben die j seinen Vortrag aber mit einer solchen Unruhe und gab so jüdischen Bürger dieses Landes nichts gethan, was dazu be-! viele Zeichen der Langeweile zu erkennen, daß seine Worte rechtigte, sie jeden Augenblick auf die Anklagebank zu setzen > kaum verstanden werden konnten. Er empfand dies selbst und sie einer moralischen Vivisektion zu unterwerfen. Der | und wurde immer matter. Seine Jsolirung im Hause ist beste Weg, Frieden zu stiften und das Einvernehmen zwischen eine vollständige. Ebenso unglücklich war Onody. der sich zu den verschiedenen Konfessionen aufrecht zu erhalten, ist das der Behauptung emporschwang: bei den Wahlen vertheilten gewiß nicht und wir erlauben uns auch zu bezweifeln, ob j die Juden die Rollen unter sich, so daß auch etliche für die man der Verbreitung des ungarischen Gedankens in solcher Weise am besten dient. In welchem Lichte endlich diese unaufhörlichen „Judendebatten" das ungarische Parlament vor der europäischen öffentlichen Meinung erscheinen lassen, das ist ein Punkt, auf den wir hier, aus Rücksichten, die Jedermann begreifen wird, näher einzugehen nicht gewillt sind. Wer für diese Rücksicht überhaupt noch Sinn hat. der wird sich darüber freilich täglich aus den berufensten Organen der auswärtigen Presse Belehrung schaffen können." Diese Worte überheben uns der Mühe, das Verfahren des ungarischen Abgeordnetenhauses zu kennzeichnen. Und dabei find die Mitglieder des Hauses einig bis auf neun in äußerste Linke stimmten. Außerdem sprach Julius Verhvvay gegen den Liberalismus, der den Juden die Freiheit gegeben und stellte ein aus sieben Punkten bestehendes Petitum auf, welches eine innere und äußere Organisation der jüdischen Religionsgenossenschaft, die gründliche Ausrottung der jüdischen Winkelschulen, eine Regelung der jüdischen Matriken, die Einschränkung der Judeneinwanderung, wie auch Maßregeln gegen die Verfälschung der Lebensmittel, Regelung der Grundbesitz- und Creditverhältnisse rc. fordert. Auch dieser Antrag findet im Hause keinen Anklang. Dagegen sprach schon der Berichterstatter des Ausschusses prinzipiell aus: „Es kann jener Grundsatz, daß in Ungarn der Verwerfung des Antrages, und feindlich gegen die Juden > jeder Bürger vor dem Gesetze gleich und Jeder im Bollgenusse sind nur die drei bekannten Antisemiten Jstoczy, Onody und i der gewährleisteten individuellen und bürgerlichen Freiheit Szalay aufgetreten! Welche Verschwendung an Zeit und Kraft also, die zum Heile Ungarns, zur endlichen Herstellung der überaus nochwendigen Reformen ganz anders verwendet werden könnten! Die Petition der Tapolczaer Wähler (ungefähr 2000 Unterschriften) verlangte die Verwerfung der Civilehe und! dringen kann. Und die Aufhebung der Emanzipation der Juden. Der Beschluß-1 ausstrecken sollten, Antrag des Petitions-Ausschusses lautet wie folgt: sei, — nicht einmal in Frage kommen. Dieser Grundsatz steht in so erhabener Höhe über allen unseren staatlichen und gesellschaftlichen Einrichtungen, daß dahin die wechselnde Tagesströmung, der Kampf der kommenden und vergehenden gesellschaftlichen Auffassungen und Bestrebungen nicht Hinaufwenn sich dennoch frevlerische Hände um diesen Grundsatz in seiner Höhe zu verletzen, so ist es Pflicht der Staatsgewalt, einen solchen „Die Petition wird — mit Bezug auf den Gesetzentwurf! Angriff abzuwehren; und wenn die aufgewühlten Leidenschaften über die Ehe zwischen Christen und Israeliten — dem Justiz-1 und die Gehässigkeiten an der Pforte der Gesetzgebung pochen Ausschüsse zugewiesen; das Haus erklärt ferner, die übrigen! und von ihr verlangen, daß sie selbst jenen Grundsatz stürzen Theile der Petition nicht berücksichtigen zu können." möge, so hat die Gesetzgebung für eine solche Forderung keine Viktor Jstoczy reichte ^folgenden Beschlußantrag ein: andere Antwort, als eine einfache, schroffe Zurückweisung." „Das Haus erklärt, daß es die Revision des G. A. XVII: (Lebhafte Zustimmung von allen Seiten des Hauses.) 1867 für nothwendig erachtet und weist die Regierung an. Heben wir von den übrigen Rednern einige nachdrück, einen entsprechenden Gesetzentwurf vorzulegen." Unterschrieben: liche Aeußerungen heraus. Eine sonderbare Rede hielt das Viktor Jstoczy, Geza Onody, Emerich Szalay, Georg Szell, Mitglied der äußersten Linken Otto Hermann, der sich Arpad Szentivanyi, Ludwig Meßlenyi, Fürst Arthur Ödes-; einentheils für das Prinzip der Rechtsgleichheit, anderntheils calchi, Ivan Simonyi, Ludwig Lazar. Zusammen neun für die „Forderungen des praktischen Lebens" gegen die Rechts- Unterschriften. Nach der Hausordnung des ungarischen Reichs- 1 gleichheit erklärte. Ebenso zweitheilig war seine ganze Rede, tages muß ein solcher Antrag mindestens zehn Unterschriften Er gab sich den Anschein, tiefe Studien gemacht zu haben, haben, um den Antragsteller zu berechtigen, vor der Abstimi deren Resultat die Entdeckung war, daß Moses ein sehr weiser mung noch einmal das Wort zu ergreifen. Jstoczy hat für! Gesetzgeber gewesen, daß die Juden aber sehr unrecht thäten. seinen Antrag im ganzen Hause keine zehn Unter-Iseine Gesetze zu halten. Er donnerte gegen die Orthodoxen, schriften erhallen können. Eine größere Niederlage konnten aber ebenso gegen die modernisirten Juden, die sich um ihre