Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1883)
- Date
- 1883-01-23
- Page
- Seite 62 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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62 asiatischen Völkern, so auch bei den Juden überall verbreitet.. Wenn irgend ein Chacham (Gelehrter) aus Rußland oder Palästina in ein jüdisches Dorf kommt, so beeilt sich jeder Einwohner dringend den Reisenden zu bitten, zu ihm zu kommen; gewöhnlich kehrt der Chacham bei einem reichen Hausbesitzer oder beim Rabbiner ein. Der Wirth, welcher seinen Gastfreund empfängt, nimmt ihm das Gepäck ab und trägt dasselbe in das Gastzimmer, weist dem Gast daselbst den besten Platz zum Lager an und wäscht ihm die Füße. An einigen Orten ist dies alles die Pflicht der Hausfrau. Ist diese Ceremonie beendet, so treten die älteren und augesehe' nen Leute des Dorfes in das Haus, reichen dem Gast die Hand mit den Worten: .»schalem aleichem" (Friede sei mit Euch) oder „baruch-habo“ (gesegnet sei Deine Ankunft). Der Gast antwortet ..Gleichem scholom!*4 Daun beginnt eine allgemeine Unterhaltung und der Wirth läßt Erfrischungen verabreichen. Damit der Gast sich nicht langweile, wird er ohne Unterlaß besucht und über seine Reise ausgesorscht, woher und wohin. Wenn der Gast abreisen will, so bittet ihn sein Wirth, noch zu bleiben. Ist der Gast arm, so unterstützt die Gemeinde ihn nach Möglichkeit mit Geld; der Wirth giebt ihm allerlei Nahrungsmittel mit und einige der Einwohner geleiten den Gast bis zum nächsten Dorf. Jüdische Kaufleute oder Leute, welche in anderer Veranlassung reisen, haben jeder ihren bestimmten Gastfrcund (Kunak), bei dem sie einkehrcn. Auch die Muselmänner haben in den jüdischen Dörfern ihre bestimmten Bekannten und Freunde (Kunaks), welche sie oufnehmen und beherbergen; in gleicher Weise hat jeder Jude auch in den muselmännischen Dörfern seinen eigenen Gastfreund, welchen er regelmäßig besucht. Kommt ein Gast in das Haus seines Gastfreundes und gefällt ihm die Wohnung nicht, so darf er nicht ein anderes Quartier wählen, sondern muß bleiben; ein Verlassen der Wohnung würde sowohl dem Wirth wie dem Gaste schaden. Nahrung. Die Juden sind keine großen Freunde der Reinlichkeit: ihre Speisen bereiten sie in sehr unsauberer Weise. Das : Essen wird in einem Gefäß aufgetragen, welches offenbar : in Wochen nicht gewaschen wurde und an welchem die Spuren der früher darin enthaltenen Speisen noch bemerkbar! sind. Ihre Trinkgefäße sind mit Schmutz und Staub bedeckt, von Fliegen verunreinigt. Obgleich namentlich bei den Wohlhabenden Löffel und Gabeln in Gebrauch sind, so benutzen sie mit Vorliebe die Finger beim Essen und greifen ohne Weiteres mit den Fingern in jede Speise hinein. Merkwürdig ist, daß die meisten Speisen einen sehr specifischen Geruch haben. Die Sitte erfordert es, daß jeder Gast mit dem Wirthe oder dessen Familie gemeinschaftlich speist; ebenso ist es Gebrauch, daß jeder, wer er auch sei, der gerade die Familie beim Mahl antrifft, zum Effen eingeladen wird. Deshalb werden die Speisen stets in solcher Quantität zugerichtet, daß sie, wenn nöthig, für zehn unvorhergesehene Gäste ausreichen. Für gewöhnlich essen Männer und Weiber einer Hausgenoffenschaft zusammen, sobald aber ein Fremder hinzukommt, so entfernen sich die Weiber und effen gesondert in ihrem Zimmer. (Fortsetzung folgt.) Anzeigen. gr>T*Q 4-p werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet nnd müssen für die nächst 1..11 »Ol €X» W? folgende Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Exped. von P. Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin, Breslau, Cöln etc. zu adressiren. Die hiesige Rabbinats-Stclle ist vom Januar 1883 ab zu besetzen und werden die etwaigen Bewerber ersucht, ihre Zeugnisse resp. Abschriften an den Unterzeichneten einzusenden. — Es wird ein junger lediger Mann gewünscht, der womöglich in Breslau studirte und Deutscher ist. [122] Der Vorstand der Zgnagogen-Gemcinde. M. Dinkelspiel. (Kreis) JRcifrnficint. Für eine Langemeindc im Herzogthum suche ich auf sofort einen seminaristisch gebildeten Lehrer und Borbeter. Gehalt 700 Mark nebst freier Wohnung. Nebeneinküufte ca. 2ä0 Mark. [677] Landrabbiner Dr. Glück, Oldenburg. Ein schon seil langen Jahren bestehendes israelitisches Mädcheninstitut sucht unter sehr günstigen Bedingungen eine T h e i l h a b e r i n, welche eventuell auch Alleinbesitzerin werden könnte. Franco-Offerten unter 8. 8. 0. bef. die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Elberfeld. ' [K. S9u] Zu Ostern finden noch einige israel. junge Damen zur Erlernung des Haushalts rc. freundliche Aufnahme bei mir, desgleichen Kinder zum Besuch der sehr guten höheren Töchterschule. [681] Frau Uwe. Landrabb. Dr. Fahrenbach geh. Ems. Detmold, Fürstenthum Lippe. Pensionat und höhere Töchterschule von Frau Dr. Leveraon. Hannover, Thiergarteustraße 3 n- 4. Näheres durck Prospecte. [ 14628] Aufnahme von Zöglinge» z« jeder Zeit. Per Anfangs März suchen wir einen Buchhaller» sowie für unser Eolonialwaaren-Geschäft detail einen tüchtigen Verkäufer, der auch etwas von der Destillation verstehen muß. (Leide Israel.) Witten a. d. Ruhr. [915] 8. Lindenbaum Söhne. Ein junger Mann, Sohn achtbarer Eltern, findet zu Ostern oder früher in meiner Lederhandlung Stellung als Lehrling. Nordhausen. [841] 8. Sonnenfeld.