Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1881)
- Date
- 1881-12-13
- Page
- Seite 833 (sequence 13)
- Language
- German
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833 aus Belgrad berichtet: „Große Befriedigung herrscht in der hiesigen Judengemeinde darüber, daß die Regierung im März nächsten Jahres in der großen Skuptschina eine Juden-Emancipations-Vorlage in Uebereinstimmung mit der Stipulation des Berliner Vertrages einzubringen beabsichtigt. Der Entwurf wird der Kammer vorgelegt werden, sobald der österreichische Reichsrath den mit Serbien geschlossenen Vertrag genehmigt hat. Die serbischen Juden werden durch die neue Gesetzgebung auf gleichen Fuß mit den Juden gestellt werden, die österreichische Unterthanen sind. Letztere können in Gemäßheit des neuen Vertrages Grundbesitz in irgend einem Theile von Serbien erwerben." Bonn, -l. Dez. (Notizen.) Aus Pest wird uns geschrieben. Am 20. d. M. verschied nach langen Leiden I)r. Adolf Dux, ein Verwandter unseres Literaturhistorikers Leopold Dukes; derselbe war mehrere Jahre Mitredacteur des P. Lloyd. — In Duna - Földvär wurde vor einigen Tagen der im Jahre 1777 geborene Leopold Glaß begraben. Glaß war einer jener wenigen Zeitgenossen, die Napoleon I. noch gesehen und zwar war dies bei einer großen Parade in Schönbrunn im Jahre 180t». Glaß war schon 1804 Lieutenant der kaiserlichen Truppen gewesen. Er hinterläßt eine 103 Jahre alte Wittwc und zwei Kinder, jedes im Alter von über 60 Jahren. A e u i l Ludwig Larnay uud Ariel ^costa im Grand- Theater zu Amsterdam. Amsterdam, 2. December. Während in Deutschland politischer Parteihader und schmutziger Antisemitismus das deutsche Publikum noch immer beschäftigen, erfreuen sich bei uns die glücklichen Bürger des besten Einverständnisses und genießen nach des Tages Last und Mühen gemeinschaftlich die sich darbietenden Erholungen. Auf der Tagesordnung des Amsterdamer Publikums steht das vor 14 Tagen eröffnete Gastspiel Ludwig Barnay's im hiesigen Grand-Theatre van Vier. Das Sensationelle, das dieses Gastspiel hervorgerufen, liegt nicht allein in dem hervorragenden Künstler (Israelit), der ja selbst im Nationaltheater zu Berlin volle Häuser zu machen gewohnt war, sondern vielmehr in Gutzkow's „Uriel Acosta", in welchem der Gast bereits drei Mal in der Titelrolle aufgetreten ist. Dies Stück, schon an und für sich, ungeachtet des etwas zweideutigen Charakters der Judith, immerhin ein würdiges Kunstproduct, ist für die Amsterdamer, zumal für unsere Glaubensgenossen, natürlich von ganz besonderem Interesse, da der Held, wie die meisten Personen des Stückes, in Amsterdams Mauern gelebt und hier bis heute Familienglieder hinterlassen haben. Merkwürdigerweise war dies Stück hier nur einmal und zwar vor dreißig Jahren gespielt worden; wie man sagt, sei die Aufführung desselben aus Rücksicht für die noch lebenden Verwandten der im Stücke handelnden Personen unterblieben. Nachdem sich Barnay als Hamlet unserm Publikum vorgestellt und selbst von gelehrten Kritikern großen Beifall errungen hatte, brachte die hiesige Presse eine ausführliche Biographie Uriel Acosta's, bei welcher sie die noch vorhandenen Papiere aus dem Gemeindearchive der portugiesisch-israelitschen Synagoge trefflich benutzen konnte. So entnehme ich daraus unter Anderm die interesiante Bemerkung, daß Uriel auf teton. Anklage der jüdischen Obrigkeit in's Gefängniß gebracht und erst nach 10 Tagen unter Bürgschaft zweier Leute und einer Geldbuße von 30 Gulden sowie der Eonfiscation seiner bekannten Schrift wieder entlassen wurde. Noch interessanter ist die Apposition, die dem Namen Uriel's zu Anfang dieses Bürgschaftsstückes (in welchem die Geldbuße 1200 Gulden lautet) hinzugcfügt ist und die keiner verstanden, jetzt aber eine der Wahrscheinlichkeit nahe liegende Erklärung gefunden hat. Daß Uriel früher als Katholik Gabriel geheißen, ist bekannt; nun beginnt diese „Entlassungsakte unter Bürgschaft": »Uriel da Costa, alias Adam Romez, is“ u. s. w. datirt v. 11. Maj 1624?) Niemand konnte sich erklären, woher dieser Name „Adam Romez“ stamme. da er noch nirgends gefunden worden und am allerwenigsten in der Fa' milie Acosta's. Das erste Wort jedoch, Adam 2in Mensch, gab schließlich Veranlassung zu der wohlbegründeten Meinung, daß man es hier nicht mit einem wirklichen Namen, sondern mit einem Beinamen, einer Art von Epitheton, zu thun habe, mit dem man zur Zeit Uriel Acosta charakterisirt haben mag. Und in der That kann es entweder -“D“ z~n heißen, ein kriechender, ganz unbedeutender Mensch, dem kriechenden Geschöpfe gleich, oder aber dc □~n, ein (die Gesetze) zertretender, entheiligender Mensch, was auf die Gesinnung Uriel's und sein Verhältniß zum Judenthum nicht besser passen könnte. Jeder war auf die erste Uriel Acosta Vorstellung gespannt und versah sich auch frühzeitig mit einem Billet, so 1) Die „Enllassungsakte unter Bürgscbasl" (akte von relasatie onder borgtocht) lautet wörtlich: „Uriel da Costa, alias Adam Romez. is bij sehepenon gereloseert uyt de gevangenisse dezer Stede onder haudtastinghe en belofte van fallen tyden op ’t roepen van den Heer Ottr. in regte te convpareeren en Öyn persoon in juditio te sisteren, waer voor sieh borgen gesteht hebben Abigael Estruez (Eslevez?) de Pina. Juan Perez de (Junja. belovende by faulte von Coniparitie in regte von de voors. Uriel da Costa ten behoeve von de Heere Otfr. te bet. (betelen) trwaelf hondert Glus. act. den Elfden May a 1(>‘24. Pet. Jacob Pietersz Hooghcamer en C’laes Pietersz, Schopenen/