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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-01-30 · Heft 5 (30.1.1883) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 5 (30.1.1883)
Date
1883-01-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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"Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein un-artcüschcs Organ für alles jüdische Interesse.! Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Merk. Abonne-! ment in Deutschland (Postzeitungsliste > Rr. SS) und Lesterreich bei allen Post- > ämteru, außerdem durch den Buch- Handel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Phttippson in Bonn. GzepeöiLiorr: Leipzig, Moßpkcth 18. | In redactionellen Angelegenheiten l , wende man sich an vr.L.PHilippson in! Bonn direct, in allen übrigen an die | j Berlaqshandlung. Beilagen (Gebühr! 12 AI.) sind gleichsalls an letztere einj zusenden. l 47. Jahrgang. Leipzig, den 30. Januar 1883. JS/o. 5. Inhalt. Leitende Artikel: Petersburger Briefe. Unsere Gegenwart und Zukunft. I. — Tie Niedertracht des ungarischen Antisemitismus.— Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Mannheim, Memel. — Oesterreich-Ungarn: Pest, Prag, Naab. — Belgien: Brüssel. — Rußland: Bon der russischen Grenze, Aus Westrußland, Berditschew. — Bonn: Notizen. — Frankfurt a. M.: Musik. — Feuilleton: Ter Wind nach der Bibel. — Vermischtes: Kuriosum aus Rumänien. ^cil'errOo Är titlet. Petersburger Sriefe. Unsere Gegenwart und Zukunft. I. St. Petersburg, 10. Jan. Sehen wir von den materiellen Nöthen und Gefahren ab, von welchen unsere Gegenwart belastet und unsere Zukunft bedroht ist, so haben wir unfern Blick aus die moralische Seite unserer Gegenwart und Zukunft in Rußland zu werfen. Nicht weniger als das materielle ist das moralische Wohl der Juden von ihrer Umgebung, unter welcher sie leben, bedingt. Die Worte des Psalmisten z".:z iz-yr'i haben sich durch die ganze Geschichte der Diaspora bewahrheitet. Mögen die Juden hier mehr, dort weniger von ihren Nachbaren entlehnt haben, der Einfluß der Letzteren aus sie sei es in dieser, sei es in jener Form, zum Heil, wie zum Verderben, war immer vorhanden. Und es ist auch begreiflich. Ist ja der Charakter eines Volkes und seine Begabung so sehr vom Charakter seines Landes, von seiner topographischen Beschaffenheit, und von diesen insgesammt die ganze Cultur und Civilisation des betreffenden Volkes bedingt. Lebt nun der Jude lange Zeit unter denselben Bedingungen, so muß auch sein Charakter und seine Begabung, seine Cultur und seine Civilisation daffelbe Gepräge annchmen. Allein sowohl der äußere topographische Einfluß des Bodens, wie der innere ethnographische Einfluß der Bevölkerung sind nie im Stande gewesen, die ganze Individualität des Juden auszulöschen, und ihn in allen Stücken der ihn umgebenden indigenen Bevölkerung gleich zu machen, viel mehr fanden diese Einflüsse immer in den, von den frühesten Ahnen, im grauen Alterthum her geerbten, durch die historische Erziehung und die speciftsche religiös-sittliche Einwirkung eigenthümlich gearteten Anlagen und Fähigkeiten ihre Grenze. Wie sehr die Juden verschiedener Länder sich von einander unterscheiden mögen, sie haben doch immer sehr viel Gemeinsames, unverkennbar Jüdisches im äußeren Aussehen wie im inneren Wesen noch behalten; und möge es unfern Feinden gefallen oder mißfallen, es ist doch Thatsache, daß in dem völlig emancipirten und europäischen französischen oder holländischen Juden und in dem außer dem Gesetze stehenden halbasiatischen rumänischen oder russischen Juden sehr viel Gemeinschaftliches in der Physiognoniie, wie in Charakter und Anlagen sich aufbewahrt hat, vielleicht nicht weniger, als gemeinsam Französisches oder Deutsches bei Franzosen resp. Deutschen der verschiedenen! Provinzen Frankreichs resp. Deutschlands zu begegnen ist. In! dieser Dosis aufbewahrter, von der indigenen Bevölkerung sich! unterscheidender jüdischer Individualität liegt einerseits die f hohe unschätzbare Bedeutung, welche die Juden für die Cultur des Volkes haben, unter welchem sie leben, indem sie jene , letztere durch specifische ncne Elemente bereichern; anderseits I die Möglichkeit, seine Culturaufgabe zu lösen und seine historische Mission zu erfüllen. Um Träger einer gewiffen Idee zu sein, j muß man eigens dazu geschaffen und gebildet sein. Die i Ethik der Juden ist bis auf einige Differenzpunkte seit Jahrtausenden zum Sittengesctz Hunderter Völker geworden, und wo hat liefe Ethik in solcher Reinheit sich erhalten, als

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