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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-12-27 · Heft 52 (27.12.1881) · p. Seite 862

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 52 (27.12.1881)
Date
1881-12-27
Page
Seite 862 (sequence 10)
Language
German
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862 Erde, in welcher sie ruhen werden, der Baum des religiösen Friedens und der confessionellen Eintracht nicht blos im Tode, sondern auch im bewegten Leben emporsprießen; möge unserer Stadt, wie sie musterhaft durch ihre Wohlthätigkeit ohne Unterschied der Confession ist, auch allen Städten und Staaten vom heutigen Tage an voranleuchten durch edle Brüderlichkeit, welcher keine Sprache fremd ist, keine Confession fernsteht: dann wird der Feuerschein in der Nacht des 8. Dezember nicht blos zerstört und getödtet, sondern auch in einer Zeit der Racenkämpfe und der confessionellen Zwietracht Frieden gestiftet und den Brudersinn belebt haben. Friede den Nahen, Friede den Fernen, spricht Gott, ich heile den Schmerz, lindere die Trauer, tröste die Betrübten, richte auf die Gebeugten." Nach der Versicherung aller Blätter hat die Rede des Dr. Jellinek, sowie die ganze Trauerfeier, in welcher alle Confessionen vereinigt waren, einen sehr tiefen Eindruck auf die gesammte Bevölkerung Wiens gemacht. Nach einer Correspondenz befanden sich unter den 181 Metallsärgen, in denen je 3 Leichen lagen, 56 für verunglückte Israeliten. (Es läßt dies auf das unverhältnißmäßige Contingent schließen, welches die Juden zum Theaterbesuche stellen und das mit dem hiesigen Gemeindemitglieder sich auf: sie constituirten sich zu einer Statusquo-Gemeinde und stellten einen separaten Schochet an. Und nun, man höre und staune! Mehrere „große Lichter", die Geonim zu Markersdorf, Ungvar, Sziget und Herr Simon Sofer aus Krakau, der nirgends fehlt, wo cs einen Skandal giebt, nnd sein junger Neffe, der sich Rabbiner von Preßburg nennt, erklärten die Mitglieder der Statusquo- Gemeinde für noch schlechter als die Neologen und das von ihrem Schochet geschlachtete Fleisch für trefo. Dieser Jsiur hat nun freilich seinen eigentlichen Zweck verfehlt, und hat vielmehr bewirkt, daß Familien, die bis jetzt Koschersteisch genossen, jetzt ihren Bedarf an Fleisch in christlichen Bänken kaufen, denn, argumentiren sie, „wenn das Fleisch in einer Statusquo-Bank für trefo erklärt wird, obgleich dasielbe ganz wie das der orthodoxen Bank geschlachtet wird, muß der ganze Schechita-Ritus keinen Werth haben und dann genießen wir eher Fleisch, das uns um 10 Kreuzer per Kilogramm billiger zu stehen kommt." Um sich noch in ihrem Gewisien zu beruhigen, wandte sich die Statusquo-Gemeinde an R. Maier Perles in N. Karoly, die bedeutendste talmudische Autorität in Ungarn; dieser würdige Rabbiner erklärte ihnen, daß die frommen Fanatiker, welche den Jsiur ausgesprochen, geirrt geringen Antheil, den sie am Wirthshausleben nehmen, con-> und gesündigt hätten, er schrieb u. A.: dpn”n~d-n er ’s npPi trastirt. Aus Pest bemerkt man uns, daß eine dortige sephardische Familie drei Mitglieder in diesem unglückseligen Brande verloren hat. Redakt.) An dem großen Katafalk in der Mitte des Friedhofes fehlten nach derselben Correspondenz alle Symbole irgend einer Confession. •DND ID ~ND “jTDsJD wnt tr.P'ri (nichtunirte Griechen) er2 2dsj? Lnrnpn itcn 2 2. Die hiesige Statusquo-Gemeinde hat jetzt ein „Offenes Sendschreiben an sämmtliche Glaubensgenosien des In- und Auslandes" erlassen, in dem sie sämmtliche im Lande vor- Clausenburg, im Dezember. (Privatmitth.) Seit länger handenen Schwestergemeinden, die den gleichen Standpunkt verals zehn Jahren herrscht in unserer Gemeinde eine Willkürtreten, ausiordert, sich rasch aufzuraffen und nachdrücklichst wirthschaft, wie sie vielleicht in keiner andern Gemeinde je; gegen jede Vergewaltigung zu protestiren. vorgekommen ist. Ter hiesige Borstand setzt ganz nach Be- Brody, im Dezember. Die Alliance isr. univ. hat lieben Beamte ein und ab; eine vierklassige Volksschule, welche vorläufig die Expedition russischer Flüchtlinge nach Amerika von der Stadt und dem Staate subventionirt wurde, löst er' sistirt und Herr Netter ist von hier am 28. Nov. abgereist. Als Grund wird angegeben, daß man in der Nothlage „größere und häufigere Züge nach Amerika geschickt habe, als man für einen so kurzen Zeitraum in Aussicht genommen hatte. Es wurden neuerdings in Hamburg am 13. Nov. 173, am 16. Nov. 71. und am 20. Nov. 103. Personen eingeschisit. Bis jetzt hat die Alliance 1561 Personen nach plötzlich aus; sofort nach dem Ableben unseres alten Rabbiners ernannte er trotz des Protestes zahlreicher Gemeindemitglieder, dessen Sohn, einen ganz unwissenden Menschen, der früher Weinhändler war und an den Kaffeehansfreuden den lebhaftesten Antheil nahm, zum Rabbiner. Die Bessergesinnten der hiesigen Gemeinde wandten sich mit Beschwerden an das Ung. Kultusministerium, das die Angelegenheit der autonomen orthodoxen Amerika befördert. Durchführungscommission in Pest zur Berichterstattung überwies. Diese Durchführungscommission, an deren Spitze ein gewisser Ignatz Reich, ein ehemaliger Pferdehändler steht, war durch den hiesigen Vorstand dadurch gewonnen, daß er den weisen Frankreich. Paris, 13. Dez. (Privatmitth.) Wohin jetzt in Frankreich die Richtung läuft, giebt sich am deutlichsten aus Beschluß faßte, der Durchführungskommission auf zehn Jahre jüngsten Beschlüssen städtischer Magistrate kund. Nach dem jährlich dreißig Gulden zu geben. Als nun der unwissende Beispiel des Gemeinderaths von Paris hat der von Mont- Rabbiner Glaser gar definitiv angestellt wurde, und alle von pellier, Marseille u. A. beschlossen, alle Subventionen für den Besiergesinnten gemachten Versuche, einen Ausgleich herkultuelle Institute und Zwecke aus städtischen Mitteln zu beizuführen, scheiterten, da rafften dreißig der angesehensten streichen und die völlige Trennung von Staat und Kirche

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