Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1883)
- Date
- 1883-01-02
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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darin gipfelt, daß die Rabbiner vom Staate angestellt und der Talmud am ung. Landes-Rabbiner-Seminar nur in ungarischer Sprache gelehrt werde, wurde dem Unterrichts- Minister zugewiesen. — Heute beantwortete der Minister-Präsident die jüngst von einem Linken gestellte Interpellation wegen Entweihung einer reformirten Kirche dnrch einen Israeliten, die sactisch nicht vorgekommen war. Der bekannte Antrag Jranyrs auf Religionsfreiheit wurde wieder mit großer Majorität abgelehnt. Daß Zzalay, ein Linker, die Regierung ausforderte, den Talmud, über den, wie er hcrvorhob, Enthüllungen in die Oeffentlichkeit gedrungen-sind, welche geeignet wären, das Volk aufzuregen, ernstlich prüfen zu lassen, nimmt Niemand Wunder. Szalay ist ein intimer Freund Jstoczy's und wie er ein großer Judenfeind. Bei der gestrigen Schlußverhandlung des Preßburgcr Gerichtshofes über die Jnscenirung von Judenkrawallen in Hegysur wurden die vier Rädelsführer zu je 6, 3, 2 u. 1 Monat Gefängniß verurtheilt. Weder der Staatsanwalt noch die Verurtheilten meldeten die Berufung an. — Der Gerichtshof zu Nyiregyhaza hat nur einen Theil der Dadaer Leiche an die Sachverständigen in Pest abgeschickt. Unterdeß steht das gerichtliche Verfahren still und die Angeklagten — bleiben im Kerker. — Pest, 18. Dezbr. (Privatmitth.) Das Abgeordnetenhaus hat sich bis zum 10. Januar vertagt. Jndeß konnte es die Ferien nicht antreten, ohne daß vorher noch ein Stückchen Judenfrage abgespielt wurde, die jetzt zum täglichen Brode dieser Rednergesellschaften zu gehören scheint. Am gestrigen stand man in der Budgetberathung bei dem Titel „kirchliche Zwecke, Position 5000 fl. zur Unterstützung der jüdischen Kirche". Das war eine Gelegenheit, auf die Inden zu schimpfen, die sich der Theil der äußersten Linken, welcher auf Judenhaß spekulirt, nicht entgehen lassen durfte. So unbedeutend die Debatte war, so wollen wir doch darauf aufmerksam machen, daß zwei nicht unwichtige Momente zum Vorschein kamen. Zuerst die Spaltung dieser Partei, denn die Kosten der Diskussion wurden allein von zwei Rednern derselben getragen, die sich schnurstracks gegenüber stehen. Alsdann verrieth sich, was die eigentliche Ursache dieses Haffes sei, nämlich weil die Partei glaubt, daß die Juden sämmtlich auf Seilen der Regierungspartei ständen, und bei ihrem Einflüsse auf die Wahl wirkten. Allerdings hat das Benehmen dieser Partei diejenigen Juden von ihr abgestoßen, welche ihr früher anhingen, wie z. B. der Brief des Herrn Groß in Agram erweist, von dem wir früher berichteten. Also das Wort nahm Emerich Szalay. Er erklärt, daß er für diese Konfession nichts votirt, sondern vielmehr wünscht, daß die Toleranztaxe wieder eingeführt werde. (Heiterkeit.) Um sich von jedem Verdacht freizuhalten, erklärt Redner, das; ihn noch niemals in seinem Leben ein Jude betrogen habe. (Lebhafte Heiterkeit.) Und nun erging er sich in den gewöhnlichen Schmähungen und schloß: Aus der Blume der Freiheit haben die Juden nur das Gift und nicht den Honig gesogen. Was haben die Juden, seitdem die verfassungsmäßige Aera besteht, für Ungarns Freiheit gethan? Was haben sie dafür gethan, daß Ungarn ein unabhängiger Staat sei, für welchen die Partei des Redners kämpft? Wie haben sie sich gegen diese Partei benommen? Sie sind ein Werkzeug in den Händen der Regierungspartei, und wenn sie nicht wären, so hätte die Unabhängigkeilspartei schon längst die Regierungspartei hinweggefegt. Die Juden halten es immer mit der Macht, sie haben die Wirthshäuser in Händen, sie betreiben den Seelenschacher bei den Wahlen. Er votirt dieser Kirche keinen Kreuzer. Daniel Jranyi: Ich werde mich weder über den Antrag noch über die Ausführungen des Herrn Abgeordneten in eine Kritik einlassen. Die Gelegenheit dazu wird kommen, wenn die Tapolczaer Petition nach den Feiertagen zur Verhandlung kommt. Dann werden wir der Debatte nicht aus dem Wege gehen und werden seine Argumente würdigen und ermessen. Ich bitte daher das geehrte Haus, in eine eingehende Verhandlung über diesen Gegenstand sich jetzt nicht einzulaffen (Allgemeine Zustimmung), sondern über die Budgetpost durch die Abstimmung zu beschließen. (Zustimmung.) Ich nehme die Post meinerseits an. (Zustimmung.) Minister-Präsident Tißa: Auch ich behalte mir vor, meine Ansichten bei einer anderen Gelegenheit zu entwickeln und indem ich mich den Ausführungen des Abgeordneten Jranyi anschließe, bitte ich auch meinerseits, ohne weitere Debatte diese Post zu bewilligen. (Lebhafte Zustimmung.) Die Post wird hierauf votirt. (Nur wenige Abgeordnete auf der äußersten Linken blieben bei der Abstimmung sitzen.) — Aus Oedenburg, 15. d. M., wird gemeldet: In den Morgenstunden des heutigen Tages traf in unserer Stadt eine Deputation aus Szt.-Miklos ein, welche dem Herrn Vizegespan die Meldung brachte, daß die Juden im benannten Orte seit längerer Zeit allnächtlich beunruhigt werden. Beinahe Allen wurden wiederholt die Fenster eingeworfen, an einem Juden vergriffen sich die Ruhestörer thätlich, indem sie ihm im vollsten Sinne des Wortes die Rippen brachen. Einer der dortigen Gastwirthe wurde als Unruhestister und 12 bis 15 Burschen als Thäter bezeichnet. Vizegespan v. Simon begab sich sofort nach Szt.-Miklos, um den Thatbestanv zu erheben und die nöthigen Verfügungen zur Herstellung der Ruhe zu treffen. — Der Preßprozeß wider „Egyenlös6g" unterbleibt. Untersuchungsrichter Vary hat nämlich an das Justizministe-