Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1883)
- Date
- 1883-01-16
- Page
- Seite 45 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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45 4) die Gemeinden zur Anstellung von Religionslehrern zu verpflichten. Ein vom Vorsitzenden vorgelegter diesbezüglicher Ent-! Wurf fand mit wenigen Abänderungen die Zustimmung der Eonferenz. ' Da verschiedene Lehrer zur baldigen Rückreise auf ihre Stellen genöthigt waren, so wurde noch am Abend des 25. Dezbr. zur Constituirung des Vereins geschritten. Tie Frage des Vorsitzenden, ab derselbe, analog dem Hessischen Vereine, als freie Vereinigung bcstehcn soll, wurde verneint und die Berathung des vorgelegten Statutenentwurss bcan- . tragt. — Ueber § 2., welcher den Zweck des Vereins bezeichnet, entspann sich eine längere Debatte. Derselbe erhielt die von Dr. Zuckermandel vorgeschlagene Fassung: „Zweck des Vereins ist die Hebung des israelitischen Lehrerstandes in materieller und geistiger Beziehung, sowie Förderung des israelitischen Schulwesens." Bei Berathung des £ 5., in welchem von dem Beitritt der Mitglieder zn der vom Gemeindebund vorgeschlagcnen Lebensversicherung „Viktoria" die Rede ist, wird der Telegirte des Gemeindcbundcs ans Antrag des Lehrers Sender von der Versammlung ersucht, von dem Gemeindebunde darüber Auskunft zu erbitten, ob der eines Lehrers in die Lebensversicherung die Ansprüche desselben an die Achawa nicht alterirt. Um 71 Uhr wurde auf allgemeinen Wunsch die Versammlung vom Vorsitzenden aus den folgenden Morgen vertagt. An demselben wurde die Berathung der Statuten zu Ende gebracht, deren Drucklegung, sowie 'Veröffentlichung vorliegenden Protokolles in der Allg. Z. d. I., der Jsr. Wochenschrift und Jsr. Lehrerzeitung beschlossen. Hieraus folgten die Anträge. Ueber den Antrag des Herrn Dr. Zuckermandel, die! Llualifikation der Lehrer zur Vornahme von Trauungen be-! treffend, wurde seiner Wichtigkeit wegen die Berathung bis; zur nächsten Versammlung ausgesetzt. Zur Begutachtung lag Treus „Liederlust" vor. Sender-Tholey brachte seine neue Methode, die hebräische Eurrent- und Quadratschrist zu lehren, zur Sprache. Es wurde demselben für seine Leistung, soweit sich dieselbe aus einer schnellen Durchsicht der vorgelegten Probehefte beurtheilen ließ, die Anerkennung der Versammlung ausgesprochen; die eingehende Prüfung derselben jedoch aus die Tagesordnung der nächsten Versammlung gesetzt. — Durch Akklamation wurden Nußbaum-Trier zum Vorsitzenden, Sender-Tholey zum stellvertretenden Vorsitzenden und Scheuer-Saarwellingen zum Schriftführer gewählt. Auf Antrag des Vorsitzenden wurde Herr 1 >r. Zuckermandel als Ehrenmitglied in den Verein ausgenommen uttd demselben für das warme Interesse, welches er dem Vereine ent gegengebracht, der Dank der Versammlung vvtirt. Dr. Zuckermandel sprach hierauf der Versammlung seinen Tank aus und hob rühmend hervor, mit welcher Umsicht der Vorsitzende die Verhandlung geleitet und welchen Eifer derselbe um das Zustandekommen des Vereines bewiesen. Als Qrt für die nächste Versammlung wurde Saarbrücken bestimmt. Di-. Zuckermandel und Saphra-Schweich sagte je einen Vortrag zu. Uin 12 Uhr Mittags wurde die Versammlung geschlossen. Ein gemeinsames Mahl, welches bald darauf begann, sorgte mit dafür, daß die Eonferenz in Trier allen, welche dieselbe besucht, noch lange in froher Erinneruug bleiben wird. — Zu bedauern war nur, daß, wie bei ähnlichen Gelegenheiten, so auch hier der Mangel an Chorgeist bei vielen Collegen recht auffallend zu Tage trat. Viele Collegen, welche ihre Theilnahme an der Eonferenz zugesagt, blieben aus, ohne auch nur den Grund ihres Fernbleibens anzuzeigeu; andere, welche die behagliche Ruhe einer gesicherten Stellung genießen, scheinen jegliches Interesse für gemeinsame Zwecke verloren zu haben; ein College blieb sogar deswegen aus, weil er nicht allein beausnahmt und mit einer gedruckten, anstatt eigenhändig geschriebenen Einladung beehrt wurde.; Möchte diese kurze Erinnerung genügen, alle Collegen; unseres Vereinsgebietes zum Eintritt in den Verein und zur Förderung seiner Interessen anzurcgen! L. Scheuer, Schriftführer. M e n d e l s s o h n - V e r e i n. Frankfurt a. M. den 8. Dezbr. 18*2. Gestern Abend hielt der Mendelssohn-Verein seinen ersten VercinSabcnd ab, der zahlreich besucht war. Dieser Verein, der sich die löbliche 'Ausgabe stellt, die Geistesschätze des Judenthums seinen Glaubensgenossen in ansprechender, populärer Form neu zu erschließen und unter sie zu verbreiten, ist ja Vielen schon durch seine von den- Präsidenten des Vereins, Herrn Di-. Adolph Brüll herausgegebenen „populärwissenschaftlichen Mvuatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Konfessionen" bekannt. Ter gestrige Vereins-Abend bot des Interessanten viel. Er brachte den sich zahlreich eingefundenen Zuhörern einen von Begeisterung durchwehten Vortrag des Herrn l»r. Äldolph Brüll über das Thema: „Die Presse und das Jndenthum" Der Redner führte an der Hand eines über gleiches Thema kürzlich erschienenen Buches anS, die Ausgabe, welche die jüdische, freisinnige Presse, sich stellen müsse. ') Einerseits 1) Wir glauben, dav die jüdische Presse, so lange sie irgend be srchl, diese Aufgabe gekannt und erfüllt habe. Vicht der jüdischen Presse ihre Aufgaben zu lehren, koinntt es an. als vielmehr ihr ein immer größeres Publikum zu schaffen, und dies haben alle die Herren, die es vermocht hätten, sters unterlassen. Rcdakt