Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 51 (20.12.1881)
- Date
- 1881-12-20
- Page
- Seite 848 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3227339-3227391--39511-3308831- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
von der göttlichen Strafe verfolgt, gebrandmarkt werden. Es kann also doch nur als eine sehr gerechtfertigte Bertheidigung angesehen werden, wenn der Nachweis geführt wird/ daß nicht von den Juden, sondern von den Römern die Verurtheilung ausgegangen ist. Aber diese Leute haben sich von jeher gewöhnt, jede Vertheidigung der Juden als einen vermessenen Angriff auf das Christenthum zu bezeichnen. Eine zweite Verdrehung wenden der Verfasser und sein Referent darin an, daß sie ihren Lesern vorspiegeln, in Ihrer Broschüre werde Jesus nur als ein „Politiker" behandelt, was er gewiß am wenigsten gewesen ist. Dies schlägt aber der Wahrheit vollständig ins Gesicht, denn Sie zeigen nur, daß die Römer, insbesondere der römische Landespfleger, die Erscheinung Jesu von der römisch-politischen Seite angesehen und ihn ebenso behandelt haben, wie sie es nach geschichtlich bezeugten Thatsachen mit Anderen gethan, die zu dieser Zeit als Messiasie auftraten, weil sie die Römer, bei dem bereits sehr aufgeregten Zustande des jüdischen Volkes durch diese Messiasse Unruhen, Ausstände, Empörungen, ja vollständigen Krieg für wahrscbeinlich erachteten, die sie im Keime ersticken wollten. Daß durch den, von den Evangelien erzählten Einzug in Jerusalem und die in den Straßen und Tempeln geschehenen Auftritte der römische Landpfleger leicht zu dieser Annahme kommen konnte, und daß die ganze Behandlung Jesu durch die Römer von der Voraussetzung ausging, daß er sich „König der Juden" dünke, ist klar. Es ist also nur ein Kunstgriff der beiden Herren, Ihnen selbst eine Ansicht zu insinuiren, die sie nur als die Ansicht der damaligen Römer bezeichnen. Zu dritt imputiren diese Leutchen Ihnen die Absicht, den Evangelien jede geschichtliche Bedeutung abzusprechen, während Sie dieselben nur als mit dogmatischen Zwecken abgefaßt darstellen. Das Letztere zugeben, heißt nicht, ihnen jeden historischen Inhalt ableugnen, sondern nur behaupten, daß sie die geschichtlichen Ereignisse zu dogmatischen Zwecken ausgeschmückt haben, weshalb sie der historischen Kritik hinsichtlich dieser Thatsachen unterzogen werden müssen— wie ja jedes überlieferte Geschichtswerk, selbst wenn es nichts weiter als Geschichtswerk sein will, der Kritik unterliegen muß. In Ihrer Schrift aber vermeiden Sie jede Besprechung eines Dogma, und untersuchen nur die historische Thatsache, um welche es sich handelt. Dies wird wohl genügen, die Gegenschrift und das Referat zu charakterisiren, um sie ruhig sich selbst zu überlassen. Tie ganze Frage ist ja doch keine Frage der Gegenwart und wird ihren Weg weiter gehen, wie alle Fragen über eine welthistorische Begebenheit. Amerika. San-Antonio (Texas), 15. November. (Privatmitth.) Herr H. H. Wolff in Edenkoben hat die Güte, uns den fol genden an ihn gerichteten Brief seines Sohnes (unter obigen Datum) mitzutheilen: „Vorige Woche kamen die ersten von ' der Alliance geschickten russischen Flüchtlinge hier an. Es waren vier junge Leute im Alter von 20—25 Jahren. Sie wurden hier vom Comitö empfangen, einquartiert und mit neuen Kleidern versehen rc. Heute haben drei von diesen Leuten schon permanente Stellungen und gestern verschaffte ich durch den Einfluß eines mir befreundeten Hauptmanns einem derselben Beschäftigung als Armeetischler, in San- Antonio stationirt, mit 50 Dollars Gehalt per Monat, freier Kost und Logis. Du solltest die armen Teufel sehen, wie glücklich sie sind. So gut haben es die Kerle im Leben nicht gehabt. Ich schreibe Dir dieses in Eile, weil ich weiß, cs interessirt Dich u. s. w." Washington, im Nov. An den Congreß, der soeben seine Session begonnen hat, ist, wie üblich, eine Botschaft des Präsidenten der Union gelangt. In derselben heißt es unter Anderem: „Es sei wichtig, auch die herzlichen Beziehungen zu Rußland zu stärken, namentlich müsse der Schutz für die dieses Land besuchenden friedlichen Amerikaner, insbesondere für die Juden gesichert werden, deren Behandlung zu energischen Vorstellungen seitens der Regierung der Bereinigten Staaten Veranlassung gebe." (Es bezieht sich dies auf die Ausweisung amerikanischer Bürger jüdischer Religion aus Petersburg.) Bonn, 11. Dez. (Notizen.) Man schreibt uns aus Cöln vom 6. d.: Herr I. Loeb, Lehrer an der hiesigen israelitischen Elementarschule, feierte heute sein 25jährigcs Lehrer-Jubiläum. Bon Seiten des Vorstands der Synagogen-Gemeinde wurden ihm Glückwünsche überbracht, und unter Anerkennung seiner Verdienste überreichte ihm der Vorsitzende, Herr I. A. Jonge, ein Ehrengeschenk, wobei derselbe in seiner Anrede besonders hervorhob, daß, wenngleich die israel. Schule in letzter Zeit als eine öffentliche in die Verwaltung der Stadt übergegangen, der Vorstand noch fortwährend das lebhafteste Interesse an dem Gedeihen der Schule, an dem Wirken der Lehrer rc. nehme und die Hoffnung ausspreche, daß der Jubilar noch ferner und lange mit Erfolg seiner Thätigkeit in gleicher Weise der Schule widmen würde. Herr Loeb dankte in bescheidener Weise und bewegten Worten für die ihm gewordene Anerkennung. Darauf überreichte eine Deputation des hiesigen französischen Club „Amitiv", dessen Mitglied Herr Loeb seit 22 Jahren ist, eine in den verbindlichsten und anerkennenswerthesten Ausdrücken abgefaßte Glückwunschadresse. Ferner wurden dem Jubilar von früheren Schülern als Zeichen ihrer fortwährenden Dankbarkeit und Verehrung eine prachtvolle goldene Uhrkette und Medaillon überreicht. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, noch lange Jahre mit ungeschwächten; Kräften der Schule seine Thätigkeit zu widmen. — Man