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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-10-23 · Heft 127 (23.10.1838) · p. Seite 513

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 127 (23.10.1838)
Date
1838-10-23
Page
Seite 513 (sequence 3)
Language
German
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513 bcnsodem wehte ihm daher jetzt die biedere, kräftige Gesinnung des Syrers und Juden entgegen. Wir waren nie feindselig, Mithradates, sagte er, jetzt sind wir Freunde. Und auch wir, Antipater, es soll uns nicht trennen, daß Pompejus, Dich einst zu seinen Freunden zählte. Ich will an jene Zeiten denken, wo auch ich in diesen Kreis gehörte. Noch nimmer habe ich Pflichttreue mit Feindseligkeit verwechselt. Zähl't in allen Lagen des Lebens auf mich als Euren Freund. Eure Gesinnung edelt Euch mehr, als wäret Ihr aus königlichem Stamme entsprossen. Er schüttelte Beiden treulich die Rechte, und nicht ohne Verwunderung schaute mancher römische Ritter auf Antipater, dessen Volk in Rom nicht sonderlich geachtet war. Man erwartete von einem so unbedeutenden Völkchen am wenigsten Tapferkeit, und doch konnte sich Niemand verhehlen, daß der jüdische Feldherr einen höchst günstigen Eindruck auf die Umstehenden machte. Seine acht kriegerische Haltung, die Kraft in seinen Bewegungen, das männlich schöne Antlitz, die geschmackvolle Waffenrüstung mußte auch einem parlheiisch Gesinnten Wohlgefallen abgewinnen. Casars Freundlichkeit gegen ihn zu tadeln, vermochte Niemand. Ptolemaus, als er keinen Zweifel kn Casars Ankunft mehr setzen konnte, verschanzte sich zwischen Alexandria und dem feindlichen Heere in einer sehr vortheilhaften Stellung. Dennoch zauderte Cäsar keinen Augenblick, seinen Marsch nach der Hauptstadt anzutreten. Er machte am nächsten Morgen Anstalt über den Strom zu setzen, und den König aus seiner Stellung zu vertreiben, oder an ihm vorüberzuzieh'n. Allein ein heftigerer Widerstand, als zu vermuthen war, wurde hier dem Römer entgegengesetzt. Jeder bequeme Landungsplatz war befestigt, das ganze Ufer mit Schleuderern und Bogenschützen bedeckt, gegen deren Geschosse keine Tapferkeit und kein Muth anzuwenden stand. Die Römer blickten voll Unmuth auf das trennende Element, und schüttelten ungeduldig die Waffen, welche sie nicht gebrauchen konnten. Vorzüglich dem Ungestüm der deutschen Reiterei war eine solche Art zu kämpfen widerwärtig, und kaum hatten sie Casars Erlaubniß, als sie sich mit ihren Pferden in die Wellen des Nils stürzten, und sich Angesichts der Feinde den llebergang erzwangen. Jetzt schlugen auch die Legionen eine Brücke über den Strom, und bald stand das ganze römische Heer jenseit des Fluffes. Die flüchtigen Aegypter wurden fast Alle niedergehauen, noch ehe sie das königliche Lager erreichten. Nach dieser ersten glücklichen Waffenthat gegen den König, folgten bald mehrere. Am folgenden Tage ward ein Kastell erstürmt, welches die Verbindung zwischen dem Lager und der Stadt unterhalten hatte, und als nun ein Kampf mit den Fernwaffen begann, und die Mannschaft im Lager sich nach einer Seite hinzog, da beschloß Cäsar auch den Angriff gegen den König. Während die schwächste Seite des Lagers heftig angegriffen wurde, blieb die obere, von der Natur ziemlich geschützte Seite unvertheidigt, und hier mußte der Römer Carfulenus mit leichtem römischen Fußvolk und den ebenfalls leichtgerüsteten jüdischen Hilfstruppen hinanklimmen. Das Unternehmen gelang; 'erst nachdem sich die römischen Reihen mitten im Lager geordnet hatten, wurden sie erkannt, und nun war auch an keinen Widerstand mehr zu denken. Alles löste sich in wilder Flucht auf, und da von beiden Seiten der Angriff geschah, erfolgte ein furchtbares Blutbad. Der König entrann, aber nur dem Lager und dem Schwerdte der Römer; nicht dem Tode. Man fand ihn am nächsten Tage leblos in den Wellen des Nites. Cäsar dagegen zog als Sieger in die Stadt ein, welche sich rühmen konnte, nach Rom die erste Stadt der Erde zu sein, und daher ungern den Nacken einem fremden Joche beugte. Der Schrecken seiner Waffen beugte den, bis dahin noch nie gebeugten Sinn der stolzen Alexandriner. II. Nach der Einnahme Atcxandria's folgte eine Zeit, welche unter dem Schleier der Ruhe viel Bewegung und Krieg verbarg. Cäsar hatte genug mit den geheimen Factionen in der Hauptstadt Aegyptens zu kämpfen, ehe es ihm gelang, die Angelegenheit des Thrones zu ordnen, und Kleopatra, die Schwester und Gattin des gebliebenen Königs als Königin von Aegypten allgemein anerkannt zu sehen. Antipater dagegen hatte mit manchen Partheiungen in seinem Innern und bald auch mit öffentlichen, kühn austretenden Feinden zu kämpfen. Er selbst verbitterte sich die Ruhe nach vollbrachter Arbeit. Schon immer hatte sein Geist kühner emporgestrebt, als wot recht und billig war — wo Kraft ist, da ist auch Streben — und jetzt vollends steigerte er seine Ansprüche an das Schicksal bis zu einer gefährlichen Höhe. Er hatte aufs neue die Heldenkraft seines Armes erprobt, deutlicher als je war ihm die Uebertegenheit seines Geistes, sein Ta* lent zum Herrschen geworden, durch ihn feierten die Juden den höchsten Triumpf des Ruhmes, den angestammten Herrscher Roms errettet zu haben: konnte da in ihm der Gedanke nicht aufkeimen, daß er geboren fei, dieses Volk zu beherrschen? Könnte er nicht meinen, sogar ein gewisses

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