Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1883)
- Date
- 1883-01-02
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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4 können. Daß wir aber auch ohne die Tosifta an manchen Stellen die einzelnen Mischnajoth nicht verstehen, darüber werden wir durch die Zusätze zu 5, 6 und 7, 6 zur Genüge belehrt. Daß die einzelnen Theile der jetzigen Tofista ehemals Mischnajoth R. Meir's waren, dafür haben wir wieder in den Alineas HI, 11. VIII, 1 2 und XI, 14b als deren p"n in den Boraithoth p. 48a, p. 62 a und p. 96b R. Meir genannt wird, weitere unwiderlegbare Beweise gefunden. Als Resultat der ganzen Untersuchung hat sich uns also auch hier die Thalsache ergeben, daß die Tosifta zum weitaus größten Theil aus ehemaligen Mischnajoth besteht, die R. Jehuda hanasi aus der Sammlung R. Meir's entweder ganz ausgeschieden oder in veränderter Form in seine Mischna ausgenommen hat." Wir können nur wünschen, daß der Bers. seine Forschungen mit demselben Erfolge fortsetze. Das Ziel ist noch weit und der Weg schwierig. — The Hebrew Student’s Commentary on Zeehariah, Hebrew and LXX. With excursus on Svllable-dividing, Metheg, initial Dagesh, and Siman Kapheh. By W. H. Lowe, M. A., Hebrew Lectnrer at Christ’s College. London, Macmillan and Co. 1882. Der Titel besagt, daß diese Arbeit namentlich für die studierende Jugend bestimmt ist, und hiernach ist die Auslegung vorzugsweise grammatikalischer und lexikalischer Art und erfülit in dieser Beziehung den Zweck in anerkennendster Weise. An geeigneten Orten hat dann der Bers. die historischen und gedanklichen Schwierigkeiten, die der Text bietet, in Anmerkungen, die mit kleineren Typen gedrückt sind, zu lösen gesucht. Er erfüllt hier alle diejenigen Forderungen, die man innerhalb der bezeichneten Grenze an einen neueren Exegeten stellen kann. In der Einleitung stellt sich der Berf. die Aufgabe, das jetzt allgemein angenommene Resultat der Kritik zu widerlegen, daß das Buch Secharjah, wie es uns überliefert worden, aus zwei Theilen zusammengefügt ist. Kapp. 1—8 und Kapp. 9—14, nur daß hier, anders wie im Buche Jesaias, der später abgefaßte Theil voran und der ältere Theil hinter diesen gestellt worden. Wir haben den Nachweis hierüber in unserem Bibelwerke Bd. II S. 1513 ff. und S. 1557 ff. geführt. Unserem Berf. gelingt es nicht, die vielen und starken Argumente zu entkräften, denen er meist nur negativ oder mit unzulänglichen Hinweisungen begegnet. Wer irgend den Sprachgeist zu würdigen weiß, den Gedankenstoff und die Ausdrucksweise der alten Propheten in ihren Eigenthümlichkeiten zu faffen und zu unterscheiden versteht und sich fürsorglich den historischen Boden betrachtet, auf welchem jeder der Propheten sich bewegt: der kann über jenes kritische Ergebniß nicht mehr zweifelhaft sein. Es vereinigen sich hier gerade die Sprache, der Geist, der Gegenstand und die geschichtliche Scenerie, um jenes Resultat zu bekräftigen. Diese Bemerkungen halten uns nicht zurück, die Arbeit des englischen Gelehrten in ihrer Tüchtigkeit und dem in ihr entwickelten Streben anzuerkennen. — — Wir machen unsere Leser auf eine ausgezeichnete Jugendschrist: „Savonarola. Culturgeschichtliche Erzählung aus der Blüthezeit der Renaissance zu Florenz und in der ewigen Stadt. Von Adolf Glaser." (Leipzig u. Berlin. Otto Spamer 1883) aufmerksam. Am Faden einer fortlaufenden, auf geschichtlichem Boden sich bewegenden Erzählung wird uns eine Schilderung jenes gewaltigen Jahrhunderts geboten, das an politischen Charakteren und schöpferischen Genies so überaus reich war und ebenso die Höhen wie die Tiefen der menschlichen Natur in ewig denkwürdigen Erscheinungen offenbarte. Die wildeste Lasterhaftigkeit neben den höchsten Tugenden, der entsetzlichste Egoismus neben der bewunderungswürdigsten Hingebung an die reinsten Ideale, sittliche und gesellschaftliche Rohheit neben den großartigsten Kunstschöpfungen charakterisiren dieses Zeitalter, in welchem die moderne Cultur ihre Wurzeln schlug. Der Berf. verstand es, die grellen Töne zu mildern und dafür die erfreulichen Farben kräftig aufzutragen. Mit vieler Sachkenntniß versammelt er Alles, was aus jener Zeit an Gestalten, Begebenheiten und Schöpfungen interessirt, um den Leser, und mitten durch das Gewirre der Einzelheiten führt er an den Schicksalen gewisser Persönlichkeiten mit sicherer Hand zum Ziele. Daß hier auch die Juden und ihre Stellung nicht vergessen werden, läßt sich voraussetzen. Hervorragend waren sie damals neben den großen italienischen Banquiers und Waarenhändlern im Geldgeschäft und außerdem in der ärztlichen Kunst. Bon der letzteren führt uns der Berf. ausführlicher ein besonderes Beispiel vor, und wir geben die betreffenden Kapitel in unserem Feuilleton, wozu uns der Herr Verfasser bereitwilligst autorisirte. Wie der Titel besagt, bildet der italienische Reformator Savonarola den Mittelpunkt des Ganzen, und dieser Märtyrer seines Strebens, die menschliche Gesellschaft zu versittlichen und die damals entartete Kirche zu reformiren und zu ihrer ursprünglichen Einfachheit zurückzuführen, erscheint als das glänzende, aber schnell wieder verschwindende Meteor, das er historisch gewesen. — — Das Berliner lithographische Institut von Julius Moser hat einen „Notiz-Kalender" herausgegeben, der sich in der That durch außergewöhnliche Ausstattung, reichhaltigen Inhalt und durch den billigen Preis (2 Mark) auszeichnet. Unter dem bescheidenen Titel „Notiz-Kalender" wird hier eine Schreibunterlage geboten, wie sie praktischer und werthvoller nicht sein kann. Der Notizkalender hat einen Umfang von 70 Seiten und ist praktisch für allerlei nothwendige Bemerkungen eingerichtet. Ueber Briefe, Telegramme, Münzen, Maaße und Gewichte u. s. w. giebt der Kalender die verläßlichste Auskunft. — Eine Ausgabe dieses Kalenders in schmalem Folioformat mit demselben Inhalt erfolgt demnächst.