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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-01-09 · Heft 2 (9.1.1883) · p. Seite 24

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 2 (9.1.1883)
Date
1883-01-09
Page
Seite 24 (sequence 8)
Language
German
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24 muß man zu dem Urtheil gelangen, daß Großes erreicht ist, wenn es auch nur gelingt, von den nach dem Westen Europas und nach Amerika translocirten Emigranten die jüngere Generation für das Culturleben nutzbar zu machen. Im! Verhältniß zur großen Zahl der dorthin beförderten Flücht-1 linge, ist die der Repatriirten immerhin eine geringe zu! nennen, die Uebrigen haben also eine Heimath gefunden und ist die Hoffnung vorhanden, daß sie mit der Zeit nützliche Bürger der Länder werden, welche ihnen gastliche Aufnahme bereiteten. Wir haben theils directe Dankschreiben von mehreren der durch uns Expedirten, theils indirecte Nachrichten erhalten, die uns in dieser Hoffnung bestärken. Unter' den über hier Ausgewanderten hatten wir 3 Kategorien zu unterscheiden: 1) Diejenigen, meist Südruffen, welche direct durch Plünderung und Beraubung zur Flucht gezwungen waren. 2) Diejenigen, welche theils durch Bedrohung ihres Lebens und Eigenthums, theils durch systematisches Absperren ihrer Erwerbsquellen, indem ihnen jede Arbeit bei Andersgläubigen untersagt oder entzogen wurde, zur Auswanderung genöthigt waren. 3) Diejenigen, welche, nachdem sie in den Nothstandsjahren 1869 und 1870 vom nordwestlichen nach dem südlichen Rußland ausgewandert waren, daselbst aber nach den russischen Gesetzen kein Heimathsrecht erwerben konnten, nunmehr in ihre alte Heimath zurück verwiesen wurden, wo sie bei der ohnedies vorhandenen Uebervölkerung absolut keinen Erwerbszweig finden konnten. Tie Gesammtzahl der über hier beförderten Flüchtlinge betrug 1115 Individuen und zwar 869 Emigranten und 246 Repatriirte." Das Eomitv hat für die Bedürfnisse und die Beförderung dieser Zahl mit 13775,80 Mark gesorgt. Die Einnahmen hatten sich auf 16591 Mark belaufen, so daß ein Bestand von 2816 Mark verblieb. Hierüber besagt der Bericht: „Den Restbestand unserer Casse von 2816,30 Mark heben wir zunächst für etwa ferner hier eintreffende Emigranten auf, sollten wir, was Gott geben möge, keine Ber anlaffung zu solcher Verausgabung haben, so werden wir : denselben in Uebereinstimmung mit den Centralcomit4s für die jüdischen Flüchtlinge aus Rußland verwenden." Zu den Beiträgen hatte Stettin über lOOOO Mark gespendet, und der Rest wurde aus der Provinz gesammelt. Zum Schluffe spricht der Bericht den wärmsten Dank an alle Menschenfreunde aus, welche dem Comitä ihre Hülfe angedeihen ließen. Aus Württemberg, 25. Dec. (Privatmitth.) Der „Verein zur Versorgung von Wittwen und Waisen armer israelitischer Lehrer und Vorsänger Württembergs" veröffentlichte in dieser Woche seinen Jahresbericht pro November 1881—82. Der Vorstand, Oberlehrer a. D. Liebmann in Stuttgart, sagt in seinem Vorwort: Am nahen Schluffe des Jahres, mit welchem zugleich zwei Jahrzehnte des Bestandes unseres Vereins endigen, geziemt es sich, einen Blick auf den mühsamen Weg, den der Verein gemacht hat, zurück zu werfen. Das trostreiche Wort des königlichen Sängers: „Die mit Thränen säeten, werden mit Freuden ernten," bewährte sich auch an unserem Verein. Es war nichts weniger als ein aussichtsvolles Unternehmen, als wir vor zwanzig Jahren denselben gründeten. Weder die politische Lage des Vaterlandes, noch die gedrückten Berhältniffe des Lehrerstandes im Allgemeinen und des israelitischen insbesondere verhießen dem jungen Verein lebensfähigen Bestand. Bei einem jährlichen fixirten Gehalt von 225—250 Gulden, dem Minimum (meistens auch Maximum) eines jährlichen Einkommens eines Lehrers und Vorsängers, war nicht zu hoffen, daß die sich nur schüchtern anschließenden Amtsgenoffen etwas Erkleckliches würden leisten können. Biele sahen dem Bestreben der Begründer sogar mit einem gewiffen Spott oder mitleidigem Bedauern zu, ja es mußten in den ersten I Satyren eine Menge rückständiger, ordentlicher Beiträge als uneinbringlich in Abgang decretirt werden. Wie bei der!Wahl Sauls zum König über Israel, hörte man in den ersten Jahren von unserem Verein Manche sagen: „was wird uns der helfen?'." Wir säeten in der That mit Thränen, mit recht schwachen, trüben Aussichten auf Erfolg. Aber das schwache Knäblein, der Verein, ist nun zum kampfpflichtigen und tüchtigen Jüngling erstarkt, er steht fest und sicher und ist ein Stützer und Helfer geworden mancher armen und hilfsbedürftigen Wittwe und Waise des Lehrer- und Vorsängerstandes in Württemberg. Die mit Thränen säeten, ernten nun mit Jubel. Wir müssen es mit großem Danke anerkennen, das; dieses günstige Resultat hauptsächlich der Sympathie zu verdanken ist, welche der Verein bei den israelitischen Gemeinden und Privaten gefunden hat, sowie, daß nun sämmtliche israelitische Lehrer und Vorsänger, selbst die jüngsten, dem Verein beigetreten sind und (mit geringer Ausnahme) für ihn eine ersprießliche Thätigkeit entfalten. Auch sind wir so glücklich, uns nicht nur stets reichlicher, huldvoller Gaben Ihrer Majestäten des Königs und der Königin, sondern auch noch des Allergnädigsten Ausdrucks des Allerhöchsten Wohlgefallens Sr. Majestät des Königs an der Wirksamkeit des Vereins zu erfreuen, was allen denen, die wir zu unfern Gönnern zählen dürfen, zu großer Freude und weiterem Antriebe dient, unserem Verein ferner anzuhängen und für ihn thätig zu sein. Auch im verflossenen Jahre, obgleich die Privatwohlthätigkeit so vielfach von den verschiedensten Seiten in Anspruch genommen worden ist, vergaßen unsere Freunde doch unsern Verein nicht, und bringen wir ihnen, vor allen; aber unserem in Ehrfurcht geliebten Königshause, den Tribut 1 tiefsten Dankes dar." Der Verein hatte an Einnahme i 1016 Mark Kapitalzinsen, 1360 Mark Spenden und Bei-

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