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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-02-06 · Heft 6 (6.2.1883) · p. Seite 84

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 6 (6.2.1883)
Date
1883-02-06
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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84 Aus dem ungarischen Abgeor-netenhause. i. Endlich scheint sich auch in Ungarn das Dunkel zu lichten! Man schreibt aus Pest vom 19. Januar: „Die unsauberen In unserem Lande bilden sie den Focus der Germanisation. Im jüdischen und im ungarischen Bolkscharakter liegen unausgleichbare Gegensätze; im Juden ist das spekulative, korrosive Element vorherrschend, der Ungar hingegen ist konservativ Elemente in der äußersten Linken des ungarischen Abgeordj und sparsam. Uebrigens wird diese gemischte Ehe vom größten netenhauses hatten es durch ihr Geschrei und ihr Bordrängen Theile der Juden selbst perhorreszirt. Dieser Umstand allein dahin gebracht, daß man die ganze Partei als Antisemitenpartei bezeichnete. Daher hielten es die freisinnigen Abgeordneten für hohe Zeit dagegen zu reagircn. Die Petitionen um Aufhebung des Emancipationsgesetzes der Juden bot die günstigste Gelegenheit. Als über dieselben am Sonnabend im Club der Unabhängigkeitspartei berathen wurde, beantragte der Abg. Ugron, daß die Partei in der Antisemitenfrage folgenden Standpunkt einnehme: „Der Club der Unabhängigkeitspartci erklärt, daß, nachdem das Gesetz über die Gleichberechtigung der Juden von 1867 die Consequenzen der großen würdedieAblehnung des betreffenden Gesetzentwurfes motiviren." Auch der andere geistliche Abgeordnete, der Abt Göndöxs, „hält es für unmöglich, daß das joviale ungarische Blut sich mit jüdischem je mengen könne (stürmische Heiterkeit); das Gesetz werde niemals zu Stande kommen; denn es sei ferner unmöglich, daß sich 14 Millionen den Bedürfniffen von 600,000 anpaffen sollen. Wenn die Juden in die christliche Gesellschaft ausgenommen werden wollen, so sollen sie Christen werden und dann werde sich über die Geschichte reden lassen." Was der Abt weiter über die gemischten Ehen, d. h. Principien der Rechtsgleichheit und Religionsfreiheit anerkannt über die Ehen zwischen Katholiken und anderen christlichen hat, die Partei die Aufrechthaltung derselben gutheißt und Confessionen vorbringt, hat für uns eben so wenig Jntereffe billigt, und etwaigen Aenderungen opponirt." Dieser AntragI wie die derbe Abfertigung, welche der Minister-Präsident den wurde mit so großem Beifall ausgenommen, daß die Antisemiten nur kleinlaut dagegen sprachen. Als schließlich gar die Ugron'sche Resolution acceptirt und für einen bindenden Parteibeschluß erklärt wurde, drohten die vier Antisemiten — mehr sind cs nicht — mit ihrem Austritt. Wenn sie aus dem Unabhängigkeitsclub verschwinden, verschwinden sie überhaupt von der Bildfläche." — Allerdings wäre diese Purifizirung der Partei für diese selbst, die vor ganz Europa in einem sehr trüben Lichte erschien, sehr nützlich, aber auch nicht weniger für die gute Sache, da hiermit der Antisemitismus als eine Partei aus dem ungarischen Abgeordnetenhause verschwände. Was nun an der obigen Mittheilung Wahres ist, wird sich thaffächlich in der am 20. beginnenden Verhandlung im Abgeordnetenhause zeigen. Diese abermalige Verhandlung über die Stellung der Juden hat nun am 20. begonnen, ist am 22. und 23. fortgesetzt worden und soll am 27. beendet werden. Unser Correspondent berichtet uns hierüber: Pest, 20. Januar 1883. Heute wurde mit der Verhandlung der Petitionen der Anfang gemacht; es war das nur ein Vorspiel zu der vom Hause mit Ungeduld erwarteten Berathung über die von Jstoczy eingereichte Petition zahlreicher Wähler des Tapolczaer Bezirks in Sachen der Abschaffung oder auch wenigstens Beschränkung der Juden- Emancipation. Im Vordertreffen standen heute zwei geistliche Abgeordnete, welche die Einführung der Ehe zwischen Christen und Juden aufs heftigste bekämpften. „Vergebens hofft man". beiden geistlichen Abgeordneten ertheilte; wohl aber verdienen die Worte, mit welchen der Minister-Präsident seine mit einer geradezu großartigen Beifalls-Manifestation aufgenommene Rede schloß, hier wiederholt zu werden. „Zum Schluffe möchte ich noch auf einen wichtigen Gesichtspunkt aufmerksam machen. (Hört!) Ungarns Glück war, daß in seiner neueren Geschichte der religiöse Hader, die konfessionelle Zwietracht früher als anderswo aufgehört haben. Ich selbst habe wiederholt darauf hingewiesen, daß es um des Friedens willen nothwendig sei, die Interessen einzelner Konfessionen nicht bis auf's Aeußerste zu vertheidigen, den Kampf um dieselben nicht auf die Spitze zu treiben, da sonst das von allen Konfessionen gleich geliebte Vaterland darunter leiden könnte. Und es gilt auch heute noch, daß man um kleinerer Uebelstände willen nicht große Gefahren, wie der religiöse Hader eine solche ist, heraufbeschwören darf. Die Herren Vorredner mögen dies in Erwägung ziehen und bedenken, daß es leicht sei, den Stein ins Rollen zu bringen, aber schwer, im voraus zu bestimmen, wo derselbe Halt machen wird." Die Tapolczaer Petition kommt am Montag zur Berathung. Bonn, 26. Januar. Es liegen uns jetzt die Verhandlungen vom 22. und 23. vor, die der Redelust der ungarischen Abgeordneten über die Juden noch nicht genügten, so daß auch der 27. d. M. ihr zum Opfer fallen soll. Der „Pester Lloyd" bemerkt mit Recht: „Daß eine solche Debatte sagte der eine, durch diese Ehe die Verschmelzung der Juden! überhaupt stattfindet, das ist freilich beschämend genug. Wir herbeizuführen. > erinnern uns nicht, daß in irgend einem Parlament der Welt Die Widerstandskraft der Juden hat alle ähnlichen Ver-1 jemals tagelang darüber gesprochen worden wäre, ob einer suche vereitelt. Nie und nirgends haben sie sich assimilirt. gewissen Kategorie von Staatsbürgern nicht die politische

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