Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1883)
- Date
- 1883-01-02
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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10 tionsfrage der Emigranten, die noch auf Ward'Jsland in New-Iork find, ist in einer in New-Aork im Laufe des Moj uats Oktober von der Emigrant Aick-Lociety abgehaltenen! Versammlung ausführlich discutirt worden. Die Society hat vom General Burbridge aus Philadelj phia, Vertreter einer Gruppe dortiger Capitalisten, eine Offerte! von Fonds zur Organisirung einer 9 Meilen von Bineland! (4c. I.) gelegenen Colonie erhalten, wo fich bereits eine russische; Colonie befindet; diese Offerte ist unter sehr liberalen Bedingungen gemacht worden; die Society hat dieselbe sehr günstig ausgenommen und ihr Folge zu geben beschlossen. Der Präfident und die leitenden Mitglieder der Society haben sich in der That nach Bineland begeben und dort die mit dem General Burbridge eingeleiteten Verhandlungen beendigt. Die neue Colonie heißt Estelleville, fie wird 50 bis 75 Familien umfassen, von denen jede nach dem getroffenen Uebereinkommen ein Haus, 15 acres Land, die Ackerbaugeräthe, ein Pferd und Wagen und die übrigen nothwendigen Hausthiere erhalten soll. Eine Anzahl Familien ist bereits in der ersten Woche des Monats November von Wards Island und Bine-! land dorthin geschickt worden. — Das C -Comit6 hat ausgezeichnete Mittheilungen über eine andere in New-Jersey gegründete Ackerbaucolonie erhalten, die den Namen Alliance führt. Diese Colonie ist jetzt vollständig organisirt; die dort etablirten Emigranten berechtigen zu den besten Hoffnungen; es ist in dieser Colonie Alles eingerichtet, uu diejenigen Emigranten, die keine Ackerbauer sind, zu beschäftigen und den Kindern eine gute Erziehung zu geben. — Aus Baltimore schreibt man an das C.-Comittz: 14 Familien, aus 72 Personen bestehend, haben mit Unterstützung der israelitischen Bevölkerung von Baltimore in der Nähe von Middlesex (Ba.) eine Ackerbaucolonie gebildet. Besonders haben sich hierbei die Frauen von Baltimore und in erster Reihe die Damen Wiesenfeld und Rosenseld ausgezeichnet. Diese Emigranten machen jetzt einen ganz anderen Eindruck als bei ihrer Ankunft vor 6 Monaten; sie zeigen eine offenbare Zusriedenbeit und Entschlossenheit statt jener früheren Niedergeschlagenheit und Verzweiflung, welche auf die Amerikaner einen so schlechten Eindruck gemacht hatte. Sie sind voll von Muth, ihre Manieren, selbst ihre Kleidung haben sich geändert, und sie bestreben sich, nach und nach fich zu amerikanisiren. Die Hilfscomites und mehrere Privatpersonen haben die Ländereien, die Pferde, die Acker- und Arbeitsgeräthschaften gekauft, und Alles läßt hoffen, daß diese armen Leute bald keiner Hilfe mehr bedürfen werden. Bonn, 24. Dezbr. (Notizen.) Man schreibt uns aus Nordhausen: Am 14. Dezember c. feierte der erste Vorsteher der hies. Synagogen-Gemeinde, Herr Samuel Sonnenfeld, seinen 70. Geburtstag. Als ein Zeichen allgemeiner Verehrung und aufrichtigen Dankes für eine mehr als dreißigjährige aufopfernde, umsichtige und friedliebende Leitung der Gemeindeverwaltung wurde ihm als Geschenk seitens der Gemeinde nebst einer herzlichen Dankadresse eine Philippson- Dorösche Prachtbibel übersandt. — Wiener Blätter berichten: l Kürzlich starb hier vr. jur. Wilhelm Kämpf, Sohn des j rühmlichst bekannten Orientalisten Professor vr. Kämpf in j Prag. Der in jugendlichem Alter von einer acuten Nerven-! krankh eit dahingeraffte hoffnungsvolle Rechtsgelehrte war eine! auch in weiteren Kreisen bekannte und geschätzte Persönlichkeit.!— Man schreibt uns aus Hamburg: An Stelle des isr. jDr. Sänger ist Rabb. vr. Leimdörfer in Nordhausen zum Prediger der isr. Tempel gewählt worden. — Man schreibt uns aus Stuttgart: Ein ungewöhnlich großer Trauerzug bewegte sich gestern Nachmittag 2 Uhr zum Pragfriedhofe, israelitische Abth. Man bestattete daselbst den im Alter von 76 Jahren verstorbenen Gründer und Chef der weltbekannten Firma H. Neuburger und Sohn, Raphael Neuburger, den ersten Vertreter der württembergischen Weißwaaren-Jndustrie. Derselbe war in Buchau am Federsee geboren und hat das Geschäft so groß gemacht, daß Filialen in St. Gallen und New-Iork nöthig wurden. Dabei blieb er selbst ein bescheidener einfacher Mann, ohne sich nach außen hervorzuthun, für die Armen aber im Stillen wacker sorgend. — Ans Wien wird geschrieben: Gestern, d. 17. M. beging der Oberkantor der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, Herr Josef Goldstein sein fünsundzwanzigjähriges Jubiläum, ans welchem Anlasse ihm zahlreiche Ovationen gebracht wurden. Vermischtes. Bon«, 26. Dezbr. Soeben laust bei uns per Depesche die Trauerkunde vom plötzlichen Hinscheiden des Or. L andsjfcerg in Liegnitz ein, dieses verdienten Vertreters der! Alliance isr. univ., des unermüdlichen Beschützers seiner > bedrängten Brüder. Sein Andenken zum Segen!