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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-12-20 · Heft 51 (20.12.1881) · p. Seite 842

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 51 (20.12.1881)
Date
1881-12-20
Page
Seite 842 (sequence 6)
Language
German
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842 erreicht. Die Religion ist ebenso Sache des Gemüthes wie des Verstandes, und wenn letzterem den psychologischen Gesetzen nicht Widresprechendes, vielmehr Gemäßes geboten worden, so wird das eigentliche Leben durch die Entfaltung der' Gefühle hereingebracht. Tie religiöse Ueberzeugung in ihrer Lauterkeit muß ebenso sehr im menschlichen Herzen wurzeln, wie in der Auffassung des Verstandes. Dies ist es, was der Berf. in Form und Inhalt seiner Aufsätze ausspricht, und | von wo aus er seine Gegenstände ebenso lichtwie ge-' müthvoll behandelt. Kein Leser, selbst der zweifelnde, wird das Büchlein ohne Erwärmung, ohne einen neuen Antrieb zu religiöser Betrachtung aus Händen legen. — Wir schlie ßen hieran die Erwähnung einer ebenfalls englischen, wissenschaftlich verdienstlichen Schrift eines christlichen Gelehrten, indem wir an unsere neuliche Bemerkung erinnern, daß das jüdische Schriftthum gegenwärtig eine schöne Pstege in den Gelehrtenkreisen Englands, namentlich zu Cambridge und Oxford findet: r.'SN A Treatise of the Accentuation of the tbree so-ealled poetical Book* of the Old Testament. Psalms. Proverbs and Job. With an Appendix containiny the dreatise. assi^ned to R. Jehuda Ben-Bil’am. nn the same subjert. in the original Arabic. Bv William Wiekes. D. D. (Oxford, at the Clarendon Press. 1881.) Bekanntlich ist die Accentuation in den Psalmen, Sprüchen und Hiob sehr verschieden von der in den übrigen Büchern der h. Schrift. Die systematische Ordnung derselben zu finden ist um so schwieriger, als die Textausgaben hierin sehr von einander abweichen. Ter Berf., der den Ansichten Ewald» über diesen Gegenstand nicht beistimmen konnte, und welchem die Bemerkungen Baers darüber nicht genügten, machte diese Accentuation zum Object seiner Untersuchungen, die er mit einer Durchmusterung der Codices begann. Wir können an dieser Stelle auf die wichtigen Resultate, zu welchen der Bert, durch Umsicht, Fleiß und Belesenheit gelangte, nicht näher eingehen und empfehlen die Schrift der Prüfung derjenigen Gelehrten, die sich auch diesem Theile der kritischen Bibelforschung zuwenden. Dankbar müssen wir Herrn Wickes auch für die Mittheilung der Abhandlung Jehuda Ben Bilam (oder Balam) aus Toledo «um lO.jtj) im arabischen Originaltext sein. Ein Fragment in hebräischer Sprache mit einer lateinischen Version besitzen wir von Mercerus, Paris 155«», und die Vorrede und den Inhalt der 7 Kapitel nach der hebräischen liebersetzung von L. Dukes (Stuttgart 1844.' Hier haben wir nun das Original vor uns. — Blüten von den Gefilden Juda's. Traduktionen und Versionen aut dem Gebiete des jüdischen Schriftthums. Gesammelt von Leopold Freund. (Budapest 1882, Selbstverlag). Wer diesen Titel liest, dem wird es einleuchten, daß er uns nicht gefiel. „Traduktionen und Versionen", wozu diese Fremdwörter? Auch die Vorrede, die den Titel „Prolog" führt, sagte uns nicht ganz zu, denn bei voller Würdigung der Begeisterung, die der Berf. für Bibel, Talmud und jüdisches Schriftthum empfindet, geht die Lobrede doch zu weit und der Ausdruck ist allzu schwungreich. Desto mehr wurden wir von dem Buche selbst angenehm überrascht. Der Berf. giebt eine Sammlung von meist kürzeren, bisweilen auch längeren Aussprüchen aus Talmud und Midrasch, nur wenige aus späteren hebräischen Schriften, die er metrisch nicht sowohl übersetzt als bearbeitet. In 10 Abtheilungen bringt er Volkssprüchwörter, Weisheit und Moral, Glcichnißrede und Dichtung, weltliche Klugheitsregcln, Diätetik, Astrologie, Meteorologie, Horoscopie, Epigramm, Räthsel, Wortspiel, Gebet und Festgesang, Segen und Fluch und Gelegenheitsreden", denen er noch als „Epilog" eine Erzählung aus Sotha hinzufügt. Der Berf. sagt im Vorwort: „Unser Streben bei Abfassung dieses Werkes ging dahin, dem größern Publikum, dem die schwierige Sprache des Talmuds und des Midrasch fremd ist, die Möglichkeit zu bieten, sich mit dem Geiste, der darin herrscht, bekannt zu machen, und das jüdische Schriftthum nach feinem hohen Wertste würdigen zu lernen. Nicht minder aber wollten wir dem nichtjüdischen Lesepublikum einen Einblick in die viclverleumdeten Bücher verschaffen, die nur böser Wille und Fälschung in einer Beleuchtung darzustellen vermag, in der die Sonne blind erscheint und das Strahlende geschwärzt wird". Diese Absicht hat der Berf. in der That erreicht. Die Auswahl ist gut getroffen. Wie immer bei der Uebersetzung solcher Kernsprüche man nicht vermag, sie mit derselben Kürze und Bündigkeit wiederzugeben, ohne geradezu dunkel zu werden, und Nebenzüge zu verlieren, die in dem Original durch die Wahl des besonderen Wortes angedcutet sind, so erging es auch dem Uebersetzer. Aber er faßte die Schwierigkeit muthig an, umschrieb in metrischen und gereimten Versen den kurzen Spruch mit umfänglicher Deutung und gab dem Leser damit ein anschauliches Bild dessen, was der Spruchredner in seiner Kürze gemeint. Die Verse sind meistens sließend und ungezwungen. Das Buch empfiehlt sich dadurch nach vielen Seiten und bringt zur richtigen Würdigung unsres Schriitthums einen achtenswerthen Beitrag. — rb',y\ oder die Vorschriften der Thora, welche Israel in der Zerstreuung zu beobachten hat. Ein Lehrbuch der Religion für Schule und Familie von Ludwig Stern, Direktor der israelitischen Schule in Würzburg. (Frankfurt a. M. Kaufmann, 1882. > Ter Vers, sagt von seinem Buche im Vorwort: „Dasselbe enthält in übersichtlicher, systematischer Anordnung die Gebote, Verbote der schriftlichen und mündlichen Thora, welche toir in der Zerstreuung erfüllen können und erfüllen müssen, doch nicht blos die Grundvorschriften allein, sondern auch die Einzeivorschriften ■'£-£), soweit sie ohne Casuistik sich darsteilen lassen, nach den Codices c"r, r"n, y '-.v, deren Glossatoren und anderen crf---." Wir sind die

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