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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-01-30 · Heft 5 (30.1.1883) · p. Seite 69

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 5 (30.1.1883)
Date
1883-01-30
Page
Seite 69 (sequence 5)
Language
German
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69 rechtgläubige Geistliche. Welchen Einfluß können nun solche derne Bildung, oder ein gelehrtes Fach als Profession vor- Religionslehrer auf ihre Zöglinge haben? Und was vermag zuenthalten; sie müssen ja volfMis mit der Zeit mit* eine Schule, in welcher solche Religionslehrer den Religionsgehen. unterricht in Händen haben, nach sittlich-religiöser Seite hin Wir ernten schon gegenwärtig die bitteren Früchte ihren Schülern zu bieten? Was Wunder, daß schon die untersten der russischen Schule zur Genüge, und wie reich dürfte wohl Klassen der Gymnasien entschiedene active Nihilisten liefern; diese traurige Ernte noch in der Zukunft ausfallen! Tie daß die russische Schuljugend häufig von allen Lastern der Gegenwart bereits entrollt vor unseren entsetzten Blicken ein Zeit im hohen Grade angekränkelt ist; und daß schon in ihren schauervolles Bild eines Zersetzungsprozesses, den die russische Kreisen eine cynische, mit srechen aufgeklärt sein sollenden Schule in unserem jüdischen Leben, in unserer jüdischen Kul- Phrasen sich brüstende Gottlosigkeit grassirt, und so ein eclatur herausbeschwört, und was steht noch von der Zukunft zu tantes Beispiel von „Fäulniß ohne vorhergegangene Reife" erwarten! repräsentirt. In solche Schulen, unter eine solche Schul Und leider die russische Schule ist nicht die einzige, die jagend, schicken wir Juden unsere Kinder. Die Jugend läßt das jüdische Leben untergräbt und zersetzt, die russische Geleicht auf sich cinwirken, und ist um so weniger gegen selischaft steht hierin hinter der Schule durchaus nicht ,;uden Einfluß einer solchen Schule geschützt, je weniger die Farück, das was jener nicht gelingt, gelingt dieser. Doch darauf milie im Stande ist, ihr einen festen, sicheren Halt zu bieten. Dies kommen wir nächstens zurück. Für jetzt genug. — vermag die abergläubische, ungebildete, ebenso wenig wie die — ungläubig gebildete jüdische Familie. Und leider bilden vor Zum Besten der armen Schüler unserer Gemcindeschule, der Hand diese Extreme die Regel in der russischen Judender sog. Bchrmann'schen Elementarschule, fand am 4. d. M. heit. Wohin die russische Schule und ihr Einfluß unsere ein musikalisches Bokalkonzcrt nebst Ball statt, welche in Jugend geführt, — wir haben cs gesehen. Wie viel Opfer unserem Gcmeindelebeu ein hervorrageudes Ereigniß bilden, des Nihilismus haben wir nicht zu beweinen? Wie viele und viel von sich sprechen machen. In der That ist dies jüdische Jünglinge und Jungfrauen haben wir an dein Galj philanthropische Werk in verschiedener Hinsicht beachtenswcrth. gen und auf dem Schaffot, in den Kasematten und in Si- Das Konzert fand statt in den mit bewunderungswürdigem birien beklagen müfien! Und wer hat diese „Goldenberge" Geschmack ausgestattcten luxuriösen Sälen des Herrn l>r. und „Wittemberge", diese „Scheftele" und „Helfmanne" ge- Krajewsky (Pole), welcher Säle nebst Beleuchtung gratis zur schaffen? Der Eheder und die Jeschiba jedenfalls nicht. Die Perfügung stellte. Am Konzert betheiligten sich berühmte jüdischen Eltern sehen nur zu gut ein, welche Gefahr ihnen, Künstler und Künstlerinnen der italienischen Oper (Fräulein durch die russische Schule droht: sie ängstigen und fürchten Reppetto und die Herren Waldclli und Walseli), des frannicht wenig für das Schicksal ihrer lieben Kleinen, wenn zösischen Theaters (Fräulein Rafael-Felix — Jüdin —), des sie nach langen harten Kämpfen schließlich den Entschluß russischen Orchesters (der bekannte Biolonist Herr Erbe), der faffen, sie der russischen Schule anzuvertrauen; aber was bleibt russischen Oper (Fräulein Svlodctzkaja), der Virtuose Pianist den armen Eltern zu thun übrig? Nur gering, sehr gering Herr Goldstein, Profesior am hiesigen Conservatorium (Jude), ist die Zahl der Glücklichen, welche ihre Kinder nach ausländie talentvollen Pianisten, das Geschwisterpaar Fräulein und dischen Lehranstalten, — die doch die großen Nachtheile Herr Goldenblum (Enkel des verdienstvollen neuhebräischcn haben, daß sie den russischen Unterthancn keine Rechte vcr- Publicisten Herrn A. Zederbaum, Redakteurs des „Hamelitz" leihen und zur Kenntniß ihrer vaterländischen Sprache nicht und des „jüdischen Volksblattes"). Akkompagnirt haben Herr beitragen — schicken können. Mit schwerem Herzen sehen Diriggo, Kapellmeister der italienischen Oper, und Herr die jüdischen Eltern, wie ihr Kind täglich sich mehr ihrem! Goldenblum. So haben sich denn verschiedene Nationalitäten Schoße entringt, ihrem Einfluß sich entschlägt, und die Kluft > zu einem gemeinsamen guten Werke zu Gunsten armer jüdizwischen Vätern und Kindern immer breiter und tiefer sich! scher Kinder vereinigt, was in unserer antisemitischen Zeit gestaltet; sie sehen mit verzweiflungsvoller Ohnmacht, wie j wohl bemerkenswerth ist. Das Publikum, die Elite der hieihr Kind sich immer mehr ihrem Volke entfremdet, seine hei-1 sigen jüdischen Kolonie, hat durch seine taktvolle würdige ligen Traditionen mißachtet, ja häufig, von seiner Schul-! Haltung bewiesen, daß es Gottlob mehr europäisch als russisch Umgebung beeinflußt, deren Voruriheile gegen Juden und | ist. Die Toiletten imponirten mehr durch geschmackvolle Ein- Judenthum theilend, seiner jüdischen Abstammung sich schämt, l fachheit als durch üppigen Aufwand. Das Konzert fiel und seinen Eltern es nicht verzeihen kann, daß sie ihm nicht glänzend aus. Die Stimmung auf dem Ball, der bis 5 Uhr durch die Taufe die Schmach jüdischer Angehörigkeit erspart j Morgens dauerte, war eine sehr belebte und recht gemüthhaben; aber was sollen diese unglücklichen Eltern dazu thun?i liche. Um 5 Uhr Morgens fand für einige Auserlesene, mit haben sie doch kein Recht und keine Macht, ihrem Kinde moj der liebenswürdigen Familie des ehrcnwerthen Wirthes Herr«

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