Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1883)
- Date
- 1883-01-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine des Zudenlhums. Ein unvarteiisches Organ sür allcs jüdische Jntcrcffe. Diese Zeitung erscheint wöchentlich, j Preis vierteljährig 2 Merk. Abonne- : ment in Deutschland (Postzeitungsliste j Nr. 92) und Oesterreich bei allen Post- > ämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Gzepeöitiorr: Leipzig, Wohpleth 18. In reüactionellen Angelegenheiten ■ wende man sich an vr.L.PHilippson in I Bonn direct, in allen übrigen an die > Berlagshandlung. Beilagen «Gebühr 12 M.) sind gleichsaUs an letztere einzusenden. 47. Jahrgang. Leipzig, den 16. Januar 188:;. JVo. 3. Inhalt. Leitende Artikel: Heinrich von Treitschkes „Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert II. Band". III. — Bilder aus dein jüdischen Rechtsleben. II. — Zur Aufklärung. — Literarischer Wochenbenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Kassel, Hannover, Aus Westfalen, Aus dem Reichslande, Fürth. — Oesterreich-Ungarn: Pest, Brody. Rezessow. — Frankreich: Paris Großbritannien: London. — Rumänien: Bukarest. — Leivz iuilc'iic'c ötltßef. Bonn, 10. Januar. Heinrich von Treitschkes „Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert II. Sand". in. In denjenigen deutschen Ländern, welche die Franzosen bis 1813 occupirt hielten oder aus denen sie besondere Vasallenstaaten gebildet hatten, war den Juden die völlige Gleichberechtigung gewährt worden. Mit der Vertreibung jener aus den deutschen Grenzen und mit der Zurückgabe des deutschen Bodens an deutsche Herrscher mußte deshalb die Frage erstehen, ob man den Juden die Rechte, die sie bereits Jahre hindurch genossen hatten, laffen oder wieder nehmen wolle? Während man nun im Wiener Congreß diese Frage verhandelte, die Vertreter der beiden deutschen Großmächte sich für bürgerliche Rechte, wie sie ungefähr das preußische Gesetz von 1812 bewilligte, aussprachen, die Gesandten mehrerer deutschen Staaten sich dagegen erklärten und zuletzt der Art. 16 der deutschen Bundesakte die Tendenz zur Emanzipation der Juden aussprach, diese aber der Zukunft vorbehielt, waren die vier freien Reichsstädte zur Wiederherstellung der früheren Zustände bereits vorgegangen. Bremen hielt die Juden fernerhin aus seinem Ländchen verbannt, Lübeck vertrieb sie nach einem elenden Dorfe (Moisling), Hamburg legte ihnen schließlich einige Beschränkungen auf und Frankfurt führte einen langen Rechtsstreit g: Kunstnotiz. — Feuilleton: Korrespondenzen. — Vermisch res. aus. In allen jenen Ländern, namentlich in Äurheffen,! Westfalen und Rheinland nahmen die Juden ruhig ihr > Schicksal hin, nur die jüdische Gemeinde in Frankfurt setzte!fich in besonnener und fester Weise zur Wehr und erreichte ^dadurch wenigstens einen erträglichen Zustand. Es war aber! naturgemäß, daß solche Vorgänge die öffentliche Aufmerksamkeit weckten und die Literatur sich der Frage bemächtigte, j ©alt es zuerst hier, ob die Juden der gedachten Länder ihre! erlangten Rechte behalten sollten oder nicht? so verallgemeinerte sich doch schnell die Streitfrage, da voraussichtlich nicht in einem Theike Deutschlands die Juden gleichberechtigt sein könnten, ohne daß in dem anderen Theile demselben Zuge der Zeit Folge geleistet werden müßte, und in der That gab es noch deutsche Staaten, z. B. Sachsen, wo die Juden noch völlig in mittelalterlicher Weise behandelt wurden. Die Frage war also da und hatte einen ganz faktischen Boden. Ein Uebelstand für die Juden war es, das; sie ihre freiere Stellung der Fremdherrschaft zu verdanken hatten. Da man nun in Deutschland diese und ihre sichtbaren Wirkungen mit Stumpf und Stiel ausrotten wollte, konnte die öffentliche Meinung leicht auch gegen die Rechtsstellung der Juden gerichtet werden. Hierzu kam, daß sich die Juristen die Erörterung jener Frage angelegen sein ließen und ihrer Richtung gemäß mehr den Buchstaben der Akte j und Verträge als den Geist und das Bedürfniß der Zeit, ' als die Grundsätze des Rechts und der Humanität in Betracht j zogen. Endlich war damals in Deutschland eine historische Schule entstanden, welche die alten deutschen Zustände verj herrlichte und deren Reaktivirung als das Heil der Nation