Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1883)
- Date
- 1883-01-16
- Page
- Seite 40 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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40 und A. Wünsche, zusammen 22 Gutachten oder Erklärungen freie Lesen und Uebersetzen einer einzigen Seite im Talmud." veröffentlicht. Es sind also in diesen die Wissenschaft nnd >— Bis jetzt haben wir nicht gehört, daß Rohling sich zu die Theologie durch die hervorragendsten Persönlichkeiten ver-1 diesem Beweise seiner Kcnntniß des Talmuds bereit erklärt treten. Später gesellte sich, wie unsre Leser aus No. 2 d. I. j hat und er hat gewiß seine guten Gründe dafür. Wir aber ersehen haben, Ernst Renan zu ihnen. Es ist kein schönes Zeugniß für unsre Zeit, daß man solcher Zeugnisse über eine so offenbar monströse und lügenhafte Fabel noch bedarf. — Man weiß, daß sich die antisemitische Wühlerei aus Deutschland und Rußland nach Ungarn und zum Theil nach Wien verpstanzt hat, und es kann daher nicht wundern, daß wir habeneine andere Frage: was geschieht in Wien und Prag, um dieser Broschüre die weiteste Verbreitung zu geben? Man weiß, mit welchen ungeheuren Anstrengungen die Schmähschrift Rohlings bis in die Hütten des Volkes gebracht und überall hin verbreitet worden. Haben die Juden auch nur für eine einzige Gegenschrift Aehnliches gethan? — Biel ruhiger und jetzt aus Wien eine Reihe von Broschüren, welche gegen jene! einfacher gehalten, aber darum auch lange nicht so eingreifend, ankämpfen, erhalten. Gegen die Antisemiten. Eine Streit-j ist eine andere Broschüre von gleicher Tendenz: Der Talmudschrift, zusammengestellt von vr. I. S. Bl och. (Wien, 1882,! jude von Rohling in der Schwurgerichtsverhandlung vom D. Löwy.) Der Verfasser klagt in der Einleitung über die! 28. Oktober 1882. Zur Abwehr und Verständigung von Feigheit der „liberalen" Wiener Blätter, welche dem Andrang der Antisemiten gegenüber, aus Furcht „Judenblätter" genannt zu werden, Schweigen beobachten, und Entgegnungen gegen die antisemitischen Anschuldigungen nicht aufnehmen. Die einzige Ausnahme bilde „Die Wiener Allgemeine Zeitung", die in mannhaftester Weise und unermüdlich theils in eigenen Leitartikeln, theils in ihr übergebenen Entgegnungen das Recht, die Wahrheit und den Frieden vertheidigt. Er reproduzirt daher einige dieser ausgezeichneten Artikel aus der „W. A. Z." Den Hauptinhalt der Broschüre macht aber eine, in lebhaftester Entrüstung, warmer Begeisterung und mit großer Sachkenntniß verfaßte Kritik von Rohlings „Talmudjude" aus. Dieser Mann, der, des Talmuds völlig unkundig, nicht blos Eisenmenger abzefchrieben, sondern selbst diesen verdreht und übertrieben hat, und dem von jüdischen und christlichen Gelehrten die krasseste Unwissenheit und absichtlichsten Verdrehungen, um nicht mehr zu sagen, nachgewiesen worden, wiederholt dennoch unverfroren seine lügenhaften Behauptungen. D. Löwy. (Wien, 1882, D. Löwy.) In der gedachten Schwurgerichtsverhandlung citirte der Vertheidiger des angeklagten Antisemiten die Schrift Rohlings und der Präsident las sogar eine lange Stelle daraus vor. Niemand war in der Sitzung gegenwärtig, der sie widerlegen und auf ihren wahren Werth zurückführen konnte; auch der Staatsanwalt war nicht vorbereitet. Hiervon nimmt der Verf. Gelegenheit, die Schrift Rohlings in allen Hauptpunkten zu widerlegen. — Bon den Reden „der Talmudjude", die jetzt vr. A. Jellinek hält und veröffentlicht (Wien, D. Löwy, 1882), ist bereits die dritte erschienen: „Wozu und von wem wurde der Talmud studirt?" Der Talmud wurde studirt, nicht, um sich zu einem Berufe vorzubereiten, nicht um Nutzen und Bortheile daraus zu ziehen, sondern aus der reinsten Liebe zur Thora, aus der wärmsten Begeisterung für diese; und er wurde studirt, nicht von einer Berufsklasse, sondern von den Männern aller Klassen und Schichten der Juden, von Reichen und Armen, von Alten und Jungen, wofür der Redner einige hervorvr. Bloch nimmt daher von einer neulichen Aeußerung desleuchtende Beispiele anführt. Es waltete also hier die edelste selben Gelegenheit, ihm eine ganze Gallerie der „ärgsten Idealität ob, und in dieser lag der Lohn für die eifrigsten Schelmereien" entgegenzustellen, und alle seine Behauptungen > Studien bei Tag und Nacht, bei oft schwersten Entbehrungen zu widerlegen. Es ist dies eine Replik der spannendsten Art. > und unter den schwierigsten äußeren Verhältnissen. — Ein Er erklärt sogar S. 25: „Ich meinerseits erkläre laut, so abtrünniger Jude, Brafmann genannt — „brav" wie etwa laut, daß es in jedem Gerichtssaal und Regierungs-Cabinet vernommen werden kann, nämlich, daß Sie, Herr k. k. Professor Rohling, nicht eine einzige Seite im Talmudtexte je gelesen die Griechen das stürmische schwarze Meer das „gastliche" nannten — hat im Jahre 1869 mit Hülfe von Schülern und Schreibern, denn er selbst konnte nicht richtig schreiben und haben und zu lesen nicht die wissenschaftliche Qualifikation i sich nicht richtig russisch ausdrücken, aber auch im Hebräischen besitzen. Ich erkläre mich bereit, 3000 st österreichische war er unwissend und konnte es nicht einmal ohne Punktation Währung zu deponiren: die sollen Ihnen gehören, Herr Rohling, wenn Sie nur eine einzige Seite des Talmudtextes — eine Seite, die nicht ich, sondern der Zufall in einem Tractat, wie er zufällig in die Hand gelangt, Ihnen wählen soll — richtig und fehlerlos lesen und übersetzen. Herr Professor Rohling! Ich, der Bezirks-Rabbiner in Floridsdorf nächst Wien, biete Ihnen 3000 fl. und bin bereit, sie im Voraus bei einer Bank zu deponiren für das correcte, fehlerlesen, ein Buch in Wilna herausgegeben, das er „Buch des Kahals" nannte, in welchem er die ungeheuerlichsten Beschuldigungen auf das Kahal (jüdische Gemeinde-Verfassung) häufte und daraus ein Gespenst machte, das bei den, für solche Dinge empfänglichen Russen seitdem zu spuken nicht aufgehört hat. vr. Josef Seiberling, der damals noch bei dem jüdischen Comitv im russischen Unterrichts-Ministerium angestellt war, ließ einige Artikel erscheinen, in welchen er die >