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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-01-02 · Heft 1 (2.1.1883) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 1 (2.1.1883)
Date
1883-01-02
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Das Resultat war: „Hier ist es nun interessant sür uns, wie sich in dem großen Rahmen der neueren deutschen Geschichtsschreibung ganz dieselben Eigenthumlichkeiten Treitschke's abspiegeln, die er in seinen antisemitischen Artikeln bekundet. Dieselbe Parteilichkeit, dieselbe Gehässigkeit gegen Personen und Richtungen, die ihm nicht in den Kram passen, dieselbe Verdrehung der Thatsachen, um die eine Seite zu glorifiziren, die andere möglichst zu vernichten, dieselbe Schlauheit, ein Korn Wahrheit zu einem ganzen Scheffel aufzublasen, um die Wahrheit zu verdecken, die ihn widerlegen würde, dieselbe Sucht, sich einen Prügelknaben auszusuchen, der die Sünden des ganzen Geschlechts, der ganzen Zeit zu büßen habe." Ist es nun in dem eben erschienenen zweiten Bande anders geworden? Auch jetzt lassen wir diese Frage von competenter Seite beantworten. Wird sie doch diesmal nicht von einem Anonymus, sondern von einem bewährten Historiker ertheilt, vom Professor der'Geschichte Baumgarten in einer Reihe von kritischen Artikeln in der wiffenschaftlichen Beilage zur (Münchener, früher Augsburger) „Allg. Ztg." vom 6.—12. Dezember. Es spricht also hier ein protestantischer Geschichtsschreiber an einer deutschen Universität, die unmittelbar unter preußischem Einfluffe steht. Der Kritiker läßt zuerst dem ganzen Unternehmen Treitschke's und der, durch die fleißigste Benutzung der preußischen Archive ermöglichten Darstellung der preußischen Staatsorganisation und ihrer Entwickelung in den Jahren 1816—19 volle Gerechtigkeit angedeihen. Dann aber weist er ihm schlagend nach, zu welcher Einseitigkeit er kommen mußte, da er eine deutsche Geschichte schreiben wollte, und die Archive in Wien, München und Stuttgart gänzlich bei Seite ließ, während gerade da die wichtigsten Aufschlüffe, und zwar selbst über die Verhandlungen des Königs Friedrich Wilhelm III. und seiner Minister zu holen waren. Baumgarten fährt hier fort: „Treitschke sagt im Vorworte, wenn er als Parteimann Geschichte schriebe, so würde er über manche alte Sünden Oesterreichs und der deutschen Kronen gern einen Schleier werfen, da sich die deutschen Fürsten heute einsichtiger und opferwilliger zeigten als ein großer Theil des Bürgerthums, und nur ein Thor an der Freundschft rütteln könne, welche Deutschland mit Oesterreich verbinde. „Meine Aufgabe war, das Geschehene getreu zu erzählen." Der Parteimann soll also mit dem Buche nichts zu thun haben. Wenn wir rühmen könnten, daß Treitschke dieser Aufgabe auch nur einigermaßen gerecht geworden wäre, so würden wir über den vorhin erörterten Mangel eher hinwegsehen können. Statt deffen verhält cs sich leider in Wahrheit so, daß Treitschke da, wo er mangelhaft unterrichtet war, durchaus als Parteimanu, als Publicist und nicht als Historiker geschrieben hat. Unter allen bedeutenden Geschichtswerken, welche die letzten Decennien unter uns haben entstehen sehen, befindet sich vielleicht keines, in welchem ein solches Uebermaß den objectioen Thatbestand verwirrenden subjectiven Urtheils mit solcher Schroffheit hervortritt, wie in diesem zweiten Bande von Treitschke. So lange und emsig er auch in der von ihm geschilderten Zeit gearbeitet hat, es ist ihm doch in Bezug aus das nichtpreußische Deutschland auf eine fast unbegreifliche Weise mißlungen, sich in den wirklichen Sinn, in die wahre Lage jener Jahre zu versetzen. So billig er die besonderen Umstände in Rechnung zieht, welche den Gang der preußischen Verwaltung bestimmten, so liebevoll er sich in die ganze Situation versenkt hat, mit welcher die preußische Regierung damals zu thun hatte, so herbe und hart urtheilt er über Alles, was in Oesterreich und Süddeutschland geschieht. Kein Hofgeschichtsschreiber konnte erfinderischer sein in Entschuldigungen, Rechtfertigungen, Verwischungen, sobald es sich um König Friedrich Wilhelm III. handelt; kein radicaler Pamphletist könnte erbarmungsloser mit gekrönten Häuptern umspringen, als cs Treitschke mit Kaiser Franz und den Königen von Bayern und Württemberg thut und kein Feudaler könnte über die schwachen Anfänge des deutschen Liberalismus bei jeder Gelegenheit ärger losziehen. Während er für Preußen überall die ungemeinen Schwierigkeiten jener Tage auf das umsichtigste anerkennt, kritisirt er die süddeutschen Staaten und den Liberalismus durchweg nach einem sür jene Zeit ganz unzulässigen Maßstabe. Für Alles in der Welt giebt es bei ihm eigentlich nur ein Kriterium: stellt es sich gut zu Preußen, erkennt es die großen Verdienste an, welche sich Preußen um die Befreiung Deutschlands erworben hat, ahnt es, daß die Zukunft Deutschlands nur auf Preußen ruhen kann?" Nach weiterer Ausführung schließt der erste Artikel: „Nur ein Parteimann, der nie von den Gedanken und Kämpfen der Gegenwart frei werden kann, deffen Eifer alle Dinge dieser Welt nach dem vermeintlichen Bedürfniß des Tages zurecht schiebt, konnte die Geschichte der Jahre 1816—19 so schreiben wie es Treitschke gethan hat. Die eingehende Prüfung einer Anzahl der wichtigsten Momente seiner Erzählung wird zeigen, in welchem Maße er gegen die historische Gerechtigkeit gesündigt hat." Eine vernichtendere Kritik für einen Geschichtsschreiber kann es nicht geben. Treitschke erscheint nicht bloß als Parteimann, sondern offenbart auch seine nichtdeutsche Gesinnung, und welches trügerische Spiel er mit seinen Deklamationen über deutsche Nationalität treibt, da er sich überall als einen grundsätzlichen Feind aller nichtpreußischen Theile der deutschen Nation bekundet. Hieraus kann man auch die Folgerung ziehen, welche Gerechtigkeit er den Juden zu Theil werden läßt, mit welcher Unparteilichkeit er die Ereigniffe beurtheilt, welche die Juden betreffen. Baumgarten läßt es bei dieser allgemeinen Verurtheilung nicht bewenden; er führt den Beweis an einer Reihe von Thatsachen aus. An dem Vorgehen des Geheimrath Schmalz,

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