Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1883)
- Date
- 1883-01-02
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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3 an der Beurtheilung Rottecks und Hallers zeigt er, wir wir1 keinen Schwung der Beredsamkeit ersetzt werden können, fehlen bei Treitschke „selbst das bescheidenste Maß historischer Gehier in ungewöhnlichem Maße. rechtigkeit vermißen," welche „auffallende Jncorrektheiten" er sich zu Schulden kommen läßt, wie übel er den süddeutschen Liberalismus behandelt, während er die in den preußischen Adelskreisen mit Jubel aufgenommene Theorie Haller's nur mit kurzen Andeutungen berührt. Im weiterem Verlauf kritisirt Baumgarten die Art, wie Treitschke die deutsche Bur-. schenschaft und Karl Fallen beurthcilt, wie niedrig er die, Geisteskräfte Metternichs anschlug, ohne auch nur zu ahnen,! wie sehr er dadurch gerade dem König Friedrich Wilhelm III. Abbruch thut, wenn er darstellt, wie sich dieser Monarch j Metternich unterordncte« Hier überall übergeht Treitschke die! wichtigsten Druckschriften, sobald sie ihm nicht in seine einseitige Tendenz passen, wie er nur das auswählt, was | seinen Zwecken dient, und mit Stillschweigen übergeht, was diesen ungelegen ist oder widerspricht. Eklatant ist dann im vierten Artikel die Darstellung der Verhandlung des Königs mit Metternich in Teplitz vor der Karlsbader Zusammenkunft. Er weist hier Treitschken eine arge Gefchichtsverfälschung nach, indem dieser willkürlich Worte einfügt, die im Originaldokumente gar nicht vorhanden sind, um alle Schuld auf feinen, Treitschke's Prügelknaben Hardenberg zu wälzen, während dieser gerade dem Staatskanzler Metternich mit gebundenen Händen überliefert wird. Baumgarten schließt hier seine, I überall faktisch begründete Kritik mit folgendem Satze: „Nach dieser Probe, mit welcher Willkür Treitschke die klarsten Thatsachen umzubiegen versteht, muß man leider bekennen, daß man nicht weiß, wie weit man seiner Darstellung trauen darf, wo sie auf handschriftlichen Quellen ruht. Wo wir sie bisher an der Hand der gedruckten Literatur geprüft haben, hat sie sich in einer Reihe der wichtigsten Fälle als vollkommen unzuverlässig erwiesen. Die Ungerechtigkeit seines Urtheils tritt aber wohl am stärksten hervor, wenn man seine Art, König Friedrich Wilhelms Verhalten in Teplitz zu rechtfertigen, die ganze schwere Schuld desselben auf den von ihm gefesselten Hardenberg zu werfen, mit seinen gleichzeitigen Urtheilen über König Wilhelm von Württemberg vergleicht. „Glücklicher," lesen wir S. 545, „fuhr der König von Württemberg. Wer hätte auch die krummen Wege dieses Meisters der Falschheit berechnen und durchkreuzen können?" „Seit zwei Jahren," heißt es S. 546, „befand er sich wohl bei einem Doppelspiele, das seiner ränkesüchtigen Natur allmählich zum Bedürfniß wurde" u.s. w. Man sieht, das alte sine ira et studio ist für diesen Geschichtsschreiber nicht vorhanden. Unbefangene Wahrheitsliebe, Sorgfalt ruhiger Untersuchung, Gerechtigkeit des Urtheils, diese ersten und wesentlichsten Eigenschaften jedes Historikers, welche durch keinen Glanz der Diktion, durch Wir glauben hiermit im Voraus die Kritik gerechtfertigt zu sehen, welche wir an den Stellen der Geschichte Treitschke's, an welchen er über die Juden spricht, zu üben haben. (Fortsetzung folgt.) Literarischer Wochenbericht. Bonn, 24. December. Es ist allgemein bekannt, daß der Talmud, obschon er nach den in ihm behandelten Gegenständen, in Bücher und Abtheilungen gebracht ist, durch den Mangel einer systematischen Ordnung, der logischen Reihenfolge und des strengen Festhaltens am Thema sich abzeichnet, und daß deshalb ihm das Epitheton eines „pfadlosen Meeres" beigelegt worden. Gerade deshalb ist es die erste Aufgabe einer wisienschaftlichen Behandlung, in dieses scheinbare Chaos Licht zu bringen, wo irgend möglich, den logischen Faden, oder doch einen logischen Zusammenhang nachzuweisen und dadurch einer systematischen Uebersicht und Gliederung vorzuarbeiten. Es versteht sich, daß hierin der Anfang mit der Mischna gemacht werden muß, wo diese Arbeit denn auch einen günstigen Erfolg verspricht. Wir haben bereits im Jhrg. 1881 S. 172 einer verdienstvollen Schrift des Rabbiners in Karlsruhe Dr. Adolf Schwarz erwähnt, welche sich oben bezeichnetes Ziel gestellt und in ihrem ersten Theile den Traktat Sabbath behandelt hat. Vor Kurzem erschien deren zweiter Theil: „Die Tofifta des Tractates Erubin in ihrem Verhältniffe zur Mischna kritisch untersucht. Nebst einem Anhänge. Ter Tosiftatext zu den Mischnajoth j ber Tractate Sabbath und Erubin. Karlsruhe, A. Bielefeld 1882." Der Vers, geht nämlich von der Absicht aus, das Verhältntß der Tosifta zur Mischna klar zu stellen und nach der aufgefundenen Ordnung in der Mischna die in Unordnung gerathene Tosifta als Anmerkungen zum Mischnatexte zu ordnen. Unter der Hand wird natürlich die Auffindung des logischen Zusammenhangs in der Mischna zur Hauptaufgabe, welcher der größte Raum der Schrift gewidmet ist. So bekennt der Verf. zum Schluffe seiner Einleitung, daß die eigentliche Aufgabe seines Buches ist, „zu! zeigen, daß die Mischna den festen Stamm bildet, an welchem J bie bloß losen Alineas der Tosifta als Epheuranken sich; emporschwingcn." Am Schluffe der vorliegenden Schrift fügt ifcer Berf. den nach den Ergebniffen seiner Untersuchungen geordneten Tosiftatext zu Sabbath und Erubin hinzu, und stellt nun als Resultat Folgendes auf: „Dieser Text wird Jedem, der die Tosifta bis heute als ein Conglomerat heterogener Halachoth betrachtet hat, die Ansicht aufdrängen, daß wir nur mittels der Mischna Ordnung in die Tosifta bringen i*