Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-12-20 · Heft 51 (20.12.1881) · p. Seite 843

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 51 (20.12.1881)
Date
1881-12-20
Page
Seite 843 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3227339-3227391--39506-3308826
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

8 43 Letzten, welche dem Theile unsrer Glaubensgenossenschaft, gr. 8.) als Lehrbuch für Schulen, z. B. für unsere Elemen^ der noch auf dem Boden des Schulchan Aruch steht oder tarschulen, für eine schwer verdauliche Aufgabe. Wenn der zu stehen vorgiebt, und der den Schulchan Aruch und seine j iüerf. auf die vorhandenen Religionsbücher einen scheelen Commentatoren nicht blos dem Talmud, sondern auch der Blick wirft und sie für „Produkte eines seichten Rationalis- Thora, den Propheten und Hagiographen gleichsiellt, es vermus" erklärt, fo halten wir diesen Ausspruch sür „das Prodenken. wenn er sich auf den Grund des Schulchan Aruch ein j du kt eines seichten Zelotismus"; denn durch die Auf- und Lehrbuch der Religion zusammenstellen läßt, in welchem z. B. Zusammenstellung von Ge- und Verboten des Schulchan sür das erste Gebot, der Anerkennung Gottes, nicht die Bü- Aruch hat man noch nicht die geringste Vertiefung des relicher Moses und die Propheten, sondern Rambam, rf'z und giosen Denkens und Fühlens erwiesen. Die Phrase vom Hirsch'Pent. angezogen werden. Ob in dem vorliegenden Buche „seichten Rationalismus" ist nachgerade und auf der Stufe, alle Vorschriften des Schulchan Aruch in genügender Auswelche die Entwickelung des Judenthums heutzutage einnimmt, wähl vorgetragen, oder recht fühlbare Lücken gelassen werden, abgenutzt und veraltet und zu einem Schreckbild für alte mögen die Autoritäten dieser Richtung entscheiden. In pä- Weiber geworden, dagogischer Beziehung halten wir ein fo dickes Buch (288 S. icj >i i Deutschland. Berlin, 5. Dezember. (Privatmitth.) Die Leser dieses Blattes wissen, daß wir uns in die Angelegenheiten und besonders in die Spaltungen der christlichen Kirche nicht ein' mischen. Allein, wo es sich um eine Persönlichkeit, wie die des Hofpredigers Stöcker, der, um sich eine Stellung zu verschaffen, sich nicht scheute, womöglich einen Brand gegen eine ganze Religionsgenosfenfchaft zu entzünden, und um dessen Position innerhalb seiner eigenen Kirche handelt, wird mau es uns nicht verargen dürfen, aus Urtheile aufmerksam zu machen, die über ihn gefällt wurden. Am '1. d. M. fand hier die diesjährige Generalversammlung des Berliner Proteslanten-Vereins statt. Ten Vorsitz führte Prediger Hösbach und die Hauptrede hielt Lic. thcol. Websky, Redacteur der protestantischen Kirchenzeitung, und zwar über „die kirchliche Lage in Preußen". Er ging in derselben auf die Berliner Stadtmissiou resp. auf die Doppelstellung ein, die der Hofprediger Stöcker als Vorsteher der Stadtmission und Präsident des christlich-soeialen Vereins ciuuimiiit und zur Vertreibung seines „Reichsboten", wie im Interesse der confervativen Agitation mißbraucht. „Auch auf der preußischen Provinzialsynode", sagt der Vortragende, „haben sich nicht nur die Liberalen unter Führung des Laudesdirektors v. Saucken- Tarputschen, sondern auch Consistorialräthc gegen Stöckers Art der Mission erklärt und das große Aergerniß der „Personal Union" zwischen der Berliner Stadtmissiou und der christlich-socialen Partei-Agitation ist dadurch nicht aus der Welt geschasst, daß Herr Stöcker die Vertreibung seines „Reichsboteu" durch Leute der Stadtmissiou geleugnet hat und daß auch Vorstandsmitglieder der Mission davon nichts wissen wollten. Die Fusion und Coufusion von Mission und ac\jz\ cljl'ei v. Politik besieht trotzdem. Ist es etwa unbekannt, daß die Paftoral-Conferenz Stöcker s Forderung, für seine Agitation kirchlich legitimirt zu werden, mit Begeisterung angenommen hat? Ist es unbekannt, daß auf der Äugust-Conserenz erklärt wurde: Stöckers Mission ist eine Mission in höherem Styl, er hat uns damit aus einen höheren Standpunkt gehoben? Ist es da zu verwundern, wenn wir laut und nachdrücklich gegen solchen Unfug unsere Stimmen erheben, und nicht noch mehr zu verwundern, daß die Vorstandsmitglieder der Stadtmissiou dies nicht schon längst gethan haben? Wir sind geschieden durch eine nnübersteigliche Kluft von diesem Parteichristenthum, das die Kirche in ihrer Würde aufs Tiefste schädigt. Das können und wollen wir nicht dulden und deshalb protestiren wir gegen das unverantwortliche Treiben eines Agitators, dessen Hetzereien in Wort und Schrift ein Hohn find gegen das Christenthuin und gegen den großen Reformator von Wittenberg. Ein hervorragender Theologe bat ganz mit Recht gesagt: Das System Stöcker» ist das der Wiedertäufer des Mittelalters, dieselbe Verquickung zwischen Christenthum und Socialismus, wie bei Johann von Leyden, dieselbe Schwärmerei, die sich über Vernunft und Christenthum keck hinwegsetzt, derselbe Fanatismus, der auch die niedrigsten Leirenschasten der Massen nicht verschmäht. Stöcker hält solchen Protest für abgethan durch das Gelächter seiner Confereuzpastoreu, doch muß es als eines Hosvredigers im höchsten Sinne unwürdig bezeichnet werden, wenn derselbe sich nicht scheut, Schmähungen zu schleudern, die aus allen Gasten und Gossen zusammengeholt sind. Ich kann seine politische Agitation um so mehr in dieser Art qualifiziren, als ich selbst den Standpunkt der von ihm geschmähten i und verdächtigten Fortschrittspartei nicht theile." i Daß solche Proteste aus der Mitte der Kirche selbst

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.