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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-12-27 · Heft 52 (27.12.1881) · p. Seite 858

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 52 (27.12.1881)
Date
1881-12-27
Page
Seite 858 (sequence 6)
Language
German
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858 Punkt hervorheben. Er sagt in seinem Schlußwort u. A., der Islam kenne die Gerechtigkeit Gottes nicht, womit selbstverständlich eines der wichtigsten Elemente des Gottesbegriffes wegfiele. Allein hierin irrt er. Der Koran selbst enthält Sprüche, welche die unbedingte Prädestination, aber auch solche, welche die menschliche Willensfreiheit, die Verantwortlichkeit vor Gottes Gericht und dieses selbst lehren, z. B. Sure 76, B. 3, Sure 3, V. 156. 157, Sure 39, B. 70. In der Dogmatik bildet die Lehre von der göttlichen Gerechtigkeit „Edolet" das zweite Kapitel. Allerdings machen die beiden Dogmen einen wesentlichen Unterschied zwischen den Schiiten und Sunniten aus. Aber jedenfalls ist die Behauptung unseres Verfaffers höchst ungenau. Siehe hierüber Weil, Einleitung in den Koran S. 95 ff., Tornauw Moslemisches Recht S. 20 ff. Auch der Islam hat seine Perioden philosophischen Aufbaus, der Scholastik und des Rationalismus gehabt, und kann fie, noch dazu, wenn die politische Macht nicht mehr erdrückend auf die Geister wirkt, wieder haben. — Annuaire de la societe des etudes juives. Premiere Armee. (Paris, A. Durlacher, 1881.) Es ist eine sehr befriedigende Erscheinung, daß auch in Frankreich sich eine jüdische Literatur zu bilden anfängt. Denn wenn auch die jüdische Bevölkerung im gegenwärtigen Frankreich der Zahl nach nicht groß ist, so hat doch die französische Sprache und Literatur einen vorwiegenden Einfluß in den Ländern der lateinischen Race und in einigen orientalischen Gegenden. Da nun in diesem Gebiete der sranzöfischen Sprache die deutsche Literatur nur geringen Eingang hat, so ist es von Wichtigkeit, daß sich auch iu diesem eine Literatur des Judenthums ausbildet. Unsere Leser wiffen, daß sich vor zwei Jahren in Paris ein „Verein für jüdische Studien" constituirt hat, welcher eine Bicrteljahrschrift „Revue des etudes juives“ — vor Kurzem ist das 1. Heft des II. Jahrgangs erschienen — herausgiebt und jetzt auch das vorliegende „Jahrbuch" veröffentlicht hat.') Was mit diesem Jahrbuch beabsichtigt wird, ersieht man aus dem Programm, das ihm vorangeschickt ist. Das Jahrbuch soll enthalten: 1) den Bericht über die jährliche Generalversammlung des Vereins, 2) eine historische Revue des Jahres, 3) eine literarische Revue des Jahres, 4) verschiedene Artikel, 5) Wiedergabe seltener Drucke. Dieses erste Jahrbuch enthält aber nichts aus den drei ersten Rubriken. Der Gedanke muß zu spät gefaßt worden sein, um den Plan schon jetzt vollständig auszusühren. Der vorliegende, trefflich ausgeftattete Band bringt zuerst ein Essay über Joseph Salvador. Unsere Leser werden sich erinnern, daß mir bei den kürzlich erschienenen Studien über Salvador 1) Wir sind dankbar dafür, daß wir vom Verleger zwei Exemplare des Annuaire erhalten haben und wundern uns nur, daß wir von der „Revueallein das l Heft erhielten, über welches wir auch sofort referirten. von seinem Neffen, dem Obersten Gabriel Salvador, den Wunsch aussprachen, auf Grund dieser gesammelten Materialien bald ein Effay erscheinen zu sehen, welches in gründlicher und anschaulicher Weise die Ideen Salvadors aus dessen Werken, die Entwickelung und Bedeutung derselben darstelle. Herr James Darmesteter hat unfern Wunsch erfüllt, und seine Arbeit, wenn auch nicht erschöpfend, ist lichtvoll und ansprechend Es ist bemerkenswerth, daß unsere Glaubensgenossen in Frankreich eine besondere Scheu davor haben, religiöse Fragen zu berühren, weil sie allerdings leicht zu Streitfragen werden, und überhaupt den Ausbau des Lehrinhalts des Judenthums vernachlässigen. Diese Haltung bewahren die Consistorien und Rabbinen, die jüdischen Zeitschriften, die Alliance und der Verein für jüdische Studien. Die äußeren Thatsachen und reine gelehrten Studien allein finden ihre Kundgebung; man geht sorgfältig tiefer gehenden Diskussionen aus dem Wege. Herr Darmesteter scheint eine Ausnahme von der Regel machen zu wollen, wie schon seine Broschüre: Coup d’oeil sur l’histoire juive par James Darmesteter (Paris librairie nouvelle. 1881.) bewies. Ferner bringt das Jahrbuch: „Reglements somptuaires de la communautfc .juive de Metz ä, la fin de XVII sitzcle 1690 —1697. Es ist dies ein sehr kurioses Aktenstück, aus welchem wir für das Feuillton einer unserer nächsten Nummern den Hauptinhalt bearbeiten werden. Herr Isidor Loeb erzählt aus dem Fahre 1754 einen ergreifenden Justizmord zu Colmar, urkundlich beglaubigt, weil er sonst in That unglaublich wäre. Der Fall ist ein so rechter Beweis, wie noch vor 130 Jahren der geheime und inquisitorische Criminalprozeß mit Foltern und Tortur beschaffen war und welche Fortschritte schon auf diesem einzigen Felde die Gesellschaft gemacht hat. Wir werden den Fall in nächster Nummer erzählen. Derselbe Verfasser theilt die Statuten der Juden von Avignon aus dem Jahre 1779 mit. Ob dieselben den großen Raum, den sie einnehmen (100 Seiten) verdienen, ist uns etwas zweiselhaft: die Abfaffungszeit liegt uns zu nahe, als daß sie einen culturhistorischen Werth hätten. — Schließlich sei noch eine neue Broschüre erwähnt: „Franz Liszt über die Juden. Bon Sagitarins." Die in Pest gedruckte aber mit dem Namen des Verlegers und des Berlagsorts nicht versehene Broschüre erinnert uns an den alten Spruch: „Gott schütze mich vor meinen Freunden!" Der alte Liszt hat, wie in d. Bl. bereits erwähnt worden, in ein sehr dickleibiges Buch über die ungarische Musik, die er durchaus nur von den Zigeunern herleitet, ein Pamphlet gegen die Juden eingeschoben. Das Buch wird natürlich nur von Wenigen gelesen. Da ist der Verfasser dieser Broschüre so gescheidt, die ganzen schmählichen Auslassungen des Abbe abzudrucken — er läßt nur die wenigen Sätze aus, in welchen Liszt die Juden lobt, — um sie hinterdrein zu bekämpfen.

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