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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-01-09 · Heft 2 (9.1.1883) · p. Seite 27

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 2 (9.1.1883)
Date
1883-01-09
Page
Seite 27 (sequence 11)
Language
German
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27 Bezüglich dieses Referats erlaube ich mir hier nachträglich zu bemerken, daß darin der Hauptgedanke meines Vortrags ganz außer Acht gelassen und die Aufmerksamkeit des Lesers nur auf Nebensächliches gelenkt worden. Denn den Angelpunkt des Vortrags bildet der Nachweis, daß Goethes Faust eine nothwendige Ergänzung, gleichsam den Pendant zu demselben') bilde, eine Behauptung, die noch von Niemand aufgestellt worden und die darum Anspruch auf Originalität hat. Diese Behauptung ist der Ausgangspunkt des Ganzen, sie wird S. 14 und 23 nachdrücklich betont, ihrer Begründung find die ersten 24 Seiten, den anderen Vergleichspunkten aber nur die letzten 5—6 Seiten gewidmet. (S. unsre Nachschrift.) Auch in dem fteundlichen Referate Über meine Uebersetzunz des „Jggereth Baale Chajjim von Kalonymos bar Kalonymos" blieb das Wichtigste unerwähnt. Ich meine den fast 30 kleingedruckte Seiten füllenden Anhang, welcher meine Correcturen des hebräischen Textes und sachliche Bemerkungen enthält, die theils geschichtlichen und geographischen, theils natur- und literaturhistorischen Inhalts sind. Dadurch, daß Kalonymos für sehr viele Wörter des arabischen Originals keine entsprechende hebräische Bezeichnungen fand, nahm er die arabischen Ausdrücke, mit hebräischen Buchstaben geschrieben, in seine Bearbeitung auf, und verwandte aus gleichen Gründen Begriffsbezeichnungen seiner Muttersprache, des Provenzalischen. Da aber die Herausgeber und die Schriftsetzer weder das Arabische noch das Provenzalische l) „zu demselben", zu wem'? zum Hiob'? das müssen wir durchaus bestreiten! Redaktion. verstanden, schlichen sich in sein Buch eine große Menge Fehler ein, die das Verständniß des Wortsinns an sehr vielen Stellen unmöglich machten. Erst durch sorgfältige Vergleichung des arabischen Originals und durch mannigfache Conjecturen ist es mir gelungen, die fremden Wörter und deren Bedeutung festzustcllen, die Druckfehler zu beseitigen, den richtigen Sinn einiger von Kalonymos selbst mißverstandenen Stellen des arabischen Originals zu eruiren, kurz den hebräischen Text so herzu stellen, daß er correct, verständlich und selbst für die Texteskritik des arabischen Originals wichtig werde. Die besprochenen Noten in Verbindung mit der ausführlichen literarhistorischen Einleitung, welche die Genesis des arabischen Originals und seine hebräische Bearbeitung beleuchtet, machen meine Veröffentlichung nicht zu einer bloßen Uebersetzung des „Jggereth Baale Chajjim", sondern zu einer Arbeit, durch welche Kalonymos Werk erst in allen seinen Theilen verständlich und genießbar wird. Hierauf glaubte ich um so mehr hier aufmerksam machen zu sollen, als der Reinertrag des Buches einem wohlthätigen Zwecke gewidmet ist. vr. Landsberger. Nachschrift der Redaktion. Herr Dr. L. ist hinsicht-! lich seines Vortrages im Rechte, und haben wir diesen nur aus Gedächtnißirrthnm citirt, da Di-. L. nicht unsere Artikel, sondern unsere Einleitung zum Buche Hiob erwähnt. Wenn übrigens vr. L. nachträglich die ged. Artikel liest, wird er bemerken, daß dieselben mit seinem Vortrage wirklich in Nichts übereinstimmen, eine ganz andere Tendenz verfolgen und zu Resultaten kommen, die weit ab von seinem Vortrage liegen. Ieuil Das Ghetto in Nom im Jahre 1488. Bon Adolf Glaser. (Fortsetzung und Schluß.) Jahre lang irrte Isaak 2)em in Italien umher. Von furchtbarem Wahnsinn gejagt, fand er merkwürdiger Weise seinen Verstand stets wieder, sobald er zufällig an ein Krankenlager trat. Dann wandte er alle Kunst auf, um den Leidenden zu retten, um, war ihm dies gelungen, wieder in Irrsinn zu verfallen und weiter zu stiehen. Endlich war er zu einem der höchsten Alpendörfer in wildester Gegend gelangt. Hier blieb er, indem er ringsum in die armseligen Hütten die Segnungen seiner Kunst trug. Da fanden ihn Truppen des Königs von Frankreich, Karl VIII, der Italien mit Krieg überzog. Ihr Feldherr erkannte in dem wirren Manne den kenntnißreichen Arzt, nahm ihn mit sich, und stellte ihn bei seiner Truppe an. Karl VIII zog siegreich in Rom ein. leton. Ta geschah es denn an einem Freitag, des Abends, kurz nach dem Einzug der Franzosen, daß ein Monn am eisernen Gitterthore, welches das Ghetto abschloß, Einlaß begehrte. Sein Wesen war so seltsam erregt und er konnte die Ungeduld, die ihn beherrschte, so wenig bemeistern, daß der jüdische Wächter im Innern ängstlich wurde und nicht öffnen wollte. Zwar kannte der Fremde die jüdischen Gebräuche. und auch seine Züge sprachen für seine Abstammung vom auserwählten Volke, aber alles dies konnte auch ein Spion zur Schau tragen, um den Wächter zu täuschen. Letzterer rief daher einige Vorstände der Gemeinde herbei, denn gerade an jenem Abend, wo der Sabbath begann, war doppelte Vorsicht geboten. Der Fremde behauptete, er sei im Ghetto heimisch, der heilkundige Arzt Isaak Zem; aber das eben schien dem Wächter unwahrscheinlich und er wollte den Mann nicht einlassen, ohne die Zustimmung der Aeltesten. Diese kamen und waren nicht wenig erstaunt, als sie •>*

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