Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1883)
- Date
- 1883-01-09
- Page
- Seite 23 (sequence 7)
- Language
- German
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23 und llgocsa bilden unsere Glaubensgenossen über 10°/«, in Saros, Abauj, Borsod, Szabolcs^), Szatmar über 6% der Bevölkerung. In den genannten Komitaten zusammen leben 189,311 Juden unter 1,881,316 Einwohner, bilden also 10*% der Bevölkerung. Wir finden unter diesen Komitaten die ärmsten Ungarns, aber auch die reichen Ebenen der oberen Theiß und den berühmten Weindistrikt der Hegyallya, ein recht augenfälliger Beweis, wie unabhängig die Zahl der Juden von dem volkswirthschaftlichen Zustande der von ihnen bewohnten Gebiete ist. — Ein zweites weniger scharf markirtes Zentrum der jüdischen Bevölkerung bilden die Komitate an der mährischen Grenze, also in den kleinen Karpathen: Preßburg 6,5%, Neutra 7,6%. Trencsin 5,2°/o, Turocz 4,80/o, zusammen mit 64,249 Juden (6,5°/o). Ueber den durchschnittlichen Prozentsatz des eigentlichen Ungarn erheben sich noch die Komitate Raab (5,5%), Beszprim (5,4%) und Heves (5,2%), während alle anderen dahinter Zurückbleiben. 1) Das berüchtigte Tißa-Eßlar liegt in diesem Ä omitat, das eine jüdische Bevölkerung von 9,4», 0 besitzt. Die Komitate Komorn, Somogy, Neograd, Liptau, Torna, Szilagy, Hajduken, Bihar besitzen eine jüdische Bevölkerung zwischen 4 und 5%; Oedenburg, Stuhlweißenburg, Zala, Tolna, Bars, Arva, Zips, Jazygien. Csongrad zwischen 3 und 4%, Wieselburg, Eisenburg, Hont, Gran, Gömör, Bekes, Csanad, Arad zwischen 2 und 3%, Sohl, Torontal, Temes zwischen 1 und 2%, Krasso-Szöreny 0,8%. Man sieht, besonders schwach von Juden bevölkert find die Komi- 5 täte Südungarns, an der unteren Donau und Theiß. — , Was das Zusammenleben der Juden mit den übrigen Nationalitäten der ungarischen Länder anbetrifft, so ist bemerkenswerth, wie schwach die jüdische Bevölkerung in denjenigen! Komitaten ist, in denen Kroaten, Serben oder Rumänen die! Mehrzahl der Bevölkerung bilden, also in Kroatien-Slavonien! und einem großen Theil Siebenbürgens. In diesen Komi- , taten zusammen, 19 an der Zahl, wohnen nur 43,825 Juden, 1,8%. Dagegen läßt sich in der Bertheilung der Juden in den vorwiegend ungarischen, slovakischen und ruthenischen , Komitaten kein durchgreifender Unterschied konstatiren.! A. PH. %cüi/ivicj Deutschland. Berlin, im Dec. (Privatmitth.) Der Ausschuß des deutsch-israelitischen Gemeindebundes hat einen Bericht über die von ihm gegründete Herxheimerstiftung veröffentlicht, deren Zweck ist „unbemittelte israelitische Jünglinge, welche eine Lehrerbildungs-Anstalt besuchen, um sich für den Religionslehrerberuf auszubilden, durch Stipendien zu unterstützen. Die segensreiche Wirksamkeit der Stiftung erweist sich da-j durch, daß im Jahre 1878 für 11 Stipendiaten 1830 Mark,! 1879 für 15 : 2680 M., 1880 für 21 : 2700, 1881 für! 17 : 2575 M.; zusammen für 64 Stipendiaten 9785 Mark verausgabt worden. Im Jahre 1880 betrug die Einnahme : 3407 Mark durch Beiträge aus Alzey, Berlin, Bernburg, Dresden, Frankfurt a. M., Leipzig, Magdeburg, Mainz,! München und Schwabach. Bon den 17 Zöglingen wurden 6 an der Lehrerbildungsanstalt zu Cassel, 4 zu Münster, 3 zu Hannover, 1 zu Alzey, 1 zu Kaiserslautern, 1 zu Burg Preppach und 1 zu Rotenburg a. F. unterhalten. Der Kaffeubestand war am 31. Dec. 1881, 2100 Mark. Dresden, 22. Dec. (Privatmitth.) Es ist immerhin charakteristisch, einen der Wortführer der Antisemiten nach dem anderen dem Strafrichter anheimfallen zu sehen. Der Herausgeber der hier erscheinenden antisemitischen „ Deutschen Reform", Blumenfabrikant Alexander Pinkert, der jüngst in einem Jnjurienproceß sigurirte, ist heute von der dritten Strafkammer des Landgerichts wegen Beleidigung des Directoriums der deutschen Reichsbank zu einer Geldstrafe von. 200 Mark sowie zur Tragung der Kosten verurtheilt worden. Stettin, im December. (Privatmitth.) Das hiesige Comite zur Unterstützung der jüdischen Flüchtlinge aus Rußland, das unter dem Borsitze des Rabbiners vr. H. Vogelstein in verdienstvoller und erfolgreicher Weise thätig gewesen, hat einen interessanten Bericht ausgegeben, nachdem es seine Thätigkeit „angesichts der bevorstehenden Einstellung der Schifffahrt" abgeschlossen hat. Das Comit^ war nach dem Aufrufe, den es erlassen, mit hinreichenden Geldmitteln versehen, um die Emigranten in Empfang zu nehmen, in Quartier zu bringen, zu beköstigen und zum Tbeil zu be-! kleiden, bis sie die Schiffe besteigen konnten, auf welchen ihnen Plätze bestellt worden. Einem Theile der Beförderten! ist es unmöglich gewesen, sich in die Bedingungen des westlichen Culturlebens, wie solches sich namentlich in Amerika und England entwickelt hat, hinein zu finden: diese mußten repatriirt werden. Der Bericht sagt jedoch hierüber: „Berücksichtigt man aber, in welchem vielhundertjährigen politischen Drucke und socialen Elende die Unglücklichen gelebt haben, zieht man in Betracht, wie wesentlich sich die Cultnrstufe des Volkes, dem sie bisher angehört haben, von der der westlichen Völker unterscheidet und erwägt man endlich, daß ihnen keine Möglichkeit, sich mit der Cultur der westlichen Völker vertraut zu machen, bisher gegeben war, so