Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1881)
- Date
- 1881-12-13
- Page
- Seite 834 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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834 daß am Tage der Vorstellung das Haus bereits gänzlich ausverkauft war. Am Abend schien der Eingang zum Kunst-, tempel beinahe gefährlich. Zwei Polizisten hatten Mühe ge-! nug, das sich scharenweise herandrängende Publikum nur allmählig einzulafsen, während zwei andere die Aufgabe hatten, die vorgefahrenen Droschken und Equipagen zu beobachten,; um einer Lebensgefahr vorzubeugen. Es war ein herrlicher Anblick, dieses Publicum von Gelehrten, Kaufleuten und Handwerkern in dem stattlichen The- 1 ater versammelt zu sehen, theils mit deutschen, holländischen und hebräischen Texten in den Händen. Schon der erste Auftritt des de Silva und Ben Jochai, in welchem Silva der freien politischen Constitution der Niederlande gedenkt, wurde mit der höchsten Befriedigung ausgenommen, die sich in Applaus kund gab. Kein Niederländer kann von der Freiheit feines Landes reden hören, ohne zu zeigen, daß er sie zu würdigen weiß, was ganz besonders vom niederländischen Juden gilt. In der zweiten Scene Uriels, in welcher er der Behauptung Jochais gegenüber vor den Rabbinen die Erklärung abgicbt, daß er doch Jude sei, hatte Barnay sein mimisches und rhetorisches Talent zu vollem Ausdrucke gebracht. Ein stürmischer Applaus bewies die Bewunderung des Publikums, und man wartete ungeduldig der nachfolgenden Scenen, die auch bald allen Erwartungen entsprachen. Warhaft künstlerisch und zugleich natürlich war! der Auftritt mit der blinden Mutter, die keinen der Anwe-1 senden ungerührt ließ, sowie die Widerrufungsscene in ber | Synagoge, welche noch durch die Decoration, die getreu dem Muster der über 200 Jahre alten portugiesischen Synagoge dargestellt war, ganz besonders gehoben wurde. Zwar meinte ein Sachverständiger, daß gerade diese Synagogenscene etwas zu gekünstelt und weniger natürlich wäre, womit ich aber keineswegs übereinstimmen kann. Barnay, der ja ein durchaus denkender Künstler ist, scheint — was ich auch an seinem Hamlet bemerkt habe — Kunst und Natur harmonisch zu verbinden; Unnatürliches habe ich noch nicht an seinem Spiele bemerkt, dagegen wahrhaft schön erscheinen Geberdenspiel und Bewegungen, die ich beinahe plastisch nennen möchte und die nach dem Meininger Muster ausgebildet sein mögen; Barnay ist ja Ehrenmitglied der Meininger. Da die auch hier gastirende Schauspielerin Charlotte Frohn vom kaiserlich-rnssischen Hoftheater zu St. Petersburg dem Gaste in diesem Stücke als Judith würdig sekundirte, und sich die sonst mittelmäßige deutsche Truppe des Grand-Theatre an diesem Abende ganz besondere Mühe gab, wodurch de Silva, ben Akiba und Oe Saulos vorzüglich repräsentirt wurden, lieferte die Uricl Acosta Vorstellung einen außerordentlichen Kunstgenuß, wie er uns hier nur sehr selten zu Theil wird. Stürmische Beifallsrufe während und nach der Vorstellung, sowie drei Lorbeerkränze, belohnten den Künstler. Auch die Preffe, so verschieden die Ansichten über Barnays Auffaffung und Spiel auch sind, ist voll Anerkennung und Lob für den Gast und bezeichnet ihn als einen würdigen Nachfolger Davisons. Daß dieses Stück noch zwei gedrängt volle Häuser gemacht hat und noch einigemal aufgeführt werden soll, dürfte dem Director des Grand-Theatre zur Freude gereichen; mir jedoch gilt der Umstand als eine Befriedigung, daß sowohl der ungarische Barnay als sein Vorbild, der polnische Davison, beide Juden sind, welche die darstellende Kunst auf dramatischem Gebiete in Deutsch!and zur rechten Würdigung gebracht, wobei sich Barnay als Stifter der „deutschen Bühnengenosienschaft" noch ein unschätzbares Verdienst erworben hat?) 1'. I) Wir haben uns bei aller Würdigung der vielen Schönheiten, die Gutzkow seinem Drama zu verleihen gewußt, niemals von „Uriel Acosta" befriedigt gefühlt. Wir sprachen dies z. Z. in einer Kritik! auch aus. Jedes Kunstwerk, auch das tragische, muß in eine Lösung! des in ihm gestellten Problems, eine ansgleichende Versöhnung auf- ' gehen, weil es sonst Zwiespalt zurückläßt und der befriedigenden i Harmonie ermangelt. Dies ist es nun, was dem Gutzkow'schen i Stücke fehlt, dessen Ausgang nur einen gewaltsamen Abbruch der; Entwickelung bedeutet. Gutzkow hat dies selbst gefühlt, und darum i den jungen Spinoza hereingebracht, um auf diesen, als auf einen! zukünftigen Träger der Entwickelung hinzuweisen. Dies ist jedoch eine gelehrte Auskunft, die der Poesie nichts nützt. Redaktion. Anzeigen. Ty> Qpyin -i-p werden mit 20 Ff. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- XIIOCl wC folgende Wochennnmmer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Exped. von R. Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin, Breslau, Cöln etc. zu adressiren. An-unserer 3kl asst gen Religionsschule, in welcher nur hebräisch gelehrt wird, ist eine Lehrerstelle, mit welcher das Cantorat verbunden ist, zum 1. April 1882 zu besetzen. Geprüfte Lehrer, welche im Hebräischen tüchtig und für das Cantoral befähigt find, wollen sich unter Einreichung ihrer Zeugnisse bis zum 1. Januar 1882 bei uns melden. — Gehalt 1650 Mark und Nebenrevenuen. sk). 17326) Pieschen, den 15. November 1881. Der Vorstand der züd Corporation. Vakanz. An einer israelitischen höh. Lehr- und Erziehungsanstalt sollen zum 1. April 1882 angestelll werden: 1. Ein Lehrer für Franz, u. Engl, mit fac. doc. bis II, 2. Ein Lehrer für Deutsch, Geschichte u. Geogr. desgl. 17349) Auf Meldung unverheiratheter Bewerber durch Rudolf Mosse, Berlin SIF. sub J. M. 7207 erfolgt eingeh. Mitrheilung. Eine junge Dame aus achtbarer Familie, nnderlieb, die mehrere Jahre einem größeren Haushalt selbständig vorgestanden, in Haus, wie in Küche nach jeder Richtung hin erfahren ist, sucht — gestützt auf Prima-SReferenjen — per gleich oder später in Berlin Stellung zur selbständigen Führung eines Haushaltes. Die feinsten Zeugnisse stehen zur Seite. Gefl. Offerten sab 4. Al. 8203 befördert Rudolf Mosse, Berlin SW. [B. 18201]