Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1883)
- Date
- 1883-01-09
- Page
- Seite 26 (sequence 10)
- Language
- German
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26 i renden Senat, und dieser beschied sie dahin, daß jene Be-! schränkung auch auf die städtischen Institute Anwendung finde.! — Die sogenannten Altgläubigen in Rußland, die ihrerseits! schon so oft Gegenstand heftiger Verfolgungen gewesen, treiben | jetzt eifrig, wenn auch erfolglos, Propaganda, um Juden zu ihrer Sekte herüberzuführen. Sie bedienen sich dazu großer; Versprechungen, und wenn diese nichts helfen, scheuen sie! vor Gewaltthaten nicht zurück, die sie an einzelnen Juden j verüben. Solche Fälle sind schon mehrfach in der Nähe von Kowno an jüdischen Handwerkslehrlingen und Bettlern vorgekomj men, die jedoch glücklich den Händen dieser Fanatiker entkamen,! einige allerdings nur unter dem Scheine der Nachgiebigkeit.! Bonn, 31. Dezbr. (Notizen.) Aus Wien wird uns geschrieben: Gestern feierte Herr vr. Winterberg sein fünfzigjähriges Doctorjubiläum. Derselbe gründete vor vierzig Jahren in seiner Heimathsstadt Jungbunzlau eine deutsche Hauptschule für die israelitische Jugend, welche noch heute besteht, und war dort sechsundvierzig Jahre Armenarzt. — Der Weimar'sche Landrabb. vr. Kroner ist zum Rabbiner in Erfurt gewählt worden und hat die Wahl angenommen. Es sind jetzt 10 Jahre verflossen, daß vr. Kroner sein Amt { angetreten, und die jüdischen Lehrer des Großherzogthums nahmen davon Gelegenheit, eine warmgefühlte Adresse an ihn zu richten, in welcher sie ihre Anerkennung für sein Streben für Synagoge und Schule aussprachen. — Der Rabb. vr. Oppenheim'in Thorn feiert am 20. Januar sein 2öjähr. Amtsjubiläum. — Herr vr. S. schreibt uns aus Kassel vom 28. Dezbr.: Am 20. d. M. starb zu Niemes in Böhmen, allwo er seinen bleibenden Aufenthalt zu nehmen gedachte, der frühere Director der Samsonschule zu Wolfenbüttel, Herr vr. Philipp Ehrenberg. Derselbe mar seinem Vater, dem Jnspector S. M. Ehrenberg, als Leiter der genannten Anstalt gefolgt und hat sich um dieselbe aufs höchste verdient gemacht. Er setzte in diesem Erziehungs- und Lehrinstitute, aus welchem bereits Männer wie Jost, Zunz, Nachod u. a. hervorgegangen waren, jene Verinnerlichung des Lehrstoffes, jene Genauigkeit und Gründlichkeit fort, ohne welche es weder Brauchbarkeit für das praktische Leben, noch weiteren Aufbau im Bereiche der Wissenschaft giebt. Das ganze Wesen des Verstorbenen war auf Wahrheit und Tüchtigkeit begründet, * sein Bestreben im weiten Kreise seiner Kenntnisse stets da-! rauf gerichtet, sowohl den Charakter als das Wissen der ihm r anvertrauten Zöglinge zu entwickeln. Obschon E. ungern in; die Oeffentlichkeit trat, wurde er doch bei vielen bürgerlichen t Angelegenheiten aufgesucht und zu Rathe gezogen. Dem allgemeinen Erziehungsverein in Braunschweig gehörte er als eifriges Mitglied an. Auch in Kassel, wo er sich nach seiner Pensionirung längere Zeit aufhielt, nahm er an den Bildungsbestrebungen des kaufmännischen Vereins regen Antheil. Sein Andenken bleibe in Segen'. — Wir haben aus Liegnitz das plötzliche Hinscheiden des Rabbiners vr. Landsberg , gemeldet. Derselbe hat ein Alter von 58 Jahren erreicht und war zu Loslau in Oberschlesien geboren, Sohn des dortigen Rabbiners. Mit seinem 30. Lebensjahre trat er in das Amt bei der Gemeinde zu Liegnitz und verwaltete es 26 Jahre lang mit segensreichstem Erfolge. Seine Wirksamkeit dehnte er als Vertreter der Alliance univ. über ganz Deutschland aus und bewährte sie besonders in den beiden letzten Jahren, als es galt, die russischen Flüchtlinge durch die deutschen Lande nach den Seehäfen zu geleiten. Am 28. fand die Beerdigung unter außergewöhnlicher Theilnahme statt. Eine Trauerseier in der Synagoge ging voran, wo sich auch der Oberbürgermeister, Stadträthe und Stadtverordnete und die evangelische Geistlichkeit der Stadt einfanden. Rabb. Di-. Joi-l aus Breslau, Rabb. vr. Landsberg, jüngerer Bruder des Verstorbenen, Rabb. vr. Feilchenfeld aus Posen und der Sekretär der Alliance Isidore Loeb, der J aus Paris hierzu an gekommen war, hielten die tiefergreifenden Trauerreden. Während der Trauerfeier und des Begräbnisses hielten die jüdischen Kaufleute ihre Geschäfte geschlossen. Darmstadt, 20. Dezbr. (Literarische Notiz.) In Nr. 49 dieser Zeitung befindet sich die Bemerkung: „Im Jahrgang 1680 haben wir in Nr. 22, 23, 30 Goethes Faust in seinem Gegensätze zur Weltanschauung des Judenthums kritisch besprochen. Die betreffenden Artikel machten in unserem Leserkreise einiges Aufsehen und ein Vortrag des vr. Landsberg in Darmstadt stützte sich bereits auf dieselben." Dem letzten Satze gegenüber sehe ich mich nun gezwungen, hiermit zu erklären, daß ich meinen im Mai er. im Druck erschienenen Vortrag „Das Buch Hiob und Goethes » Faust" bereits im Winter 1874 im hiesigen kaufmännischen Vereine, im Jahre 1877 in den kaufmännischen Vereinen zu Mannheim und Frankfurt, im Jahre 1879 in dem zu Offenbach gehalten habe, und daß eine ausführliche Besprechung desselben schon in einer Nr. der „Neuen Frankfurter Zeitung" vom 14., 16. oder 17. März 1877 abgedruckt ist. Es liegt also im Bereiche der Unmöglichkeit, daß sich mein Vortrag auf jene Artikel des Jahrgangs 1880 stützte; wenn aber trotzdem die in ineiner Vorlesung enthaltenen Gedanken über den Gegensatz der Weltanschauung in den beiden erwähnten Büchern mit denen in den beregten Artikeln übereinstimmen, so ist dies ein Zufall, der für die Richtigkeit jener Gedanken Zeugniß ablegt. Uebrigens habe ich — ich weiß selbst nicht, wie dies kam — zu meinem Bedauern die angezogenen Artikel nicht einmal gelesen und von deren Existenz wie von der des Vortrags, den Herr Landrabbiner vr. Adler in Kassel über Faust und Hiob gehalten, erst durch das Referat Kennt niß erhalten, das zu Anfang des verflossenen Sommers in dieser Zeitung über meinen Vortrag erschienen ist.