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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-12-20 · Heft 51 (20.12.1881) · p. Seite 846

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 51 (20.12.1881)
Date
1881-12-20
Page
Seite 846 (sequence 10)
Language
German
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846 Üomtte machen muß und noch dazu um ciuem ihrer schnei-! Wilh. Wohl zusammen 8 Scheiben eingeworfen; weiterer digsten, tüchtigsten, hoffnungsvollsten Reichstags - Candidaten. Schaden wurde nicht angerichtct. Dagegen war ein Höllen- Bon den Zinsen seiner mit den Mitteln des conservativen lärm entstanden, der von 7 Uhr Abends bis nach Mitternacht Central - Comitös um 28,000 Mk. verringerten Schulden dauerte. Die beiden Gensdarmen und Polizisten versuchten konnte der Herr nicht leben. Das war selbstverständlich, i zuerst, möglichst durch Güte die Haufen auseinander zu Das conservative Central - Comite suchte ihm also eine Exij bringen, weil sie fürchteten, durch Verhaftung die Aufregung stenz zu gründen, übergab ihm zur Errichtung einer Zeitungs-! noch zu verschlimmern. Auf einmal griff aber der Buchexpedition 1000 Mark und übernahm für die Expedition noch; bindermeister Fr. Kolterjahn sehr energisch ein. Um die die Garantie. Die Kunden fanden sich unter den Getreuen j Polizei zu unterstützen, suchte er zunächst durch Ermahnungen des cons. Centr. - Comites zu Hunderten, so daß bald ein die Leute zu zerstreuen; auf einmal sah er, wie der Lehrling Commis nöthig wurde, der in der Person des 22jährigen Dahlke einen Stein warf, verfolgte den Burschen, welcher in v. Z. engagirt wurde und der durch seine Verwandtschaft der Menge entschlüpfen wollte, packte ihn am Kragen und mit dem Redacteur eines antisemitischen Blattes beglaubigt spedirte ihn zur Wache. In gleicher Weise verfuhr Herr erschien. Die Abonnentengelder wurden flott eingezogen und Kolterjahn mit Wally, den er gerade in dem Moment erdie Abonnements selbst an einen hiesigen Zeitungsspediteur . tappte, als er rief: „Jetzt geht's los!" Gensdarm Papendieck verkauft — den Zeitungen aber nicht ein Pfennig bezahlt, ertappte später den Lehrling Freiberg, welcher mit drei ent- Unser ci-devant Reichstags-Candidat ist jetzt auf und Davon wischten Cumpanen ein Haus mit Steinen bombardirte. Der zu Schiffe nach Brasilien gegangen, nicht jedoch ohne zuvor Arbeiter Schulz wurde nächsten Tages arretirt, weil er sich seinen Commis der Staatsanwaltschaft zu denunciren, der bei mehrmals durch Rufe: „Sie müssen raus!" verdächtig ge- Lage der Sache es gerathen gehalten hatte, sein Gehalt sich macht hatte und diesen Ruf am Montag nochmals vor dem rechtzeitig zu sichern. Freitheater und Freieoncerte werden Gefängniß ertönen ließ. Guse schließlich war in Untersuchung zur Betrübniß unserer conservativen Mitbürger vor der gezogen, weil entdeckt wurde, daß er in einer Wirthschaft Hand kaum noch stattfinden können, da ein recht erheblicher einen Zettel geschrieben, auf welchem stand: Heute Abend Theil der Mittel des cons. Centr.-Comites in Folge der großer Judenkrawall. Sämmtlichc, die sich daran betheiligen übernommenen Bürgschaft absorbirt werden dürften. Schon wollen, werden gebeten, sich heute Abend 9 Uhr auf dem die nächsten Tage dürften außerdem die Cassirung der Offi- Markt einzufinden. Der Vorstand der Judenhetze " Dieser zierscharge des eidevaut'Reichstagscandidaten bringen, weil Zettel war nach dem Dorfe Porst mitgegeben worden und er verpfändete Ehrenscheine nicht eingelöst hat. Und dieser j folgerte die Anklage, daß dadurch aus Porst Hilfsmannschaften namhafteste Plaladin des Berliner Antisemitismus konnte es herbeigezogen werden sollten. — Die Anklage beschuldigte bei der Wahl auf 6400 Stimmen bringen." Also das find > nun Wally Guse und Schulz der Rädelsführerschaft und die Antisemiten und Christlich-Germanen! j Dahlke mit Freiberg der Theilnahme beim Landfriedensbruch. Nachschrift. Daß der Reichstagscandidat aus Berlin! Die Beweisaufnahme ergab indeß, daß der von Guse geentwichen sei, ist unbegründet, wie neuere Nachrichten mittheilen. I schriebene Zettel nur ein schlechter Spaß gewesen, und der C ötzlin, 28. November. Unter die Städte Hinterpommerns, die ihren Judenkrawall gehabt, zählt auch Bublitz, wo am Sonntag, 31. Juli d. I., ein Exceß zum Ausbruch kam. Das Nachspiel hierzu ging heute vor dem Schwurgericht in Scene und zwar in der Verhandlung gegen die ö Angeklagten : Schuhmachergeselle Wally (22 Jahre alt), Klempnergeselle Guse, Stellmacherlehrling Dahlke (18 Jahre alt), Schneiderlehrling Freiberg (15 Jahre alt) und Arbeiter Schulz. Wir geben darüber etwas Ausführlicheres, weil man daraus so recht fleht, auf welche Weise diese Exceffe gemacht wurden! Die Beweisaufnahme ergab, daß der in Frage stehende Landfriedensbruch, obwohl halb Bublitz auf die Beine gekommen war, also eine Zusammenrottung entstand, die auf 1000 Menschen geschätzt wurde, keinen großen Effekt hervorbrachte. In einem großen Fenster der Synagoge wurden sünf kleine Abtheilungen zertrümmert und ferner wurden in den Häusern der Kaufleute S- Jacobson, Moritz Aron, S. Salomon und Staatsanwalt fand, daß die Anklage gegen Guse wesentlich erschüttert sei, weshalb er Freisprechung beantragte. Gegen Wally ließ der Staatsanwalt halb und halb die Anklage wegen Rädelsführerschaft fallen, weil nicht erwiesen war, daß er die Menge angerufen, dagegen hielt er die Anklage wegen Theilnahme aufrecht. Dahlke und Freiberg waren geständig, geworfen zu haben, jedoch erschien nicht sestgestellt, daß sie Schaden verursacht hatten. Gegen Schulz schließlich ließ auch der Staatsanwalt die Anklage wegen Rädelsführerschaft fallen und beantragte, denselben wegen Ausreizung im Sinne des § 130. schuldig zu erkennen. Die Geschworenen sprachen nun Wally, Dahlke und Freiberg wegen groben Unfugs schuldig und nahmen zugleich an, daß Freiberg bei Begehung der Strafthat die zur Erkenntniß ihrer Strafbarkeit erforderliche Einsicht nicht beseffen. Freiberg ging somit straflos aus, Guse und Schulz wurden fteigesprochen und nur Wally und Dahlke wurden zu je 4 Wochen Haft ver-

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