Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 51 (20.12.1881)
- Date
- 1881-12-20
- Page
- Seite 845 (sequence 9)
- Language
- German
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845 Wirkung die leidige Aufreizung gegen die Juden auf diese,' gegen die Juden haben durch den Ausfall der Wahlen ein namentlich in der Beziehung hervorgebracht, daß bei Manchem, sehr fühlbares Dementi von der Nation erhalten: möchten das Eis des Jndiffcrentismus gegen das Judenthum gedie guten Wirkungen des bösen Wollens nachhaltige sein! brachen wurde. Jndeß dürften sie wohl jede Bestätigung Hoffen wir es. Oder hoffen Sie nicht? dieses wichtigen Punktes immer noch gern sehen und der Berlin, 11. Dezember. In der Sitzung des Reichs- Notiznahme werth halten. tages am 9. d. M. wurde der Gesetzentwurf über die Er- Die Juden fühlen sich durch jenen feindlichen Lärm, Hebung einer Berufsstatistik der ersten Berathung unterzogen, wegen des gemeinsamen Schicksals, zu innigerem Zusammen- Unter Anderen nahm das Wort vr. Hirsch. Redner tadelt, halt untereinander von Neuem angeregt. So weit man daß in den, zu den statistischen Erhebungen benutzten Formuhört, giebt sich dies auch bei solchen Juden zu erkennen, laren auch eine Frage nach der Religion enthalten sei, welche sich lange von Allem, was jüdisch heißt und Jüdisches während Religion und Beruf nichts mit einander zu thun betrifft, zurückgezogen hatten. Da man diesmal anders, als haben. Ein conservatives Blatt habe ausdrücklich erklärt, es es früher Brauch war, auch selbst gegen getaufte Juden die solle durch diese Berufsstatistik vor allen Dingen cineJuden- Feindseligkeit los lies, so bleibt ja auch denjenigen, die nur revision veranstaltet werden. (Hört, hört! links. Große Benoch rein äußerlich zu den Juden zählen und sich über einen wegung). Er meine deshalb, daß die Commission wohl Religionswechsel kein« sonderlichen Skrupel machen würden, überlegen solle, ob die Religion mit dem Nachweise der ja, sogar auch solchen, die dies thatsächlich schon an'den Tag deutschen Reichsbürger irgend was zu thun habe, gelegt, — keine andere Zuflucht für sich selber und die Nach-' Bundesbevollmächtigter v. Bötticher: Wenn der Vorkommen, als der engere Anschluß an ihre Schicksalsgefährten, redner bemängelt hat, daß in dem von mir mitgetheilten Mit unbefangenrm Urtheil wird man nicht umhin können, Formular auch die Frage nach der Religion enthalten ist, so in den überfüllten Synagogen oder Tempeln oder provisoribemerke ich, daß dies wesentlich darauf beruht, daß bereits schen Bethallen hierorts sowohl, als in ganz Deutschland, an im Jahre 1872 der in Petersburg abgehaltcne internationale den letzten hohen Festtagen, ein Zeugniß dafür zu erblicken,! statistische Congreß beschloffen hat, bei jeder größeren Aufdaß allgemeiner in der Judenschaft ein inneres Verlangen! nähme auch die Frage nach der Religion und Consession zu wiedererwacht sei, einmal wieder in jüdischer Gemeinschaft! stellen. Tie Staaten Oesterreich-Ungarn, die Schweiz, Frankjüdisch religiös zu empfinden. Mau hört hiervon auch in den > reich, Italien, Dänemark, Schweden-Norwegen haben bei Kreisen der hiesigen Resormgemeinde. Es war ein förmlicher! jeder größeren statistischen Aufnahme diese Rubrik für noth- Andrang zu dem Gottesdienste der Reform an den hohen j wendig gehalten. Festen, selbst von Männern, die sonst auch die Berliner Re- (Diese Behauptung muß hinsichtlich Frankreichs als ein form noch zu jüdisch" fanden, um sich ihr anzuschließcn! Jrrthum bezeichnet werden. In Frankreich wird keine staat- oder Gefallen an ihr haben zu mögen. j liche statistische Erhebung mit der Rubrik „Religion" ver- Es ist beobachtet worden, daß auch für die Quellen des! sehen. Gerade jetzt wird in Frankreich eine neue Volksjüdischen Wiffens bis in diese Kreise hinein ein Juteresfc zählung vorbereitet, und das für sie entworfene Schema hatte wieder rege geworden sei. Zu wünschen wäre es wohl, wenn i auch die Rubrik „Religion". Allein sie ist vor der Ausdaraus für die beffere jüdische Literatur ein Vortheil erwuchs.-. ' gäbe gestrichen worden. Redakt. d. A. Z. d. I.) Wer von der radikalen Reform hatte noch was vom Talmud I Abg. vr. Reichcnsperger (Crefeld): „M. H.! Nur eine wissen wollen? Kennen ihn ja auch diejenigen nicht, die auf i kurze Bemerkung, zu welcher eine Aeußerung des Herrn Abg. die ceremoniellen Setzungen den größten Werth legen. Sie s Hirsch mich veranlaßt. Ich möchte meinerseits es sehr bewerben sich wundern, zu vernehmen, daß am letzten Verzweifeln, daß die Juden ihm dafür Dank wissen, wenn er söhnungstagc im Tempel der hiesigen Reformgemeinde, wo gewöhnlich vor dem Neilah-Gottesdienste ein religionswissenschaftlicher Vortrag gehalten wird — sonst von vr. Bernstein, diesmal von Rabbiner vr. Chronik, — der Gegenstand dieses Vortrages der Talmud war. Der Auseinandersetzung, was der Talmud an sich sei, was er ehedem für die Inden zu bedeuten hatte und was jetzt, folgte die große Zuhörerschaft mit der gespanntesten Aufmerksamkeit, und hat die Gemeinde für die gegebenen Ausschlüsse und Ausführungen den wärmsten Dank zum Ausdruck gebracht. ein Bedenken dagegen geäußert hat, daß ihre Zahl osficiell constatirt werde. Meines Erachtens können sie stolz darauf sein, wenn die Prophezeiung sich an ihnen bewahrheitet, daß sie sich mehren sollen wie der Sand am Meere. (Heiterkeit.) (Der wohlfeile Witz des Herrn Reichensperger war um so weniger am Platze, als diese „Berufsstatistik" ja gar nicht die Seelenzahl, sondern nur die Bcrussartcn angeben kann. Wie viele Juden Angehörige des deutschen Reiches sind, weiß man längst ans der Volkszählung. Red. d. A. Z. d. I.) — Die „Voss. Z." schreibt: „Es sind in der That Nun, es kann nicht geleugnet werden, die Gehässigkeiten j recht traurige, trübe Erfahrungen die das conservative Central- 51