Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1883)
- Date
- 1883-01-09
- Page
- Seite 22 (sequence 6)
- Language
- German
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22 will vielmehr, wenigstens für die nächsten Zeiten, die ganze Angelegenheit verlassen wissen, und zwar, weil er meint, daß solche Massenansammlungen von Emigranten nicht befördert werden müßten. Gewiß hat er hierin Recht; aber es steht dem nur entgegen, daß nicht die Komitös die Maffenansammlung der verflossenen zwei Jahre hervorgerufen haben, sondern vielmehr die unter den damaligen Umständen von selbst stattgefundene Anstauung der Flüchtlinge das Bilden Beförderung der Emigration, wie sie sich zukünftig gestalten wird, ermöglicht werde. Warum sollte nicht ein desfallsiger Verein hergestellt werden, der sich die Sammlung, wenn auch vorerst nur kleiner Beiträge aus allen Gemeinden zum Zwecke macht, um so die Mittel zu gewinnen für den gewöhnlichen und etwaigen außerordentlichen Gang der Emigration? Daß diese Mittel mit der Zeit ihre Verwendung in nützlicher und erfolgreicher Weise finden werden, ist un* von Komitös hervorgerusen und zur Nothwendigkeit gemacht! zweifelhaft. Zu gleicher Zeit würden dadurch die Ersahhatte. Fand eine solche Ansammlung doch nicht blos in Brody, sondern, wenn auch in geringeren! Maße, in Czernowitz, Memel und a. O. statt. Würde, wovor uns Gott bewahre, eine solche Katastrophe abermals cintreten, so würden dieselben Erscheinungen eintreffen. Abgesehen von solchen rungen, die gemacht worden sind, nicht alsbald wieder verloren gehen, sondern sich innerhalb des Vereins tradiren. Wir meinen, daß ein Werk, welches durch eine große Bedrängniß ins Leben gerufen worden, nicht, nachdem eine scheinbare Ruhepause eingetreten, wieder aufgegeben und gleich unheilvollen Fällen, für welche jedoch immerhin eine gewiffe j nach einer aufregenden Anstrengung alsbald träger Indolenz Bereitschaft vorhanden sein müßte, um nicht abermals wieder! anheimgegeben werden dürfte, so in die Irre zu gerathen, wie im ersten Jahre der traurigen Bewegung, abgesehen hiervon ist es eine Wahrnehmung, die sich nicht verbergen läßt und welche erst wieder in der Korrespondenz aus Petersburg in Nr. 1 d. Bl. dargelegt wird, daß unter den Maßregeln und immer drückenderen Beschränkungen , denen die Juden in Rußland unterworfen werden, die Emigration die einzige Hülfe ist, die den unglücklichen Glaubensgenoffen in Rußland und Rumänien geboten ist. Die neuesten Maßregeln der ruffischen Regierung drängen die Juden wieder immer mehr aus dem Innern Rußlands und von den russischen Grenzdistrikten in die ihnen zur Wohnstätte angewiesenen Provinzen zurück. Die jüdische Sevölkerung in Ungarn. Es wird die Leser dieses Blattes intereffiren, einige Daten über die Zahl und die Bertheilung der jüdischen Bevölkerung in Ungarn zu erfahren, da ja dieses Land in der letzten Zeit die Aufmerksamkeit der jüdischen Welt in so trauriger Weise auf sich gelenkt hat. Wir benutzen zu den folgenden Zusammenstellungen die Resultate der Zählung vom 31. Dezember 1880, die, begleitet von einer Reihe statistischer Kärtchen von Ungarn von Ignaz Hatsek, in dem Dezember- Heft der „Petermann's Mittheilungen aus I. Perthes' Geoso daß sich in diesen die Massen in erschreckender Weise graphischer Anstalt" veröffentlicht sind. Die Länder der wieder zusammenhäufen und Roth und Elend in gesteigertem - Ungarischen Krone besitzen eine Einwohnerzahl von 1 »,642,002 Grade unter ihnen verbreitet werden. Hiergegen ist das! Seelen, darunter 638,257 Juden, also 4,07"/Die jüdische einzige Auskunftsmittel die Emigration, welche zwar die Anj Bevölkerung vertheilt sich aber in höchst ungleichmäßiger Häufung an den Wohnorten nur wenig herabzumindern ver- Weise auf die verschiedenen Landestheile. So kommen auf mag, aber doch alle diejenigen rettet, denen sie gelingt, das eigentliche Ungarn allein 503,687 Juden (5,1% der Dabei läßt sich bemerken, daß durch die Repatriirung einer ziemlichen Anzahl Flüchtlinge der Auswanderungseifer sich ziemlich abgekühlt haben wird, und zwar bei allen denjenigen, welche nicht die Kraft und Befähigung in sich fühlen, auch in den Westländern ihr Brod erwerben zu können, daß aber im Gegentheil die guten Nachrichten, die von zahlreichen Emigranten in der Heimath einlaufen, daß sie dies- und jenseits des Ozeans ihr Fortkommen gefunden haben, an vielen Orten arbeitsfähige Menschen zur Auswanderung anfenern werden. Durch die Strömung beider Momente gegen einander wird die Emigration gewissermaßen in ein regelmäßiges Bett geleitet, und daß diese mit aller Kraft zu unterstützen sei, braucht man nicht weiter auseinander zu setzen. Wir halten hiernach die Forderung aufrecht, daß die Hülfskomitvs sich nicht auflösen dürften, ohne eine gewiffe Organisation zu hinterlaffen, durch welche eine Leitung und Gesammtbevölkerung), dagegen auf Siebenbürgen nur 29,993 (l,4°/o), die Freistadt Fiume 89 (0,4°/o), Kroaticn-Slavonien 11,100 (0,9°/0), Militärgrenze 2,388 (0,3°/0). Bon den Siebenbürgischen Comitaten haben nur zwei eine relativ starke jüdische Bevölkerung, und zwar die beiden nördlichsten Szolnok-Doboka 3,8°,o, Bistritz Naszod 3,1° 0. Auch im eigentlichen Ungarn wohnen die Israeliten in höchst ungleichmäßiger Bertheilung. Wenn wir von dem Comitat Pest-Pilis-Solt absehen, das ja durch den Besitz der Landes-Hauptstadt Budapest, dem Mittelpunkte des Handels, der Industrie und der Bildung, eine Ausnahmestellung einnimmt, in dem infolge dessen 92,201 Juden (unter 987,620, also 9.3«/«) wohnen, so konzentrirt sich die jüdische Bevölkerung hauptsächlich in den Komitaten an der Grenze Ost-Galiziens, also im karpathischen Waldgebirge und dessen Vorländern. In den Komitaten Zemplin, Ung, Bereg (13,5«/«), Marmaros(14,7«/o),