Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1883)
- Date
- 1883-01-02
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
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13 fürchtete, der Jude habe eine tückische Nebenabsicht und wolle vollzogen werde. Die nöthigen Instrumente sollten für ihn mit seinem Heilmittel zugleich der Kirche in ihrem Obersofort zur Stelle geschafft und für ein Paar gesunde Kinder Haupte einen empfindlichen Schlag versetzen. Denn was oder Jünglinge gesorgt werden, welche gegen eine hohe Entsollte Europa, was sollte die ganze Menschheit dazu sagen, schädigung die immerhin lebensgefährliche Entziehung des wenn das Leben des Papstes gleichsam durch ein Menschen- Blutes mit sich vornehmen lassen wollten, vpfer gerettet wurde'. War dies nicht eine direkte Berleug- Der jüdische Arzt war damit zufrieden und begann sonung. aller christlichen Gesinnungen? Und selbst wenn die fort und mit Eifer alle Vorbereitungen zu dem wichtigen Entziehung des Blutes nicht tödtlich war und sich Eltern Vornehmen zu treffen. Als wären sie inzwischen mit ihm finden sollten, welche ihre Kinder zu diesem Zwecke gegen versöhnt worden, stellten sich die übrigen Aerzte zu seiner reichliche Entschädigung Hingaben, die Thatsache, daß der Verfügung, ordneten und reinigten die herbeigeschafften Papst seine Rettung einem Unternehmen verdankte, bei Instrumente und gingen ihm in jeder Hinsicht bereitwillig welchem ein Menschenleben in Gefahr kam, wurde dadurch zur Hand. nicht geändert. Endlich trat ein Diener ein und flüsterte dem Juden Jnnocen; selbst fühlte dies, aber der Wunsch nach Ge. in das Ohr, daß die beiden Kinder, welche bei der Operation nesung war zu lebhaft in ihm, um den Vorschlag sofort zuverwendet werden sollten, in einem anstoßenden Gemache rückzuweifen. Um jedoch dem Juden gegenüber wenigstens seiner harrten. den Schein seiner Pflicht als erster Hüter der christlichen Noch ganz im Eifer der Anordnungen, legte ^jem die Gebote zu wahren, fragte er diesen, ob für diejenigen Menschen, Instrumente aus der Hand, wischte seine Finger mit einem durch deren Blut seine gesunkenen Kräfte gehoben werden reinen Tuche ab und ging heiteren Muthes auf das Nebensollten, eine Lebensgefahr im Spiele sei. Isaak gab darauf gemach zu, um jene Kinder mit einem prüfenden Blicke zu die feste Zusicherung, dies sei nicht der Fall, und bei einigerbetrachten. maßen sorgfältigem Verfahren könne er die Garantie über-! Aber fast wäre er an der Schwelle ohnmächtig vor nehmen, daß Seine Heiligkeit wieder hergestellt werde, ohne Schreck zusammengcsunken, denn er erblickte in jenem Zimmer, Schaden für die betreffenden Menschen, deren Blut als Heilvon den Kardinälcn, die mit ernsten drohenden Blicken jede mittel dienen werde. Diese Zusicherung beruhigte das letzte seiner Bewegungen beobachteten, umringt, seine eignen beiden Bedenken des Papstes und veranlagte ihn, den Befehl zu Knaben, welche man unter einem Vorwände von der Seite geben, man solle dem gelehrten Isaak Uem in allen Stücken der ängstlichen Mutter aus dem Hause im Ghetto weggeholt gehorchen, sofort für die Hcrbeischaffung der nöthigen In- und hierher gebracht hatte. strumente sorgen und Umschau halten nach gottergebenen Was sollte Isaak beginnen? Mit dem ersten Blicke er- Menschen, die bereit seien, ihr Blut für die Genesung des kannte er die furchtbare Schwierigkeit seiner Lage. Ver- Hauptes der Kirche zu opfern. zweifluugsvoll irrte sein Auge zu den Kardinälen, aber diese Die Kardinäle verfügten sich mit den übrigen Acrzten wußten von der Angst des Vaters ebensowenig, wie von in ein andres Gemach, um die Angelegenheit zu berathen. dem stilleu Glücke, welches der Frieden des Hauses gewährt. Tie verschiedensten Leidenschaften sprachen aus ihren Blicken, Einen Augenblick lang glaubte der Arzt einen Ausweg Mienen und Worten, und wenn auch keiner wagte, dem finden zu können und er stieß rasch die Worte hervor: ausgesprochenen Wunsche des Papstes sich zu widersctzeu, so „Wie sollte ich im stände sein, an meinen eignen Kindern waren sie doch wie auf Verabredung darin einig, daß der eine so gefährliche Operation vorzunehmen? Das ist voll- Jude ihren tiefsten Haß und jede erdenkliche Rache verdient ständig unmöglich." habe. Einer der anwesenden Aerzte kannte Aems Familien- Aber der Kardinal Orfini, der ein großer Judenfeind Verhältnisse, und auf eine Bemerkung von seiner Seite, verwar, entgegnete heftig: „Und doch wolltest du es wagen, einigten sich sämmtliche Kardinäle zu einem Plane, der Christenkinder dieser Gefahr auszusetzen? Du selbst hast den wenigstens dem verhaßten Juden als unvergeßlicher Denk- Vorschlag gemacht, welchen wir alle mißbilligen, trage nun zettel dienen und ihm reichlich die Angst und Aufregung auch die Folgen deiner Kühnheit. Nur auf diese Weise ist heimzahlen sollte, die er ihnen verursacht hatte. dir die Möglichkeit gegeben, das Verderben von dir und den Man begab sich wieder in das Zimmer des Kranken, Teinigen abzuhalten. Du hast keine Wahl mehr. Deinen und unter dem Vorwände, Isaaks Vorschlag müsse so geeignen Kindern gegenüber wirst du alle Vorsicht anwenden, heim und rasch wie möglich ausgeführt werden, damit nicht um ihr Leben zu schonen, und es kann weder für dich noch vorher der Unwille des Volkes erzeugt und dadurch ein für den heiligen Vater und seine Umgebung Unheil aus Hinderniß hervorgerufen werde, ordneten sie an, der Jude dieser Operation entstehen. Suche also keine Ausflüchte und solle im Vatikan bleiben, damit die Operation ohne Verzug gehe rasch ans Werk, wenn du nicht willst, daß die ganze