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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-01-16 · Heft 3 (16.1.1883) · p. Seite 36

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 3 (16.1.1883)
Date
1883-01-16
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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36 und Ausgang der ganzen Polemik dargestellt. Ganz anders | Tr. Er betrachtet die Persönlichkeiten und Ereignisse ber j Geschichte als Marionetten, die er auf seiner Bühne nach I seinem Willen und Belieben kommen und gehen läßt und > gruppirt, um bestimmte, von ihm beabsichtigte Effekte hervor-! zubringen. So stellt er hier die jüdischen Streiter voran, j so daß der unkundige Leser durchaus glauben muß, sie hätten! angefangen und den Streit provozirt, während doch das! Gegentheil stattgefunden; sie wären die Angreifer gewesen,! während sie sich doch nur wehrten und das Heer der An-j greiser Zurückschlagen wollten; sie hätten das grobe Geschützj spielen lasten, während doch die Gegner sofort mit einem! Hagel von Schmähungen und Anschuldigungen die nichts! ahnenden Juden überfallen hatten. Noch mehr, Tr. über-! schüttet sofort die jüdischen Autoren mit dem härtesten Urtheil. Er fängt an: „In dem literarischen Kampfe, der sich nun entspann, offenbarte sich auf jüdischer Seite nicht selten eine erschreckende Verlogenheit und Ueberhebung; sie bewies klarer als alle Reden der Gegner, welche ernsten Bedenken der vollständigen Emanzipation des Judenthums noch im Wege standen." Da hört man den ganzen Treitschke aus den „Preußischen Jahrbüchern." Er selbst hat in unsrer Zeit die Rolle des Prof. Rühs gespielt und will nun sich und diesen von vorn herein rechtfertigen. Aber mannhafter wäre es doch gewesen, zuerst zu sagen, was Rühs vorgebracht, und was ihm dann die Juden geantwortet. Herr von Tr. weiß ja, daß die Juden auch antworten. Aber er dreht den Spieß um, was freilich keine Heldenthat ist. Wir wollen nicht leugnen, daß auch von Seiten der Juden Manches übertrieben worden; aber zuerst waren es doch Rühs, Fries, Dresch, Friederich und die anderen Alle, die sich in schmählichen Uebertreibungen und Verlogenheiten ergingen. Dann erst schallte das Echo aus dem Walde. Und was weiß nun Tr. zum Beweise für obige Anklage herbeizubringen? Statt uns summarisch zu sagen, was die Angreifer der Juden behauptet und was die jüdischen Verthcidiger geantwortet — von allem dem erfahren wir kein Sterbenswörtchen — sucht er sich den unbedeutendsten, ganz vergessenen Schmierer heraus, einen gewissen Saul Ascher, einen damals schon alten und verkümmerten Skribenten, der schon seit 17*7 Jahr für Jahr Broschüren über alles Mögliche, über Neger und Bienen, über Preßfreiheit und Empfindungskrankheiten u. s. w. losgelasten, die kaum Beachtung fanden. Dieser ist Treitschke's Mann, und weil er den Antheil der Juden am Befreiungskriege wirklich ohne Maß übertreibt, ist er ihm Beweis der jüdischen Uebertreibung und Verlogenheit. Hierzu gesellt er einige Stellen aus anonymen Broschüren und eine Phrase von Heß, — und er ist fertig. Kann da Jemand auch nur die geringste Vorstellung von dem ernsten und oft bedeutenden Inhalt der Schriften von . Heß, Weyl, Salomon, Wolfs u. A. gewinnen? Nun aber die christlichen Gegner. Tr. fährt fort: „Einem solchen Hochmuth gegenüber konnten auch in dem anderen Lager ungerechte und gehässige Worte nicht ausbleiben" — aber dieses andere Lager hatte ja mit den ungerechten und gehässigen Worten angefangen. Rühs und Fries fließen von solchen über! — „indeß bewahrte die große Mehrzahl der christlichen Schriften eine würdige Haltung". Entweder Tr. hat diese gar nicht gelesen, oder er sagt die Unwahrheit. Fries z. B., und zwar zu einer Zeit, wo noch keine jüdische Gegenschrift erschienen war, verlangt, nachdem er den Erzvätern einen „moralisch schlechten Wandel" nachgesagt, „eine gänzliche Ausrottung des Judenthums, oder bis dahin nur persönlichen Schutz für die Individuen, dagegen Zerstörung des Rabbinenwesens und des inneren Zusammenhanges, besonders Verminderung der Anzahl, Verdrängung der Juden vom flachen Lande, Versagung christlicher Dienstboten, Bezahlung eines Schutzgeldes, Tragung eines Abzeichens, u. s. w." Ist das eine würdige Haltung? und doch war Fries ein Professor an der Universität Heidelberg! Ja, es gab christliche Schriftsteller, die eine würdige Haltung beobachteten, wie Ewald und Krämer, aber diese gehörten nicht in das „andere Lager", sondern waren Vertheidiger der Juden. Wie unschuldig stellt dann den eben angeführten Forderungen von Rühs und Fries diese Treitschke dar, und nennt Paulus, ohne mit einem Worte nur den Inhalt der Schrift desselben zu charakterisiren. So ist die Darstellung Tr.'s eine völlige Verdrehung, verbunden mit äußerster Oberflächlichkeit, aber getragen von der bittersten und gehässigsten Gesinnung, ein Stück Geschichtsschreibung, wie sie in dem einseitigsten Pamphlete nicht anders geliefert werden kann. Ueberhaupt gestattet sich Treitschke den Kniff, in diesem liter. Streite die jüdischen und die christlichen Autoren gegenüderzustellen. So verhält es sich aber nicht: es standen sich gegenüber die Angreifer und die Vertheidiger der Juden. Unter den letzteren befanden sich Juden und Christen. Während nun die Angreifer die Juden mit Schmähungen und Anklagen überhäuften, Ausschließung, Unterdrückung, ja Verfolgung predigten, gerade wie jüngst in steigender Potenz Treitschke, Stöcker, Förster, Henrici — lag es in der Natur der Sache selbst, daß die christlichen Vertheidiger der Juden eine «würdige Haltung" beobachteten. Diese nun auch jenen Angreifern zu gute rechnen zu wollen, unter der allgemeinen Bezeichnung als „christliche" Autoren, das ist nur, wie wir sagten, ein „Kniff", mit dem man diejenigen zu täuschen vermag, welche die Sachlage nicht kennen. Nachschrift. Wenn Treitschke sich einmal mit dem Antheil der Juden an den Freiheitskriegen beschäftigen wollte, so mußte er als gewissenhafter Geschichtsschreiber

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