Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1883)
- Date
- 1883-01-23
- Page
- Seite 61 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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61 ghestan, dem Terek-Gebiet, in den Kreisen von Rucha und! Schemata) sind aus Steinen erbaut. Sie sührcn den Namen i „Sakljä", wie die von den Bergvölkern bewohnten. Die flachen Dächer werden aus Lehm mit Stroh angesertigt,' mit der Zeit erhärtet diese Masse. Die Decke der im Hause i befindlichen Räume wird aus kurzen Brettern oder aus! Schils hergestellt. In jedem Hause finden sich nur ein' oder zwei kleine Fenster ohne Rahmen und Glas, welche durch hölzerne Schieber von innen verschlossen werden können.! Jedes Haus hat eine oder zwei Thüren. Im Innern be-, findet sich zwischen den Fenstern und dem Eingang ein! Kamin, welcher weder Thüren noch Klappen hat, sondern nur einen aus Lehm angcsertigtcn Schornstein ^Rauchsang). Während des Winters wird der Kamin unaufhörlich geheizt, so daß Tag und Nacht hindurch glühende Kohlen vorhanden sind. An die Thür des Hauses schlicht sich eine Art Korridor, an dessen beiden Enden abermals Kamine stehen, während der aus Lehm angesertigte Fußboden reichlich mit Teppichen belegt ist. Während des Sommers sitzen in diesem Räume die Frauen; hier arbeiten sie, hier bereiten sie das Esten, hier plaudern sie mit den Gästen. Jedes Häuschen (Sakljä) besitzt nur zwei oder drei Zimmer. In den die einzelnen Zimmer von einander trennenden Wänden befindet sich dicht am Fußboden eine kleine Oeffnung, eigentlich nur ein Loch zum Durchkriechen — statt einer Thür. Es sind diese kleinen Oeffnungen mit Decken verhängt, so daß man sie gar nicht sehen kann. Wände und Fußboden werden allwöchentlich vor dem Sabbath gereinigt und so oft als möglich mit Kalk getüncht. Dicht unter der Decke des Zimmers befinden sich rings an den Wänden Regale, auf welchen allerlei Hausrath, na' mentlich Geschirre, steht: Thcekanncn, Schalen, Flaschen, irdene Weinkrügc und kupferne Wastergefäße von alter asiatischer Form und anderes mehr. Eine Wand ist mit Spiegeln verziert, zwischen welchen seidene oder wollen Shawls hängen, oder Säbel, Dolche, Pistolen und Flinten regelt mäßig gruppirt sind. Die zweite Wand ist behängt mit großen runden aus rothem Kupfer angefertigten Untersetzern (oder Präsentirtellern) und mit vielen durch Figuren und Blumen verzierten Tellern. Darunter stehen eine Anzahl Kasten einer auf dem andern; der größte zu unterst, der kleinste zu oberst, in welchen Kleider und sonstiges Hab und Gut aufbewahrt werden. An der dritten Wand sind unten viereckige Behälter, welche als Schränke dienen, und mit Vorhängen verschlossen sind, angebracht; in ihnen werden allerlei Sachen gehalten, bei den Rabbinern liegen hier die Bücher. Oben auf den Behältern liegen Kisten und Decken bis zur Lage hinauf. In armen Hütten, in welchen wenig Betten vorhanden sind, wird die ganze Wand mit Vorhängen bedeckt. Die vierte Wand wird — wie bereits bemerkt - vom Kamin, der Eingangsthür und dem Fenster eingenommen. An der Thür und in den Winkeln des Zimmers stehen große anderthalb Arschin (circa 1 m) hohe irdene Gefäße, in welchen Mehl und Grütze aufbewahrt wird. In der Mitte des Zimmers steht eine, bei großen Häusern anch zwei Säulen, welche die Lager stützen: an diesen Säulen hängen Kleider und Mafien. In einigen Häusern ist ein langer Stab mit seinen beiden Enden durch Schnüre an die Zimmerdecke befestigt; auch an diesen Stab hängt man allerlei Kleider oder auch geräuchertes Fleisch. Der Fußboden wird mit guten Polstern oder mit zierlich aus Schilf geflochtenen Matten bedeckt; doch müssen diese oft ausgeklopft oder mit Wasser benetzt werden. Das in der beschriebenen Weise ausgeschmückte Zimmer dient als Gast- oder als Empfangszimmer und heißt deshalb das Kunak-Zimmer ^Kunak Gastsrcund). In den anderen Zimmern jeder Sakljä befindet sich die Küche und der Aufenthaltsort der Familie. Im Sommer, wenn die Frauen das Esten im Freien zubereiten und in den Borgemächern sich aufyalten, ist das Zimmer ordentlich und reinlich; im Winter dagegen sehr schmutzig. Das Wassergefäß, der Weinschlauch, die Mehlbehälter stehen da; allerlei Fleisch und Fett hängt an Haken, alte Lappen und dergleichen liegen herum: hier wohnt Winters die ganze Familie. Licht dringt in die Zimmer durch die kleinen Fenster und die stets geöfinete Thür sowie auch von oben durch den geradeanffteigenden offenen Rauchfang des Kamins. Im Winter bleiben Fenster und Thüren ebenfalls offen — man wärmt sich unmittelbar am Kaminfeuer. In vielen Dörfern sind die Häuser so erbaut, daß unter den Wohnzimmern zu ebener Erde Räume für das Bich und die Pferde sich befinden; an anderen Orten giebt cs Hürden von geflochtenen Zäunen für das Vieh, welche vom Hanse entfernt aus dem Hofe errichtet sind. Tie Reichen haben zweistöckige Häuser; zu ebener Erde wohnt die Faniilie, der erste Stock enthält die Gastzimmer. Hat jemand sich ein neues Haus erbaut, so versammeln sich die Weiber und die Jugend beiderlei Geschlechts, um hülsreiche Hand zu bieten, damit das Dach noch einmal mit Lehm verschmiert werde. Dafür bewirthct der Erbauer die Jugend mit Wein oder Branntwein, und veranstaltet an demselben Abend für die übrigen jüdischen Hausbesitzer ein Gastmahl. An einigen Orten, z. B. in Derbent, Kuba, Temir-Chan-Schnra, Ehasaw Jurta, Grosnoc, haben die reichen Inden gut eingerichtete, europäische Häuser. In diesen ist jedoch eine Abtheilung ganz asiatisch, hier wohnt die Familie; eine besondere Abtheilung aber ist zur Aufnahme von kaukasischen Gästen, eine dritte, vollkommen europäisch aufgeräumte, für europäische Gäste bestimmt. Die edle Sitte der Gastfreundschaft ist wie bei allen