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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-01-16 · Heft 3 (16.1.1883) · p. Seite 34

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 3 (16.1.1883)
Date
1883-01-16
Page
Seite 34 (sequence 2)
Language
German
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34 verkündete. Bei jenen wie bei dieser mußten die Juden Zeit so viel deutsche Cultur und wissenschaftliche Bildung schlecht wegkommen, und das mittelalterliche Borurtheil, der i unter den Juden verbreitet, daß sie diese zum größten Thcile mittelalterliche Haß von Neuem geweckt und gepflegt werden, ungerechten, unwahren, ja fanatischen Angriffe, welche ihre Hieraus erklärt sich genugsam, daß schon 1815 eine Reihe von > ganze zukünftige Existenz bedrohten, nicht ohne Abwehr und Broschüren und Büchern zu erscheinen begann, welche den, Widerspruch lasten konnten. Man darf hierbei niemals verheftigsten Ton gegen die Juden anfchlugen, sie, ihren Charakter,' gefsen, daß die Juden in keiner Weise diese Händel provozirt ihre Bestrebungen aufs Schwärzeste ausmalten, Schmähungen hatten. Außer in Frankfurt, wo sich ein einfacher Rechts¬ und Verdächtigungen aller Art gegen sie aussprachen, ihnen nicht! streit erhoben hatte, fetzten sie sich nicht einmal zur Wehr, nur die Bürgerrechte versagen, sondern sie den äußersten! als man ihnen die Rechte entzog oder entziehen wollte, die Beschränkungen unterwerfen wollten. Nach einigen unbesie bereits besessen hatten. In den andern Ländern machten deutenden Plänkeleien war es Prof. Friedrich Rühs, der! sie nicht den geringsten Anspruch verlautbar. Wenn nun damalige Vertreter der historischen Schule, der im Februar jetzt die schmählichsten Anschuldigungen gegen sie geschleudert 1815 mit einer kleinen Schrift gegen die Juden hervortrat,! wurden, wenn diese Pamphletisten sie den äußersten Bcdie allgemeines Aufsehen erregte. Er sah die Juden als schränkungen und Ausnahmegesetzen unterworfen wissen wollten; eine fremde Nation an, als einen Staat im Staate, welche sollten sie auch hierzu schweigen? durch eine besondere Aristokratie und die Autorität der Rabbinen, durch ihre besondere Beschäftigung und ihren Charakter eine abgesonderte Existenz führten. Hieran knüpfte er alle die unendlich oft wiederholten Vorwürfe aus den mittelalterlichen Zeiten und will sie von allen wesentlichen Bürgerrechten ausgeschlossen haben. So schwach, unwahr und übertrieben fast Alles war, was Rühs hier vortrug, so schnell machte seine Schrift doch ihren Weg, besonders als I. F. Fries in den Heidelberger Jahrbüchern in einer Rezension sie nicht nur empfahl, sondern noch weit überholte. Die Gesetzgebung sei am Ende des vorigen Jahrhunderts durch Humanität verwildert und die mißverstandene Duldung habe das ganze Unglück Deutschlands verschuldet. Er sprach daher für Herstellung aller mittelalterlichen Bedrückung und Ausschließung, sonst würde Deutschland in 40 Jahren zu Grunde gehen. Rühs und Fries fanden eine Menge Nacheiferer, wie in den Pamphleten von Dresch und Anderen, besonders dem fanatischen Friederich (1816). Man sieht, der Historiker Rühs spielte damals dieselbe Rolle, wie der Historiker Treitschke jüngst, und so groß ist die Uebereinstimmung, daß in den Judenschriften beider Historiker nicht eine Spur von historischer Forschung zu finden ist. Ueberhaupt, wer diese Schriften durchlieft, der wird finden, daß die heutigen Antisemiten, selbst Herr von Treitschke, nicht die geringste Originalität besitzen, daß sie nur ihre Vorgänger, wenn nicht abschreiben, doch conterfeien. Dieselben Behauptungen und Anschuldigungen, dieselben Tendenzen und Zwecke, als wenn nicht Zuerst trat S. Zimmern aus Heidelberg, der sich später als Universitätslehrer auszeichnete, in einer Gegenschrift gegen Prof. Fries, besonnen, klar und ruhig auf. Er protestirte gegen die den Juden untergeschobene politische Einheit, er zeigte, daß von einer Macht der Rabbiner längst nicht mehr die Rede sein könne, da ja gerade damals das Ansehen derselben äußerst gesunken war, und daß die vorhandenen Uebelstände gerade aus der Unterdrückung und Beschränkung hcrvorgegangen. Mit größerer Umsicht und reicherer Sachkenntniß ergriff M. Heß, Oberlehrer an der israelitischen Realschule zu Frankfurt, das Wort. Er wies dem Prof. Rühs die völlige Unkenntniß der wirklichen Verhältnisse nach, da er von einer jüdischen Aristokratie spreche, die nirgends vorhanden. Mit vieler Schärfe weist er seinem Gegner die Verdrehung und den Mißbrauch der Geschichte nach, indem er zugleich auf die Zerrüttung in den Ländern hindeutete, in welchen niemals oder feit Jahrhunderten keine Juden wohnen. Gleichzeitig, aber mit möglichster Ruhe und mit der Berufung auf zahlreiche Thatfachen ertheilte I. Weyl dem Rühs und Fries eine geistreiche und sachgemäße Antwort. Tie Hauptschrift gegen diese aber, welche tiefer in das Innere der Fragen einging, war „der Charakter des Judenthums" von Wolff und Salomon, indem sie diesen aus den Quellen darstellten und daraus die kräftigsten Einwendungen gegen die Gegner mit Geschick zogen. Alle diese Schriften erschienen 1816 und 1817. Jndeß traten auch zwischen den beiden kämpfenden weitere 65 Jahre seitdem ins Land gegangen wären. Nun, > Parteien wohlgesinnte Männer als Vermittler auf, die, wenn jene heftigen Pamphletisten haben den Gang der Entwicklungj sie auch meist noch beschränkenden Maßnahmen huldigten. nicht aufzuhalten vermocht, und wenn auch langsamer, doch um so sicherer erfüllte die Geschichte die Forderungen des modernen Staats- und Rechtslebens. Dies nehmen sich zwar die Antisemiten nicht zur Lehre und Warnung, aber um so gewisser ist die Erfolglosigkeit ihrer fanatischen Angriffe. Nun hatte sich aber seit Mendelssohns und Lessing's doch dem Streite und der Entwickelung den gehässigen und verbitternden Charakter nehmen wollten. Am meisten zeichnete sich hierin Johann Ludwig Ewald, als Schulmann und Geistlicher gleich berühmt, aus. Er erkennt an, wie viel bereits von den Juden selbst und von manchen Regierungen für die Heranbildung der ersteren zu tüchtigen Gliedern der

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