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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-01-02 · Heft 1 (2.1.1883) · p. Seite 5

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 1 (2.1.1883)
Date
1883-01-02
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 <^yyicic Deutschland. Berlin, 31. Dezbr. (Privatmitth.) Wir dürfen es wohl mit Befriedigung hervorheben, daß trotz des abstoßenden Benehmens, dem hier jüdische Persönlichkeiten, selbst solche von entschiedener Bedeutung, gegenwärtig begegnen, diese dennoch unentwegt fortfahren, dem Gemeinwesen Dienste zu leisten, wo sie es nur vermögen und sich die Gelegenheit ihnen darbietet. So wurde am 17. d. Prof. Lazarus berufen, bei der weihevollen Feier, welche dem Gedächtniß der verstorbenen Leiterin des Bictoria-Lyceums, Miß Archer, veranstaltet ward (im Saale der Singakademie), die Rede zu halten. Der Feier wohnte die gesammte Kronprinzliche Familie, der Kultusminister von Goßler, viele andere hochgestellte Personen und Profesioren bei. Die tief ergreifende Rede, welche das Leben und die Verdienste der Verewigten, von den höchsten Standpunkten der Humanität und der sozialen Wirksamkeit in beredter Weise schilderte, fesielte die Zuhörer und fand den wärmsten Anklang. — Zum Besten des Stipendienfonds der Hochschule für die Wiffenschast des Judenthums werden auch im neuen Jahre Vorträge gehalten werden und zwar von den Herren Prof. Dr. Steinthal, Dr. D. Cassel, Dr. Lewy, Di-, Frankl, Prof. Dr. Lazarus und K. E. Franzos. Altona, im Dezbr. (Privatmitth.) Die Synagoge der portugiesisch-jüdischen Gemeinde iy Altona, welche in Folge der allzu geringen Anzahl von Gemeindemitgliedern eingehen sollte, bleibt laut jüngstem Gemeindebeschluß dennoch bestehen. Zu Ostern soll ein neuer Chasan angestellt werden. AscherLlcben, 14. Dezbr. (Privatmitth.) Wie zeitgemäß es ist, daß Sie in Ihren neuesten Leitartikeln auch von Jesaias 52, 13. und 53 das richtige Berständniß zu verbreiten suchen, beweist u. A. Folgendes: Das Wappen der „Deutschen Fleischer-Zeitung" trägt als Wahrzeichen ein Lamm mit der Fahne, lieber die Ursache, daß dieses Symbol gewählt ist, hatte man den Herrn Dr. Paulus Cassel in Berlin um Auskunft gebeten und theilte nun dieser Herr folgendes mit: ... „Die Darstellung eines Lammes mit der Fahne ist eine uralte; sie stellt den Sieg nach der Auferstehung dar. Aber daß es auf das Siegel der Fleischer-Innung gekommen ist, hat noch einen andern Grund. Die Fleischer find die Inhaber der Schlachtbank (Jesaias 53); wo der Prophet die Kreuzigung Christi vorhersagt, heißt es: „Es thut seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird." Ihre (der Fleischer) Aufgabe ist gleichsam eine Erinnerung an das Lamm, von dem es im uralten Liede heißt: Lamm Gottes" u. s. w. — Abgesehen davon, daß die Schlachter vermöge ihres „ blutigen Handwerks" gewöhnlich nichts weniger als „lammfromm" zu nennen sind, so mußte doch Herr Dr. Paulus Cassel wißen, daß das Lamm Gottes nur Israel sein könne, von dem der Prophet (Jeremias 50, 17) ausdrücklich sagt: „Israel ist ein hin und her gejagtes Lamm, welches Löwen verscheucht haben," und viele andere Stellen lehren dasselbe. Herrn Prof. Dr. Paulus Cassel muß man sagen, daß er mit seiner Bibel-Erklärung nicht mehr Glück macht, als er einmal mit seinem Bortrage in Wolfenbüttel über „Rom und Jerusalem" gehabt, wo die gebildeten Zuhörer, namentlich die Herren Consistorialräthe, etwas Gediegeneres von ihm zu hören hofften, als in hohlen Phrasen sich zu ergehen und leeres Stroh zu dreschen. Japhet. Meiningen, 22. Dezbr. (Privatmitth.) Die neue Synagoge in Meiningen ist soweit fertig, daß sie in nächster Zeit eingeweiht werden kann. Der stattliche, ganz massive Bau am Westende der Stadt, mit seiner nördlichen Front nach der neuen Straße zugekehrt, ist im maurischen Geschmack vom Maurermeister Heß nach dem Plane des Landbaumeister Abesser hier erbaut. Das schmuckreiche, sehr solide Innere des Gotteshauses macht einen imposanten Eindruck. Die neue Orgel mit 18 klingenden Stimmen wurde von Schlimmbach und Sohn in Würzburg gefertigt und kostet 5 — 6000 Mark, die gesammten Baukosten betragen ca. 80000 Mark. Die Synagoge, von Außen und Innen gediegen und schön ausgeführt, dient der Stadt zum Schmuck. Metz, 15. Dezbr. Am 12. fand hier ein seltenes Fest statt: Der Präsident des israelitischen Consistoriums von Lothringen, Herr L. Morhange feierte seine goldene Hochzeit und zugleich das 60. Jahr seines Eintritts in das Consistorium. Sclstverständlich nahm die ganze Gemeinde den innigsten Antheil an diesem Feste und verehrte ihm als Zeichen der Anerkennung zwei schöne bronzene Statuetten, Rebecka und Ruth darstellend, auf deren Piedestal passende Inschriften angebrachr sind. Deputationen verschiedener Vereine brachten dem Jubelpaare ihre Huldigungen dar, an ihrer Spitze der Großrabbiner Bigart, der in beredten Worten das Leben und die Verdienste des Gefeierten schilderte. Stuttgart, 15. Dezbr. (Privatmitth.) Die hiesige Strafkammer verhandelte heute eine Beleidigung antisemitischer Natur gegen den „Wollenwolf", d. h. den Hutmacher Wolss, der die bekannten Prof. Jägerschen „Normalhüte" in den Handel brachte. Wolss bestellte vergangenes Frühjahr bei den Strohutfabrikanten, Moriz und Luis Mey in Frankfurt am Main eine Partie Strohhüte. Wohl in Folge des schlechten Sommers refusirte Wolss seine Bestellung. In einer Postkarte schrieb Wolss nun, er sei Mitglied der verkrachten Bolksbank und die Absender würden im eigenen Interesse i gut thun, die Waare zurückzunehmen. Die fragliche Firma

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