Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1881)
- Date
- 1881-12-27
- Page
- Seite 861 (sequence 9)
- Language
- German
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861 bürg abgehaltene Congreß beschlossen hat, bei jeder größeren Aufnahme auch die Frage nach der Religion zu stellen. Diese Forderung ist von den Statistikern unisono gestellt worden. Ilebrigens ist auch in Ocstcrrcich-Ilngarn, der Schweiz, Oesterreich-Ungarn. Wien, 13. Dez. Bei dem tief erschütternden Ereignisse, das ganz Wien in die tiefste Trauer versetzte, dem Brande Frankreich, Italien, Dänemark, Norwegen, Schweden bci'M* Ningthcaters, befand sich unter den Verunglückten auch jeder größeren statistischen Ausnahme die Rubrik „Religion" | eine Anzahl Israeliten. Am 11. d. M. fand die Bestattung eine constante." Aus beifolgender Nummer des „Diritto" geht! der ersten 160 Leichen statt, man kann sich denken, mit welcher hervor, daß die Angabe des Staatsseeretärs von Bötticher Theilnahme aus allen Klassen und Eoufessionen. Aus dem nicht correct war. Dem italienischen Blatte zufolge haben die Regierungen von Großbritannien, Frankreich, Bayern, Sachsen, Spanien, Belgien und der Vereinigten Staaten den vom Petersburger Congreß gefaßten Beschluß unberücksichtigt gelassen und die Rubrik „Religion" in die betreffenden Formulare nicht ausgenommen. Italien fugte zwar bei der letzten Aufnahme des Census die Frage nach der Religion dem Formulare hinzu; die italiensche Regierung hat jedoch, wie aus dem Leitartikel des „Diritto" ersichtlich ist, die Absicht, diese Frage bei der bevorstehenden Aufnahme des Census nicht zu stellen. Fürth, den 15. Dezember. (Privatmitth.) Ihre Berichtigung in Nr. 50 d. A. Z. d. I., wonach ein achter Israelit für den 3. oberfränkischen Kreis Forchheim in den Reichstag gewählt wurde, und zwar in der Person des I)r. Herz von Mannheim, bedarf der Richtigstellung. Der in Forchheim gegen Fürst Hohenlohe ^deutsche Reichspartci) gewählte Landgerichtsrath Herz gehört der deutschen Fortschritspartei an, wohnt in Nürnberg und ist kein Jude, wogegen der in Kaiserslautern in der bair. Pfalz ausgestellte I)r. Herz von Mannheim in der Stich wähl dem nationalliberbalen Gegner Janson unterlegen ist. Ist Director Goldschmidt von Berlin vielleicht als 8. Jude zu verzeichnen'? Das hies. Gemeindekollegium hat seinen Vorsitzenden, Centralsriedhose war ein Riesengrab für säinintliche" Leichen ausgcworsen. In der Mitte des großen, quer über den Friedhof führenden Weges war ein riesiger, reichgeschmückter Katafalk aufgestellt, vor welchem die Tranerfeier aller Confefsionen abgehalten wurde. Zuerst begann eine katholische Feier durch den Propst der Votivkirche, der der Reihe nach alle 80 Bleisärge cinseguete. Darauf traten zwei griechische Priester im Ornat vor und hielten eine kurze Einsegnung ab. Vier Pastoren verschiedener evangelischer Bekenntnisse hielten längere Grabreden. Schließlich trat der israelitische Tranerchor vor und sang Klagelieder, worauf der Prediger Dr. Jellinek folgende Grabrede hielt: „Kein Feuer, und loderte es noch so gewaltig, vermag die Nacht aufzuhellen, welche diese Särge einhüllt. Wie hieß der Todte, dessen Asche oder Leichnam jeder einzelne Sarg in sich birgt? Wir wissen es nicht! Welcher Familie ist er entsprossen? Wir kennen sic nicht! In welcher Confesfion ward er geboren? Niemand antwortet uns darauf, lind voch, welche innige Theilnahme und welche tiefe Trauer verbreiten diese namenlosen Särge, nicht blos in unserer Residenz, sondern überall, wohin die Botschaft gedrungen ist, daß eine Stätte der Lust und Freude in einen rauchenden Altar sich verwandelte, auf welchem Hunderte von Menschen den Tod gefunden haben, den gemeinsamen Tod, einen Herrn vr. meä. Landmann (Israelit) als Mitglied des grauenhaften Tod. Niemand fragt nach ihren Namen und mittelfränkischen Landraths, ein die Interessen des mittel- Rang, nach ihrer Herkunft und Religion: Es waren Gatten, fränkischen Kreises wahrendes Institut, gewählt. Außer vr. Gattinnen, Väter, Mütter, Söhne, Töchter, Jünglinge, Jung- Landmann sitzt noch Herr Magistratsrath Kohn (Jsr.) vcn frauen, denen Licht, Luft und Leben plötzlich quäl- und angst- Nürnberg in dem mittelfränkifchen Landrath. voll genommen wurden, lind dieser gemeinsame Tod ist es. Die Privatier-Eheleute David Moses und Henriette der diesen Brandopfern ein gemeinsames Grab bereitet. Das Berolzheimer in Nürnberg haben ein Kapital von 6000 Mk. Leben trennte sie von einander, der Tod vereinigte sie, und mit der Bestimmung der Behörde übergeben, daß die Zinsen verbunden im Tode soll die Erde zum ewigen Frieden sie zu Stipendien für befähigte Schüler der Studien-Anstalt in aufnchmen. O, möge nicht vergebens ein gemeinsamer Tod Nürnberg verwendet werden sollen. Die Stiftung trägt den sie ereilt, ein gemeinsames Grab sie ausgenommen haben! Namen „Martin Berolzheimer sche Stiftung". Möge derselbe Allen, welche von ihm Kunde erhielten, eine Tie hies. israelitische Waisenanstalt ist zum Universalernste Mahnung sein, pünktlich, streng und gewissenhaft das erben über das hinterlassene Vermögen des verstorbenen zu thun, was übernommene Pflichten und gewählter Beruf Privatiers Wiesengrund in Würzburg eingesetzt worden. Nach ihnen auferlegen; denn jede, auch die geringste Pflicht in der Abzug verschiedener Legate, deren Bezahlung der Anstalt obuntergeordnetsten Lebensstellung ist heilig, jede, auch die gesiegt, dürfte der verbleibende Restbetrag sich auf Mk. ringste Vernachlässigung derselben kann Verheerung und Ver- 100,000 belaufen. nichtung anrichten; möge aus dem thränenfeuchten Staube, den diese Särge in sich bergen, und aus der gemeinsamen 52