Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1881)
- Date
- 1881-12-27
- Page
- Seite 865 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3227339-3227392--39529-3308850- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
_865^_ selbe außerdem im Drucke erscheinen wird. Es sei jedoch zu erfüllen, und erflehte in seinem Schlußgebete den Segen des bemerken erlaubt, daß Herr Vr. Adler seinen altbewährten Allmächtigen auf unfern geliebten Kaiser, das ganze kaiser- Ruf als hervorragender Kanzclredner aus das Glänzendste liche Haus, das thcure Vaterland, die Stadt Eschwege und bethätigte. Sichtlich ergriffen dankte der Jubilar für die große alle ihre Bewohner. Der hiesige Synagogenchor verherrlichte Ehre und die vielen Beweise der Liebe und Verehrung', die den Festact durch einige gut gewählte uud geschulte Chöre ihm von allen Seiten und in den verschiedensten Formen zu und beschloß diese erhebende Feier mit einem mächtigen Theil geworden. Er gab Gott allein die Ehre, durch dessen Hallelujah! Beistand es ihm vergönnt gewesen, seine Lebensaufgabe zu Feuilleton. Die Juden in Tunis. unb Menschen leben können. Keine Passage dieses endlosen Labyrinths ist breiter, als daß man bei ausgestreckten Armen Von (£. v Kesse-Warlegg nicht die einander gegenüberliegenden Mauern gleichzeitig be- (Fortsetzung.)! E)ren könnte. Sie erweitern sich an manchen Stellen, aber Bis auf die jüngste Zeit war cs den an dreißigtausend diese Raumverschwendung wird bei der nächsten Stelle wie- Köpfc zählenden Juden nicht vergönnt, in einem maurischen der dadurch eingcbracht, daß zwei sich Begegnende einander Stadttheil zu wohnen, und ihr Biertel war so streng abgekaum Vorbeilaffen können, ohne sich an die Wände zu drücken, grenzt und bewacht, daß sie es kaum wagen dursten, darüber Die Häuser sind in der Regel ein oder zwei Stockwerke hinaus zu schreiten, zumal wenn sich eine Moschee in der hoch, düster, schmutzig und halb verfallen. Viele hängen Nähe befand. Sic waren unterdrückt, gepeinigt und von den derart über die Gasse, als würden sie sich gegenseitig stützen tunesischen Machthabern ausgeraubt; man verfuhr nach Will- und am Unfälle hindern, andere sind über die Gaffe gebaut kür mit ihren Frauen und Töchtern und nahm ihnen ungesund bilden oft lange, dunkle Durchgänge, aus denen die straft das Leben. Dennoch mußten sie bleiben, denn aus; Feuchtigkeit und der Schmutz Sommer und Winter hindurch Europa, zunächst aus Spanien vertrieben, hatten sie sich hier! nie schwinden, und in denen es auch in der stärksten Sonncuangesiedelt und im Laufe der Generationen ihre eigene! Hitze kühl bleibt. Die Häuser besitzen in der Regel erst in Sprache verloren, dafür die arabische angenommen. Tie j der oberen Etage ein oder zwei vergitterte Fenster, und ähneln Möglichkeit, zu größerem Reichthum zu gelangen, war ihnen auch in ihrem sonstigen Aeußern ganz den maurischen. Das durch die drakonischen Gesetze der hiesigen Despoten verwehrt; Pflaster ist elend, voll großer Steine und tiefer Löcher, mit so bauten sie sich denn ihre eigenen armseligen Häuser oder Pfützen und dem scheußlichsten Unrath bedeckt, der offenbar erwarben sich solche in den von den Mauren verlaffenen niemals entfernt worden, und ganz verfault im Sommer die Quartieren. Rur Eines hatten sie vor den bevorzugteren widerlichsten Gerüche aushaucht. Diese Ansammlung des Arabern voraus: sie vermehrten sich sehr rasch, und das ur- Unraths seit Jahrhunderten dürfte auch die Ursache sein, sprünglich auf kleinen Raum beschränkte Judenviertel nimmt warum die Gäßchen sämmtlich höher liegen als die Häuser, heute thatsächlich ein Viertel der ganzen Stadt ein, sich und man erst eine Rampe oder einige Stufen hinabsteigen immer vergrößernd und dadurch die Mauren aus den anmuß, um auf den inneren Hofraum zu gelangen. Theilweise grenzenden Straßen verdrängend. — Während meines mehrsind wohl die Inwohner dieser Pesthöhlen selbst mit schuld monatlichen Aufenthaltes in Tunis brachte ich so manchen an den geschilderten Zuständen, doch mehr noch fällt die letz- Tag inmitten dieses sonderbaren Volkes zu, war Zeuge so manchen Familienfestes oder öffentlichen Ereignisses. Ueberall kamen mir die Leute mit der größten Bereitwilligkeit und Aufmerksamkeit entgegen, und nach all' den Erfahrungen, die tere auf die Schultern der Stadtbehörden zurück. Diese erhalten von jeder Familie in Tunis per Jahr den Betrag von sechs Piaster (circa drei Mark), aus welcher Steuer sie die tägliche Fortschaffung alles Unraths aus den Straßen ich selbst hier gemacht, schien mir das Volk lange nicht so' bestreiten sollen, während die Familien selbst ihre Schuldigverderbt zu sein, wie es frühere Reisende und speziell Maltzan j feit gcthan haben, wenn der Mist aus ihrem Hause heraus geschildert. Wer zum erstenmnle das Judenviertel durchwandert, ist überrascht, wie in einem derartigen Gewirre von engen, winkeligen, nach allen Richtungen gewundenen und verschlungenen Gäßchen, in welches die Sonnenstrahlen fast befördert und mitten in der engen Gaffe aufgethürmt wurde. Wie aber kann nun die Straßenreinigung erfolgen, wenn kaum zwei oder drei Gassen dieses Labyrinths für enge Karren befahrbar, ja auch nur für Packthiere zugänglich sind? ■o blieb denn der Unrath liegen, wurde theilweise von den niemals ganz eindringen, der Verkehr überhaupt stattfinden Platzregen fortgeschwemmt, theilweise festgetreten. Gelegent-