Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1883)
- Date
- 1883-01-16
- Page
- Seite 46 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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46 solle sie alle Glaubensgenossen durch Ausklärung und Belehrung einen, andererseits solle und müsse sie jüdisches Wissen auch hinaustragen in jene Lande, in denen bei den Glaubensgenossen statt Tag noch die Nacht, statt Licht noch die Finsterniß sei. Ferner zeigte der Redner die Aufgabe der jüdischen Presse hinsichtlich der Verbreitung der Geschichte, der Wissenschaft und Literatur des Judcnthums in christlichen Kreisen. Nur durch Verbreitung richtiger Erkenntniß über das Judenthum und seine Literatur, könne sich das Judenthum, das große und gewaltige Stürme über sich hat ergehen lassen müssen, die geachtete Stellung behaupten, die es unter schweren Kämpfen errungen und, „die wir Gefahr laufen zu verlieren", tvie sich der Herr Vortragende ausdrücktc. Mit dem Wunsche, daß die Mitglieder des Vereins, von dieser Idee beseelt, thatkräftig weiter wirken mögen, schloß der intereffante, lehrreiche, mit lebhaftem Beifall aufgenommene Vortrag. An denselben reihte sich eine fesselnde Abhandlung des Herrn Salomon Levy über: „Die Aufgaben und Ziele des Mendelssohn-Vereins." Der Referent zeichnete in scharfen, markanten Strichen die Hauptaufgaben des Vereins. Nach seiner klaren Ausführung, müssen dieselben in Wort und Schrift und That wirken und solle jedes Mitglied des Vereins dazu beitragen, daß dadurch das Judenthum und dessen Anhänger an Achtung immer mehr gewinne, bei seinen eigenen es ost vergessenden Glaubens-Brüdern- und Schwestern und bei seinen Mitmenschen, welche es so oft erniedrigen und befehden wollen. Der Herr Vortragende erinnert dabei an die segensreichen Folgen des Wirkens von dem bekannten „Gustav-Adolf-Verein" und fordert die Mitglieder mit warmen Worten auf, weiter den Verein kräftig zu unterstützen, indem er denselben das Leben und Wirken Mendelssohns vor Augen führt, den die Gründer des Vereins auf ihre Fahne geschrieben, lauter Beifall folgte auch diesen Worten. Wir begrüßen diesen Verein auf das herzlichste und wünschen, daß die Zahl seiner Mitglieder immer zunehmcn und daß er ferner zur Belehrung und Aufklärung über das Judenthum auch in weitere Kreise, beitragen möge. Gewiß wird ihm bei solchem Streben und Wirken die verdiente Anerkennung nicht ausbleiben. Eugen Elkan. Vermischtes. Ans einer alten Urkunde. Die „Posener Zeitg." enthält folgende Mittheilung: „Wir haben in diesen Tagen Gelegenheit gehabt, das im Besitz der hiesigen Synagogengcmcinde besindliche, von König Johann Easimir im Jahre 164'.) bestätigte Privileg einzusehen, welches Wladislaw JV. nach dem Vorgänge seines Vaters Sigismund III. den Juden crtheilt hat. Dasselbe enthält die folgende, angesichts des Prozesses von Tißa- Eßlar interessante Stelle im Jahre 1662: «S. 5. Item stiituimus . . .) „Ebenso bestimmen Wir, daß kein Jude von einem Christen angeschuldigt und ihm der Prozeß gemacht werde, daß die Juden genöthigt sind, das Blut lebender Christen oder die Sakramente der christlichen Kirche zu benutzen, da die Bestimmungen und Konstitutionen des Papstes Jnnoccn; uns belehren, daß sie in solchen Dingen nicht schuldig zu erachten sind, weil dies gegen ihr eigenes Religionsgesetz verstößt. Wenn trotzdem ein Christ aus eigener Kühnheit einen Juden wegen solcher Dinge beschuldigt, dann bestimmen wir ihm ein solches Recht, daß er zur Bekräftigung seiner Aussage drei ehrliche Juden, die in Unserem Reich angesessen sind und wegen ihrer Humanität in gutem Rufe stehen und fest im Glauben sind, als Zeugen bcibringc. Und wenn der Christ mit einem solchen Zeugniß feine Anschuldigung gegen den Juden bekräftigt hat, dann wird der Jude auf den Tod angeklagt und zum Tode verurtheilt werden. Wenn aber der Christ ein solches Zeugniß nicht beibringen kann, dann soll cr mit demselben Tode bestraft werden, den der Jude nach seiner Aussage verdient hätte. —" Anzeigen. Ty\ werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst CÄiLv? folgende Wochenntunmer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Exped. von K. Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin, Breslau, Cöln etc. zu adressiren. _ Wir suchen einen mit guten Schulkenntnisscn ausgerüsteten zungenMann als Lehrling. Stralsund. il;. is<r>] Gebr. Blncli, Leder Handlung en gros u. en detail. Eine erfahrene Person, die schon länger selbständig gcwirthschaftel, sucht Stellung'in einem jüdischen.Hause zur Stütze der.Hausfrau. Gest. Offerten werden sul> De Ln 1183 an 8. Salomon, Stettin, Annoncen- und AnSkunftSbureau, erbeten. [B. tsaj Heirathsangelegenheit. Freunde haben cs unternommen, für die einzige Tochter eines dem Gelehrtcnsrande angehörigen, wohlbekannten jüdischen Mannes eine angemessene Parthie zu vermitteln. TaS Mädchen hat eine ausgezeichnete, auch wirthschafrliche Erziehung empfangen, besitzt Vermögen und ist mit allen liebwcrthcn Vorzügen des Körpers und des Geistes ausgestattet. Hciralhsanträge unter 31.18171 sind zn richten an Rud. Mosse, Leipzig. [Ly>zg. 18171] Verlag von Baumgärtaer's Buchhandlung in Leipzig. Chaldäisches Wörterbuch übrr die Largumim und ciurn luoluti Lhcil dcs räblünischrn Schristtyllms von I)r. J. Levy, Professor an der Universität Breslau. 3. Auslage 1881. In hochelegantem Einband Preis 12 Mark.