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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-01-30 · Heft 5 (30.1.1883) · p. Seite 66

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 5 (30.1.1883)
Date
1883-01-30
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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66 eben im Judenthum? wo ist Abscheu gegen Blutvergießen und ' salen, allgemein menschlichen Charakter ihres Lehrgehalts doch Wohlthätigkeitssinn, geschlechtliche Sittlichkeit und Familienreinheit, Mäßigkeit und Enthaltsamkeit in einem so hohen Grade zu begegnen, als eben in den Juden? Und warum? Weil Mutter Natur und Erzieherin Geschichte den Juden anders gestaltet haben. Möge man über das uralte „Atainsofern national ist, als viele ihrer Vorschriften und Satzungen, Ccremonien und Gebräuche, Feste und Festtage .einen historisch-nationalen Charakter tragen. Es ist mithin, nebenbei bemerkt, vollständig unbegreiflich, wie unsere „Palästinensler", die so viel von der Integrität der jüdischen Bchortanu" schimpfen und schelten, spotten und spötteln wie Nationalität rumoren, von der jüdischen Religion aber nichts viel man will, cs ist und bleibt im Großen und Ganzen eine unerschütterliche Wahrheit, die in der Geschichte und neuerdings in der Statistik ihre unleugbaren Zeugen hat. Anstatt über „Ata Bchortanu“ fruchtlos zu polemisiren, können wir getrost auf statistische Fundamentalwerke guter Christen wie wißen wollen, und nicht einmal einsehen, daß die Reinheit des vererbten Blutes, was sie so sehr betonen, nur so Klange rein bleiben kann, so lange die jüdische Religion —! welche die Mischehen nicht liebt, und durch Speisegesetze ' und andere Vorschriften unter anderem auch vor völliger La France et Tetranger. Etudes de statistique comparee. Amalgamation bewahrt — in Kraft bleiben wird. Mit einem vom Statistiker ersten Ranges M. A. Legoyt und auf die. Worte, äußere Einflüsse an sich überhaupt sind dem Juden mit vollem Recht so populär gewordene „Moralstatistik" von! nicht blos nicht gefährlich, sondern können unter Umständen einem Manne, wie Alexander von Dettingen, Professor der zur Entwicklung und Vervollkommnung seiner Individualität Theologie, den wohl Niemand einer besondern Parteilichkeit! wesentlich beitragen, aber — nur so lange diese Einflüsse seine für Juden verdächtigen wird, Hinweisen. Diese Erhaltung! Religion nicht bedrohen; wo aber dies beginnt, dort und nur der jüdischen Individualität, bis zu einem gewissen Grade, dort befindet sich das Judenthum in wahrhafter Gefahr. Und wie ihr Widerstand gegen sie gefährdende äußere Einflüsse i dies eben ist leider in Rußland der Fall. Die Religiosität ist aber möglich nur so lange die jüdische Religion von diesen | der russischen Judenheit ist in Gefahr. Die jüdische Religiäußeren Einflüssen verschont bleibt, denn von ihr hängt im j ofität, die den so gefährlichen Hellenismus und Skepticismus gegebenem Falle Alles ab. Denn die Religion überhaupt war j überlebt hat und gegenwärtig siegreich mit dem modernen Ma- und ist von tiefem Einfluß auf die Erhaltung der ursprüngj terialismus kämpft, sie läuft Gefahr, dem vandalischen Culturlichenn Jdividualität eines jeden Volkes. Möge ein Volk seine j zerstörenden Nihilismus Rußlands zu unterliegen. Ich bin Religion von andern entlehnt haben, es bearbeitet sie doch in j kein Pessimist, kein Schwarzseher — aber ich habe den verseinem Geiste, schneidet sie nach seiner Fayon zu, wodurch nichtenden Einfluß des Nihilismus lange Jahre beobachtet die betreffende Religion einerseits das Gepräge ihres zu ihr! und eingehend studirt und glaube seine alle positiven Cultursich bekennenden Volkes annimmt, andererseits dazu bei-! elemente untergrabende Gewalt zu kennen. Der Nihilismus, trägt, dieses Gepräge und seinen Träger, den Volks-Charakter > die eigentliche russische Frage — insofern er die ganze Existenz in seiner Reinheit zu conserviren. Einerseits hat sich resp. und Zukunft Rußlands in Frage stellt — ist für mich der ein und derselbe römische Katholicismus erst bei den Germanen j Kernpunkt der jüdischen Frage in Rußland. An materiellen anders als bei den Romanen und bei diesen anders als bei! Kämpfen und Leiden ist der Jude gewöhnt, seine ganze Geden Slaven gestaltet, anderseits hat sich — wie von compe-} schichte der Diaspora ist eine ununterbrochene Leidensgeschichte, tenter Seite nachgewiesen wird — ohne Zweifel in den ein zweitausendjähriges Martyrium. Wie schlimm seine gcgenkatholischen Germanen oder Romanen ein viel älteres Germanenwärtige Lage in Rußland ist, und wie unheimlich seine Zukunft thum oder Romanenthum, als in ihren reformirten Stammes-! hier zu werden verspricht, er hat es doch noch viel ärger gebrüdern erhalten, und desgleichen dürfte in den Reformirten! habt im Mittelalter und noch bis zu unserem Jahrhundert das Volksthümliche sich besser bewahren als in ihren confessions-! herab; aber damals hatte er eine Religion, um und für losen Landsleuten. Gilt das von jedem Volk überhaupt, um wie viel mehr vom jüdischen, das keine gemeinsame Sprache, welche er Alles gern erduldet, und erlitten hat, und die ihm reichlichen Ersatz für alle Leiden und Gefahren bot. Wird kein gemeinsames Vaterland, keine gemeinsame politische Ge-!er aber Leiden und Gefahren widerstehen können, wenn er Walt, keine gemeinschaftlichen Sitten und Gewohnheiten hat,! jenen reichen Ersatz verliert? Und leider, ich muß constatiren, die sie vereinigend ihre Originalität und volksthümliche Selbdaß der russische sich bildende oder gebildete Jude diesen Ersatz, ständigkeit in Integrität behalten sollte, als ihre Religion, i Dank dem nihilistischen Einflüsse der russischen Schule und Zu dem, wenn eine Religion zur Erhaltung der Volksindivi- Gesellschaft, immer mehr verliert. Und es ist auch erklärlich, dualität selbst möglichst volksthümlich sein muß, so dürfte! Man muß nur die Verhältnisse kennen, in welchen der russische kaum irgend eine Religion sich mit der jüdischen gleichen, Jude seine Bildung bekommt. Ob der sich bildende jüdische deren Verkünder und Propheten, Lehrer und Bearbeiter jüngere Mann einer orthodoxen oder einer aufgeklärten jüdischen ausschließlich Juden waren, und welche bei all dem univer- Familie angehört, die Familie bietet ihm in den meisten Fällen

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