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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-10-23 · Heft 127 (23.10.1838) · p. Seite 514

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 127 (23.10.1838)
Date
1838-10-23
Page
Seite 514 (sequence 4)
Language
German
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5i4 Recht baju in Händen zu haben? — Zwar gab es einen König der Juden, allein nur dem Namen nach, denn Ln der Thal war es längst schon Antipater gewesen. Alle Lasten der Königswücde lagen seit Jahren auf seinen Schultern, und nur ihre Annehmlichkeiten entbehrte er. War es da so schlechthin zu tadeln, daß er wünschte, den Lohn zu der Arbeit zu fügen! — Außerdem stammte er aus Jdumaa, einer Provinz des jüdischen Reiches, die noch immer als eine halbfremde betrachtet wurde, und hatte darum geringere Pflichten gegen das jüdische Königshaus als jeder andere Jude. Wie, wenn er seine Land'sleute im engern Sinne zu dem herrschenden Stamme machte! — (3 ortsetzu ng folgt.) Literatur. Kleine Vücherschau. (Fortsetzung.) 22) ~~ w’s?. 2tc it'cit, oder die in n(l ihren Lhcilen uiiifoffende Leore der mosaisch - rabbinischen Theologie und einem noch n i ch r e r s ch i e n e n e n Lichte (!!) dargeftellt und nach deren vorzüglichsten Schriftstellern voriger Jahrhunderte bearbeitet und für die im Geiste der neuern Zeit berauegebildeten Israeliten als deutsche Staatsbürger unentbehrlich, so wie auch für Gelehrte, welche eine gründliche Kenntnis; dann auf eine faßliche Weise sich aneignen wollen, von bedeutendem Dillen fein wird, Herausgegeben von I sa a c S i in so n so h n, Privatgelehrrer. Dresden, 1837. Lange Küchenzettel und lange Büchertitel machen Effer und Leser mißtrauisch. Gemeinhin siehct man sich bei jenen, trotz der obligaten Bücklinge und ködernder Anpreisungen deS Marqueurö auf ein Mininmm, lief unter Hausmannskost, zurückgebracht. Und bei diesen kann tuan hinter dem breiten, pomphaften Aushängeschild, lange suchen, ehe man auf einen verständigen Gedanken/verständig ausgedrückt, stößt. Der Titel des vorliegenden Buches bat inzwischen das Gute, keinen Leser dtirch angeregte und getäuschte Erwartungen zu nwsiisiziren. In einer polnischen Kneipe — man erlaube nur in dem Bilde zu bleiben —, wo der Eingang schon mir seinem Schmutz und feinem unwirthlichcn Wust dem Wanderer cntgegenstarrt: da wird er kein Narrsein, und auf einen leckern .Schmaus rechnen. Ein stuchtigcr Ueberblick und einige Proben von des Verfassers Denk- und Ausdrucksweise werden unsere Leser überzeugen, daß dieses Buck eigentlich zu den unbeurtheilbaren gehören, und die Mühe des kurzen Besprechens könnte sich höchstens dadurch verlohnen., wenn cs die unberufenen Weinbauer vom Weinberge des Herrn abschrcckr; wenn es die Derrcn Simsonsohn und Geistesgenosten, zu der Erkennmiß brächte, daß die Zeit an den Priester jeglicher Wissenschaft, also auch der jüd. Theologie, Ansprüche stellt, die sie nimmer zu befriedigen die Macht haben. Eine Vorrede bat das Buch nicht. Es zerfällt in Abschnitte, deren jeder ein e Einleitung und in eh re re Abhandlung e n enthalt. Eine innere Nöwigung zeigt sich bei dieser Einkheilung nirgends. Es sind rein beliebige Facbwerke, in die der Verfasser hineinstopst, was ibm cben in den Wurf femmr. Der ijtc Abschnitt handelt von Gott und seiner „Regsnrscha ft über uns." Dem Verf. scheint also das Walten Gottes eine Art Provisorium. Auch gut! — In einem schwabblicken Gewäsch wird die erhabene Genesis heruntergezauft; verwässerte, flache Nutzanwendungen a!a Hübner werden eingeftreuet. Z. B. cS. 9.) „Auch lehrt sie" (die Gesetz. von Kain und Abel) „welch bedeutenden Einfluß die Sünden der Eltern auf ihre Kinder haben, daß sogar auch letztere kein Beispiel von der Strafe ersterer nehmen und ihr Verbrechen steigt zuweilen bis auf den höchsten Gipfel der Ungerechtigkelt." Es wird dann die Genealogie von Adam bis Noa — so verlangt eine tiefgelehrte Note ausdrücklich zu schreiben und zu sprechen — herabgefühlt. Bei Enosch angelangt wird der Ursprung des Götzenlhums nachgewiesen. MaimonideS Ansicht, stark mit SimsonsohnismuS verseht, wird adoptirt. Nach der Sündflulh werden dem Noah, die sieben sogenannten Noahidischen Gebote gegeben. In einer Note S. 13. beweiset der Verf., daß er von Allegoria und Mystik sehr verworrene Vorstellungen hat. Dann gehts weiter herab zu Abr., wo die midraschische Legende der 10 Versuchungen zum Besten gegeben wird. Ist man dem Verf. über einen wahrhaften Knüppeldamm knorriger Phrasen, struppiger Epitheta keuchend gefelgt: so gelangt man endlich lesensmüde an den Berg Sinai und schöpft Athem am Ende der Isten Einrheilnng. Wer eine Vorstellung von des Verf. Weise, die religiösen Symbole zu erklären, haben will, der lese S. 21 über die Beschneidung. In der Isten Abhandlung wird viel Rhetorik in des Verf. Weise verbraucht, um den ersten Spruch des DekalogS unter einen Wust von Schwulst, Tautologien, verballhornten Schriftstellcr zu erdrücken. — In der 2ren Abhandlung giebt er unö Beweise vom Dasein Gottes. Es sind hier vier: a) „der vom Dasein hergeleiteten;" b) „der weltliche;" c) „der naturzweckmäßige," ü) „der moralische." Wir lagen unS nicht weiter darauf ein; wünschen aber unserm Todtfeind nicht, wenn er seinen Gott verloren har, sich aus diesen Beweise einen zu suchen. — Der zweite Abschnitt hat zum Motto: (Kohel. 12, 1.) „Gedenke deines Schöpfers zur Zeit deiner Standhaftigkeit (tjnvnnn?)'' die endlosen Salbadereien über „Vernunftreligion^ '„welche die beseligende Ahndung deö vernünftigen Menschen erheischt" ist eine gute Entwickelung der Definition eines Freundes: Vernunftreligion ist ein Ding, daö weder Vernunft, noch Religion ist. Hätte cs der Verf. nicht darauf angelegt, uns in jeder Zeile an das nil admirari zu gewöhnen; so müßte eS uns wundern, vor dem 3ren Abschnitt einen Ausspruch Spinoza's als Motto zu finden. Den eifrigsten Bekämpfet der geoffenbarten Religion und der Tradition als Gewährsmann in einem Buche, waö sich die Begründung beider zur Aufgabe gestellt! Es muß nunmehr den Leser ganz in der Ordnung dünken, wenn er z. B. am Schlüsse des dritten Abschnittes liefet: „Nur denjenigen schwachen Geistern, denen ihre Blindheit nicht gestattet, nicht erlaubt, daö wahre Sonnenlicht zu schauen, dem gebietet ein göttliches Gesetz die Ehrfurcht Gottes bei Strafe des ewigen Verlustes ihrer anschaulichen Glückseligkeit. Nur lassen sich Kinder, noch nicht in'S wahre Leben getretene Menschen, durch Bedrohungen auf den Weg des Rechtes leiten; nur lassen sich umwötkre beschränkte Geister durch Seelenangst und Aufregung ihrer Gewissen zu dem Pfade ihres Glückes lenken." Oder S. 89.: „Das glorreichste Gebet ist, daß das Mitleiden gegen jedes Geschöpf und besonders gegen unsere Nebenmenschen in einem sehr hohen Grade zu fühlen und nach allen möglichen Kräften zu beherzigen sei." Ist die Virtuosität in Unsinn höher zu treiben! Man weiß wahrhaftig nicht, soll man sich über die Arroganz ärgern, die ein solches i!"in als eine neue Schöpfung ausposaunt; oder die Vornirrheit bemitleiden, der ihr verkümmertes Lichtstümpchen als eine Alles erleuchtende Sonne erscheint. Am. Redaclcur: Dr, L. Phttippsorr. — Verlag von BauNgarluerS BuchharrdLursg. — Druck von I. B. HirfÄf-.'Ld.

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