Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1883)
- Date
- 1883-01-30
- Page
- Seite 73 (sequence 9)
- Language
- German
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73 von den für den edlen Zweck begeisterten Begründern fortdauernd treu ge Pflegt, allmählich zu einem prächtigen Baume, dessen Zweige immer weiter über das ursprüngliche Ziel sich j erstreckten, gar manchen braven, aber in der Hitze des Da- 1 seinskampfes schmachtenden Studenten kühlenden Schatten! und erquickende Früchte gewährend. Der Jahresbeitrag wurde! allmählich bis auf 8 Mark erhöht, die Mitgliederzahl wuchs! von Jahr zu Jahr und so konnten die Unterstützungen unter > entsprechender Statutenveränderung in immer größerem Maße , auch aus auswärts Gebürtige ausgedehnt werden. So weist der Verein allein für den Zeitraum von 1870—1882 die stattliche Zahl von 94 Stipendiaten auf, unter ihnen Theologen, Juristen, Mediziner, Philosophen, Polytechniker, Chemiker, Künstler, Praktikanten im Eisenbahndienst :c. Der Bericht kvnstatirt mit Genugthuung, „daß die Mehrzahl Derjenigen , welche der Verein während ihrer Studienzeit von Noth und Sorgen hat entlasten Helsen, zu einer ehrenvollen Stellung im bürgerlichen Leben, die übrigen, soweit bekannt, zu einer auskömmlichen Existenz gelangt sind." Bon den 10 hochherzigen Knaben, welche in gedachter Weise den Verein gründeten, sollte cs nur vieren gegönnt sein, nach Ablauf von 50 Jahren an ihrem Werke das Prophetenwort erfüllt zu sehen: „Säet aus zum Wohlthun und erntet nach Liebe." Den derzeitigen Vorstand bilden die Herren: David Abcrle, D. Ellreich, S. Traub, R. L. Mayer, I. Nadenheim, D. Oppenheimer, M. Wallach, der Erst- und der Fünftgenannte Mitjubilare des Vereins, sämmtlich für dessen Gedeihen von der eifrigsten, begeistertsten Hingebung beseelt. — Sehr wahr sind die Schlußbemerkungcn des Berichtes, in denen er, hinweisend auf manchen für Erkcnntniß begeisterten Jüngling, der in fruchtlosem Ringen schließlich „der Noth gehorchend, nicht dem eigenen Trieb" auf sein ideales Lebensziel verzichten und einem rein materiellen Beruf sich hingeben muß, die ungemein heilsame Wirksamkeit von Vereinen, wie der in Rede stehende einer ist, betont, wie er denn auch der allgemeinen Zustimmung sicher sein kann, wenn er die Ausgabe des Vereins für die nächste Zukunft dahin präcisirt, „der neuerdings in einer das Bedürfnis weit überschreitenden Weise hervorgetrctcnen Einseitigkeit in der Wahl des Fachstudiums entgegeuzutrcten und das noch wenig betretene Feld der technischen Fächer und des Kunstgewerbes thunlichst zu berücksichtigen." Indem wir so nicht umhin können, den rühmlichen Bestrebungen des Vereins unsere volle Anerkennung zu zollen, wünschen wir ihm zu weiterer gedeihlicher Thätigkeit von Herzen Glück und Segen." 8. Memrl, Ans. Januar. (Privatmitth.) Wenn in Ihrem Blatte wiederholt der Wunsch ausgesprochen worden, die Hilfskomitvs möchten sich nicht auflösen, sondern in gewisser Organisation bestehen bleiben, so ist es das hiesige, welches mit diesem Gedanken völlig übercinstimmt. Am 25. Dez. hat cs sich unter dem Vorsitz des T)i\ Rü lf von Neuem konstitnirt. Wir heben aus dem Berichte das Wichtigere hervor. In Voraussicht einer umfangreichen, die Grenzen der Alliance-Bestrebungen weit überschreitende Thätigkeit konstituirte sich im Januar 1881 das ftomite der Alliance gleichzeitig als „ständiges HilfskomiG für die Nothftände russischer Israeliten." Am 22. Mai 1881 schickte das Komik'-, die ersten am Platze, den ersten Ausruf zu Gunsten der verfolgten Glaubensgenossen von Südrußland in die Welt und hatte auch alsbald die Genugthuung 2000 Rubel dem Kiewcr Komit.'- zur Verfügung stellen zu können. Allein da begann in den westrussischen Gouvernements eine noch weit schlimmere Plage hervorzutreten, die vielen Brandstiftungen, welche eine ganze Anzahl westrussischer Städte einäscherte und ihr Hab und Gut vernichtete. Ta mittlerweile eine ganze Welt der südrussischen Glaubensgenossen sich angenommen hatte, konnte das Komitö sich ausschließlich mit den Brandveruuglückten in Westrußland befassen und hat auch außer anderen Untcrstützungsvermittelungen bis jetzt an 25 brandbeschädigte Städte direkte Unterstützungen von je 1000 bis 2000 Rubel gesandt. Das Konnte, welches die Schul- und Krankenhauskasse mit übernahm, hat seit seinem Bestände über eine Summe von rund 8,2000 M. verfügt. Davon wurden 12,00.) M. in guten preußischen Staatspapicren (4|:.> n0 konsolidirtc Anleihe), als Reservefonds für die Armen- und Waiscnschule russischer Kinder sestgclegt. Was nach Abzug dieser Summe übrig blieb, wurde zur Beförderung und Unterstützung der Auswanderung russischer Glaubensgenossen verwendet. * Das ftomxte hat nach dieser Richtung eine reiche, anstrengende, zur Zeit fast aufreibende Thätigkeit entfaltet. Im Ganzen sind bis gestern, den 2!. Dezember, an welchem eine Familie von 0 Personen befördert wurde, 1125 Personen thcilweise bekleidet, befördert und mit 1(1,4*17 M. unterstützt worden. Sie alle wußten, wohin zu geben, wo zu bleiben und was zu treiben. Kaum ein Dutzend ist. weil sie zu keinem Ziele gelangen konnten, wieder zurückgekehrt. Sie alle haben, meist ohne andere Komitös zu beanspruchen, ein Unterkommen gesunden. Das fiomite wird, so lange cs noch einen Pfennig besitzt , auch nach dieser Richtung seine Thätigkeit nicht einst ellcn; cs befördert aber auch nur solche Personen, welche von Anderen, etwa Angehörigen, nach fremden Ländern gerufen werden. Das Komit« hat ferner dreizehn verschiedene kleinere und größere Schriften verfaßt, zum Drucke befördert und nach allen Weltgcgeudcu verschickt.