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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-12-20 · Heft 51 (20.12.1881) · p. Seite 849

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 51 (20.12.1881)
Date
1881-12-20
Page
Seite 849 (sequence 13)
Language
German
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849 schreibt uns aus Cöslin vom 4. d.: Mein College, derl Prediger und Religionslehrer R. Bendit, der bereits seit 20 Jahren als solcher in der Nachbargemeinde Belgard sungirt, feiert am 20. Dezember d. I., am 4. Chauukatage,! das Fest der silbernen Hochzeit. Wir erlauben uns, Schüler! und Freunde des Herrn Bendit aus diesen Tag aufmerksam! zu machen. Josef Bauer, Prcd. — Aus Berlin schreibt man: Die Trauerfeier für die am letzten vorigen Monats verschiedene Frau Emma v. Bleichrödcr, Gemahlin des Geh. Commerzienrath v. Bl., fand gestern Vormittag im Trauerhause, Behrenstraße 62, statt. In dem imposanten Trauerraum, den Palmen und Topfgewächse schmückten, bestrahlten die Kerzen, welche Tagcshelle verbreiteten, zahllose Spenden an Palmen und frischen Blumen, die als Zeichen theiluehmender Verehrung am Sarg niedergelegt waren. Die Mitglieder der Aristokratie, an ihrer Spitze die Fürstin Bismarck, Vertreter des Handels und der Großindustrie hatten Palmen und Kränze übersandt. Auch von außerhalb, so von der Familie Rothschild aus Paris, aus Dresden, aus Köln u. s. w. waren Palmen- und Blumenspenden eingegangcn. Nicht minder dokumentirte die Zahl der Leidtragenden, die mit der trauernden Familie der Feier beiwohnten, die allseitige hohe Achtung, die die Tahingeschiedene genossen. Im Aufträge des Kaisers war der Hofmarschall, Graf v. Perponcher, in Vertretung des Kronprinzen der Hosmarschall Gras Eulcnburg erschienen. Als höchste Vertreter des Handels und der Finanzen hatten sich die Staatsminister Maybach und Bitter eingefunden. Auch den Reichsbankpräsidenten von Dechend bemerkte man unter den Erschienenen. Vom diplomatischen Corps waren anwesend die Botschafter Englands, Rußlands, Oesterreichs, Italiens und zahlreiche Botschaftsräthe und Attaches, namentlich von der englichen, französischen und russischen Botschaft, zum Theil mit ihren Damen. Auch die Generale ü 1a snits des Kaisers, Fürst Radziwill und Graf Lehndorff, dieser in Begleitung seiner Gemahlin, sowie der > General von Albedyll und der Polizeipräsident v. Madai j waren zugegen. Die Feier selbst wurde durch Gesang des > Synagogenchors eröffnet und geschloffen, die Trauerrede hielt | 9106611121: Dr. Frankl. Dann setzte sich der imposante Trauerj zug in Bewegung, der die Leiche nach dem Friedhof in der! Schönhauser Allee überführte. — Aus Italien schreibt man: Herr Jsaia Ghiron aus Casale ist zum Conservator an der großen Bibliothek Vittore-Emanuele ernannt worden; Fabini wurde Profeffor der Physiologie an der Universität zu Palermo, Sacerdoti Profeffor des Handelsrechts zu Padua, Loria (erst 20 Jahre alt) Profeffor der Staatsökonomie;u Siena. Alle vier sind Israeliten. — Von A msterdam meldet man: Herr Godesroi, ehemaliger Justizminister, der Ainsterdam seit 1848 in der Zweiten Kammer vertrat, hat sein Mandat als Deputirter wegen seiner erschütterten > Gesundheit niedergelegt. Die ganze Kammer sprach ihr lebhaftes Bedauern hierüber aus. Bezeichnend ist, daß Godefroi am Schluffe der vorigen Session der zweiten Kammer dem Finanzminister den größten Theil der ihm als Deputirten ausgezahlten Diäten zurückgeschickt hat, weil er in! Folge seines Gesundheitszustandes den meisten Sitzungen nicht habe anwohncn können. Ir e u i l l e t 0 n. vie 2udeu in Tunis. Bon H. v. Kesse-Wartegg (Forrsessung.)! Ich hatte schon früher die Bekanntschaft einiger, wenigj stens äußerlich europäisirter Juden gemacht, denen ich gclegentlich den Wunsch aussprach, auch ihre Wohnungen und Familien kennen zu lernen. An ihrer Hand durchstreifte ich' das Ghetto von Tunis. Zum Unterschied von dem maurischen; Quartier stehen hier die Häuser überall offen; auf den Stufen sitzen Frauen und Kinder, alle in dem so sonderbaren und nach europäischen Begriffen höchst unanständigen Religion; ln den Fenstern sieht man durch die schweren Eisengitter hindurch manch' liebliches Mädchengesicht, noch nicht so feist und aufgedunsen wie die der Frauen; der Schmutz der Straßen und das elende Aussehen des ganzen Stadttheiles ließ nicht sehr viel von der Reinlichkeit der Bewohner erwarten, aber — diese Frauen scheinen wie schöne Blumen auf einem Mistbeet zu sein. Ihre stramm anschließenden Tricots, ihre Strümpfe sind von schneeiger Weiße, Gesichter, Hände und die nicht selten offen getragene Büste von seltener Reinheit, ihre Wohnungen gescheuert und gefegt. Treten wir in eines dieser Häuser ein. Sie ähneln ganz den maurischen Häusern und sind auch großentheils von Mauren erbaut. Durch einen engen Corridor gelangen wir in einen kleinen, glasbcdeckten oder auch offenen Hofraum, auf welchen an allen vier Seiten die Fenster und Thüren der Wohnräumc : münden. In reicheren Häusern lausen um den quadrat-! förmigen Hosraum durch alle Stockwerke Säulengänge oder 1 Gallerien aus gemauerten Bogen, in ärmeren nur hölzerne : Baleone. In jedem Hause wohnen in der Regel mehrere Familien, deren jede ein ganzes Stockwerk, oder wohl nur eine Seite desselben bewohnt, so daß auf sie kaum mehr als ein großes Wohnzimmer und zwei oder drei Kämmerchen von winziger Ausdehnung entfallen. Die Wände des Hofes, ebenso wie der Hofraum selbst, sind mit kleinen, glasirten und

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