Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1881)
- Date
- 1881-12-13
- Page
- Seite 831 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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831 um die Anstalt und ihre Schützlinge erworben hat. Als ihm die Bürde des vorgerückten Lebensalters das Bedürfniß nach Ruhe und Muße nahe legte, schied Liebmann aus seinem Berufe, mit dem er erwachsen schien, begleitet von der dankbaren Anerkennung seitens derer, die sein Wirken aus der Nähe hatten beobachten dürfen. An seine Stelle trat in der Person des damals in der Gemeinde Braunsbach angestellten Religionslehrers Leopold Stern aus Oberdorf eine jugendliche Kraft, die von Anfang an die neue Aufgabe mit warmem Eifer und sachkundiger Umsicht erfaßte. 238 Kinder — 139 Knaben und 99 Mädchen — ungerechnet eine größere Zahl von Köstlingen und Fortbildungsschülerinnen, hat der Verein in dem ersten Halbjahrhundert seines Bestehens in seiner Fürsorge genommen, von welchen leider bereits 24 aus dem irdischen Dasein geschieden sind. In dankbarem Andenken bewahren wir das warme hilfreiche Interesse, das der höchstselige König Wilhelm für dieses Werk der Menschenrettung jederzeit bethätigt hat. Ein reiches Geschenk floß der Anstalt auch als höchstdesien testamentarisches Bermächtniß zu und es war daran der ausdrückliche Wunsch an den erhabenen Sohn geknüpft, es möchte auch unser in Ehrfurcht geliebter König Karl fernerhin dem israelitischen Waisenhause warme Unterstützung zukommen lasten. Seine Majestät, welche in Begleitung höchst Ihrer Gemahlin die Anstalt im Oktober 1865 mit einem Besuche gnädigst beehrten, haben die Erfüllung dieses väterlichen Wunsches huldreich zugesagt und Heidelberg, 29. Nov. ^Privatmitth.) Die Statistik der badischen Gymnasien und Realschulen für das Schuljahr 1880'bl stellt dem Bildungstriebe der Israeliten aufs Neue ein glänzendes Zeugniß ans. Die Gymnasien des Landes umfaßten 4591, nämlich 2005 katholische, 2090 evangelische, 482 israelitische und 14 sonstige Schüler. Als Verhältnißzahlen ergeben sich: Kath. Evang. Israel. Sonst. Gesammtbevölkerung: 63.2 34,7 1,8 0,3% Schüler: 43,7 45,5 10,5 0,3 Nach Maßgabe der Gesammtbevölkerung kommt ein Schüler eines Gymnasiums auf 342 Einwohner, dagegen nach Confessionen berechnet ein katholischer Gymnasiast auf 495, 1 evangelischer auf 262 und 1 israelitischer auf 57 Seelen. Nicht minder günstig stellen sich die Verhältnißzahlen bei den Realschulen: Kath. Evang. Israel. Sonst. Gesammtbevölkerung: 63,2 34,7 1,8 0.3 Schüler an den Realschulen mit Latein: 36,7 50,3 13. — „ „ „ ohne „ 42,2 49,3 ZA 0,1 Sämmtliche Realschulen zählten 4388 Schüler oder I auf 357 der Gesammtbevölkerung; nach Confessionen berechnet entfällt je ein Realschüler auf 583 Katholiken, 249 Protestanten und 53 Israeliten. Oesterreich-Ungarn. dieses Königliche Wort durch jährliche wohlthätige Zuwen- Wien, 29, Nvv. (Privatmitth.) Gestatten Sie mir, düngen an die Wilhelmspflege treulich einzulösen geruht, mit einigen Worten noch einmal auf die antisemitischen Von den Königl. Staatswaisenhäusern wird alljährlich für Expectorationen von Franz Liszt zurückzukominen. Eduard 3—4 Waisen das Kostgeld an die israel. Waisenanstalt ent- Hanslick äußert sich darüber wie folgt: richtet. Im Waisenhause erhalten auch die israel. Schulamtszöglinge gegen billige Entschädigung Kost: ebenso die israel. Zöglinge der Eßlinger Taubstummenanstalt. Im letzten Jahre wurde das Waisenhaus erweitert, so daß es ca. 40 Zöglinge beherbergen kann. Das Resultat der letzten Jahresabrechnung ergab wieder eine Bermögenszunahme von 4200 Mark, so daß der Verein außer dem zu ca. 30,000 Mark taxirten Gebäude jetzt ein Grundstocksvermögen von circa 200,000 Mark besitzt. Die Ausgaben bei 32 Zöglingen betrugen 21,302 Mark, die Einnahmen incl. 4327 Mark Zinsen, 7546 Mark Spenden und freiwillige Beiträge 29,824 Mark. Der jährliche Aufwand für einen Zögling betrug ca. 600 Mark. Die Zahl der Stifter, für welche in der Anstalt der Jahrestag gehalten und Kadisch gesagt wird, beträgt 294; dazu gehören auch die höchstseligen König Wilhelm und Königin Pauline, sowie andere christl. Stifter, z. B. ein evang. Dekan König von Brackenheim u. a. Möge es dem unermüdlichen Vorstand Hofrath Levi, der sich bloß philanthropischen und gemeinnützigen Arbeiten widmet, noch recht lange vergönnt sein, sich an dem Gedeihen der Anstalt freuen zu dürfen. „Ob es von dem Einflüsse Richard Wagncr's, des großen Judenfeindes, herrühre oder von Liszt's geistlicher Umgebung in Rom, jedenfalls ist es ein trostloses Schauspiel, einen geistreichen, bisher auch wohlwollenden und humanen Menschen wie Liszt zu solch' schmutzigem Ab gründe von Gehässigkeit herabsinken zu sehen, Arm in Arm mit Leuten wie Stöcker und Jstoczy. In der That macht diese neueste Phase des alten Herrn einen zu pathologischen Eindruck, als daß man sich so recht oon ^.ruor»- über ihn lustig machen könnte. Ernsthaft kann man ihn noch weniger nehmen, obwohl er seine antisemitischen Recepte vollkommen ernsthaft verkündigt. So mag sich denn jeder damit im Stillen beliebig amnsiren oder ärgern." — Die „Germania" i ist hierüber sehr entrüstet und bezeichnet den Ausdruck . „pathologisch" als semitische Anmaßung. Nun, Hanslick ist t fein Semit und die „Germania" fühlt, daß sie seit Jahren l denselben pathologischen Eindruck macht. Man nndet ja! häufig, daß die Menschen sich der Krankheit schämen, von 1 der sie assizirt sind, und sie deshalb nicht eingesieben wollen. — Der Privatdozent an der Wiener Universität Df. 50*