Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 127 (23.10.1838)
- Date
- 1838-10-23
- Page
- Seite 512 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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die da glauben möchten, im Iudenthum stände das Gebot der Kindespflicht, oder das Verbot des Diebstahls wirklich auf gleicher Linie mit den Geboten des Zwickens und des Lulabschüttelns, und es gebe für uns zur Beruhigung unsres Gewissens, wirklich keine Freiheit weiter, als die Wahl zwischen einem langen Bart, und dem Austritt aus dem Zudenthum. In einer Nachschrift desavouirt Herr Hirsch, die in No. 111. dieser Zeitung gegebene Nachricht, als stände er an der Spitze eines Vereins von Gelehrten seiner Ansicht, oder als stände er oder seine Broschüre in Beziehungen zu einem solchen Vereine. London, 1. Oktober. Den 28. hatSic Moses Montesi'ore und sein College einen glanzenden Abschiedsschmaus als Ober-Sheriff gegeben. Copenhagen, 4. Oktober. (Privatmitth.) Die in No. 121 ausgesprochene Hoffnung, daß die Wählbarkeit der Mosaischen Glaubensgenossen zur Ständeversammlung auch bei der hiesigen in Antrag gestellt werden wird, ist in Erfüllung gegangen. Doch nicht, wie wir glaubten, von Algreen Ussing, sondern vom Kammerrath Drevsen, ist die Proposition ausgegangen. Belletristik. Abeudroth. Eine Reihe romantisch-historischer Skizzen von Friedrich Waldemar (Dr. Fricke in Göttingen). I. Antipater. (Fortsetzung.) Voll Freude vernahm Julius Cäsar die Kunde, aber auch mit Besorgnis, denn zugleich brachte er in Erfahrung, daß Ptolemäus gerade jetzt mit seiner Hauptmacht in Person ausziehe, um die anrückenden Hilfstruppen völlig zu vernichten, ehe sie sich mit dem Oberanführer vereinigen könnten. Nur in einem schnellen Entschlüsse lag Rettung. Cäsar besetzte die Berschanzungen in der Stadt mit der nöthigen Mannschaft, rückte in Eilmärschen mit zwei seiner tapfer» Legionen und der deutschen Reiterei aus Alexandria und erreichte, — den Aegyptern fast unglaublich — das syrische Lager noch vor Ptolemäus Ankunft. Der König hatte getrotzt auf die Menge seiner Schiffe, welche das eigene Heer auf dem kürzesten Wege nach dem Orte der Bestimmung brachten, den Feind hingegen drohend auf den Landweg hinwies, der um ein Beträchtliches länger und beschwerlicher war. Aber er kannte Casars Feuergeist nicht, welcher kühner als Andere, .über den Raum hinstürmte, und seine Schnelle auch einem ganzen Heere mitzutheilen vermochte. Casar war Feldherr in vollem Sinne des Wortes, und solcher Feldherr ist gleich dem Sturmwind, welcher rastlosen Fluges Alles mit sich fortreißt und das Entgegenstehende zu Boden wirft. Ein wildes Jauchzen und Jubclgeschrei wälzte sich in immer wiedcrkehrcnden Brandungen durch das ganze Lager, als der hochgcfeierte, lorbeergckrönte Feldherr durch das Lager ritt. Jeder Krieger fühlte doppelte Kraft durch seine Glicver strömen, sobald er nur einmal in das edle, zuversichtliche Antlitz Casars geblickt hatte. In diesem Augenblicke schien es Keinem mehr wunderbar, daß der einzelne Mann den Erdkreis hatte überwinden können. Aber fast niederdrückend war das Gefühl in der Syrer und Juden Brust, daß sie, die Schwachen, dem Kciegsgolte Rettung bringen mußten, daß er ohne ihren Arm dennoch wol eine Beute des Schicksals geworden wäre. Noch am Abend versammelte Cäsar die Feldherren des Hilfsheeres um sich, hörte den Bericht der bestandenen Kämpfe und.Märsche, und lobte Aller Tapferkeit und Ausdauer. Als er sich aber mit seinem Danke vorzugsweise an Mithradatcs wandte, lehnte dieser den Dank bescheiden ab, und führte Antipater aus dem glänzenden Kreise der Feldoberstcn hervor. Nützt Dir wirklich unsere schwache Hilfe, Cäsar, sprach er, so wende deine Gerechtigkeit zu diesem Manne. Ihm danken wir das Glück, dein Antlitz, großer Imperator, zu schauen; er ist unser Schutzgeist aus dem gefahrvollen Auge gewesen, er war im Rath der Beste und im Kampf der Tapferste, ihm gebührte des Anführers Namen, den mir deine Güte verliehen hat. Ich muß mich schämen, dein Vertrauen nicht besser gerechtfertigt zu haben, allein am guten Willen gebrach es nicht, davon sind Alle Zeugen, und daß ihm höhere Kraft verliehen ward, darüber müßte ich mit den Göttern rechten. Imperator, sagte der jüdische Feldherr dagegen, zu hoch erhebt Mithradates meine geringen Verdienste. Wir haben rreu zusammengestanden, wie es Männern geziemt, und der Gott meiner Väter hat wohlgefällig auf mich herabgeblickt. Das . hätte Mithradates dir berichten sollen, wollte er nicht gütiger als gerecht sprechen. Der milde Sonnenschein des Wohlgefallens und der Freude zog sich über Cäsars Züge. Unmuth hatte ihn in den stolzen Mauern Alexandria's niedergedrückt, der Alexandriner eigensüchtige, niedrige Gesinnung ihn tief verwundet, und keine mannhafte That ihn dafür entschädigt. Wie Le-